„Revolutionär mit Feder und Skalpell“

Georg Büchner: Genie in neuem Licht

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Präparierte Frösche und Kaulquappen. Georg Büchner war nicht nur Autor, sondern auch Naturwissenschaftler.

Darmstadt - Ein Leben wie in Zeitraffer: Georg Büchner war promovierter Naturwissenschaftler, Aufständischer, politisch Verfolgter und vor allem Verfasser mehrerer Schriften, die mittlerweile zur Weltliteratur zählen, und doch nur erst 23 Jahre alt als er 1837 starb. Von Christian Riethmüller

Diesem kurzen Leben, dessen Schaffen bis heute ausstrahlt, ist nun eine große Ausstellung des Landes Hessen in Darmstadt gewidmet.

Unter dem Titel „Georg Büchner – Revolutionär mit Feder und Skalpell“ versucht die multimediale Schau im Kongresszentrum darmstadtium einen neuen Blick auf den genialen Dichter zu werfen, dessen Geburtstag sich am 17. Oktober zum 200. Mal jährt. Die in Zusammenarbeit von Institut Mathildenhöhe und der Büchner-Forschungsstelle Marburg entwickelte Ausstellung will dabei den Besucher räumlich und gedanklich in Büchners Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts eintauchen lassen. Wie Kurator Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, sagt, wird nicht nur Büchners Wort mittels Originalmanuskripten ausgestellt: „Wir zeigen, was Büchner gesehen hat. Wir bringen zu Gehör, was Büchner gehört hat.“

400 Exponate in der Ausstellung

So sind unter den gut 400 Exponaten in der Ausstellung zahlreiche Stücke aus Büchners Zeit zu finden, ob nun Möbel, Bilder, Bücher, naturwissenschaftliche Instrumente, Tierpräparate, eine Druckerpresse oder sogar eine Guillotine, die einst in Gebrauch war. Der empfehlenswerte Audioguide spielt zudem Töne und Musik ein, die Büchner zu Lebzeiten gehört haben wird, etwa den Glockenschlag der Darmstädter Stadtkirche, gregorianische Gesänge im Straßburger Münster oder aber das Knacken des Schädels einer Barbe. Diesen speziellen Ton kannte Büchner, der bei seinen naturwissenschaftlichen Studien die Nerven des Fisches untersuchte und darüber auch promovierte („Abhandlung über das Nervensystem der Barbe“). Insgesamt bietet der Audioguide 128 Ton- und Texteinspielungen - neben jenen Klängen, die Büchners Leben begleiteten, auch von Schauspielern eingelesene Passagen von Büchners Originaltexten.

Zitate aus Büchners Werken „Dantons Tod“, „Lenz“, „Leonce und Lena“ und „Woyzeck“ zieren auch die Wände im darmstadtium. Nicht selten sind es Zeilen, die zu geflügelten Worten geworden sind und so fast nebenbei Zeitlosigkeit und die ungebrochene Aktualität seiner Aussagen vor Augen führen. Gleichzeitig geben die Zitate den Stationen der Ausstellung ihr jeweiliges Thema vor.

Konzeption und Architektur der Schau

Weil das darmstadtium eigentlich nicht für Ausstellungen gedacht ist, waren Konzeption und Architektur der Schau eine ganz besondere Herausforderung. Um jeden Winkel der tausend Quadratmeter umfassenden Ausstellungsfläche bespielen zu können, sind Emporen, Korridore und Zimmer errichtet worden, die in einem Zickzackkurs zu durchmessen sind. Dieser Parcours kann durchaus sinnbildlich für Büchners Leben zwischen Darmstadt, Straßburg, Gießen und Zürich gesehen werden und weist auch auf eine Welt im Umbruch hin, in der sich alte Ordnungen und alte Denkweisen aufzulösen begannen.

Die Schau, die an diesem Samstag mit einem Büchner-Abend im Staatstheater Darmstadt (Beginn 18.30 Uhr) eröffnet wird, präsentiert Büchner als einen Menschen, der diesen Umbruch vorhersah und bis heute gültige Kernthemen einer neuen Gesellschaft erkannte. Deshalb auch – und dies dürfte die wichtigste Botschaft dieser sehenswerten Ausstellung sein – lohnt sich der Griff zu Büchners schmalem Werk immer wieder.

Die Ausstellung „Georg Büchner – Revolutionär mit Feder und Skalpell“ ist bis 16. Februar im Kongresszentrum darmstadtium, Schlossgraben 1, in Darmstadt zu sehen. Öffnungszeiten: Di - So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr. Am 25. Oktober erscheint ein umfangreicher Katalog .

Quelle: op-online.de

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