Schau „Dem Licht entgegen“

Gesamtbild Mathildenhöhe

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Bernhard Hoetgers Plakat zur Künstlerkolonie-Ausstellung 1914 wurde dahingehend interpretiert, dass die neue Kunst die alte Kunst besiegt.

Darmstadt - Mit der Schau „Dem Licht entgegen“ erinnert das Museum Künstlerkolonie genau 100 Jahre danach an die große Künstlerkolonie-Ausstellung von 1914 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt. Von Christian Riethmüller 

„Wenn wir heute von 1914 hören, denken wir sofort an ein Kriegsjahr“, sagt Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt. „In der damaligen Wahrnehmung war 1914 aber ein Kunstjahr“, verweist Beil auf eine große Schau des Deutschen Werkbunds in Köln, die erste Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (Bugra) in Leipzig und auf die Künstlerkolonie-Ausstellung in Darmstadt, die allesamt im Mai 1914 eröffnet wurden und für einen kurzen Sommer die Avantgarde in Deutschland feierten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren solche Bestrebungen dahin. Auf der Tagesordnung standen dann „Vaterländische Abende“.

Ihrer kurzen Dauer wegen ist die bereits am 2. August 1914 wieder geschlossene Ausstellung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe im Gegensatz zu den großen Ausstellungen von 1901, 1904 und 1908 etwas in Vergessenheit geraten. Wie wichtig sie allerdings war, um das Gesamtbild Mathildenhöhe abzurunden, will nun die Jubiläumsschau „Dem Licht entgegen“ aufzeigen, die heute, genau 100 Jahre nach der Eröffnung der Ausstellung von 1914, startet.

Detail aus dem Mosaikbild „Der Kuss“ von Friedrich Wilhelm Kleukens aus dem Jahr 1914. Das Bild ist in der Eingangshalle des Hochzeitsturms angebracht.

Kurator Philipp Gutbrod war allerdings nicht an einer Reproduktion gelegen, wie er gestern in Darmstadt sagte. Vielmehr habe er Objekte ausgesucht, die Zeichen setzten, die bis in die heutige Zeit weisen. Getreu der Tradition der Künstlerkolonie, Architektur, freie und angewandte Kunst quasi als Gesamtkunstwerk zu präsentieren, lenkt Gutbrod den Besucher nicht nur durch Schauräume des Museums, sondern auch hinaus ins Freie, hin zu mittlerweile ikonischen Elementen des Mathildenhöhe-Ensembles wie etwa Bernhard Hoetgers Skulpturenpark im Platanenhain. Hoetger habe in seinen Arbeiten ein „regelrechtes Kultur-Sampling“ betrieben, wenn er etwa Buddha, Krishna, Echnaton, Goethe und Gaugin zueinander in Beziehung setzte, sagt Gutbrod, der für das Freigelände der Mathildenhöhe einen zweisprachigen Audioguide hat erarbeiten lassen. Dieser Guide wie auch große Bildtafeln in Form von Bauschildern informieren den Besucher nicht nur über die Stilvielfalt zwischen Neo-Rokoko, klassizistischen Formen, frühem Expressionismus und gar einer Vorwegnahme von Bauhaus-Ideen, sondern auch über das Verschwundene und Zerstörte. Manches Gebäude auf der Mathildenhöhe war nur für die Ausstellung konzipiert, ein zerlegbares Ferienhaus etwa. Anders wurde bei Bombenangriffen auf Darmstadt im Zweiten Weltkrieg zerstört, darunter auch die zur Ausstellung von 1914 vollendeten Miethäuser nach Plänen des Leiters der Künstlerkolonie, Albin Müller, die einst die Ostseite der Mathildenhöhe als Ensemble abschlossen.

Bernhard Hoetgers Skulpturenpark im Platanenhain

Von diesen Miethäusern ist nur noch ein heute zur Hochschule Darmstadt gehörender Ateliertrakt erhalten, doch konnten Beispiele der Innendekoration bewahrt werden. Diese Möbel künden beispielhaft von den großen künstlerischen Ideen, die Müller, Hoetger, Elizabeth Duncan, Friedrich Wilhelm Kleukens, Emanuel Josef Margold, Arnold Mendelssohn und Heinrich Jobst 1914 präsentierten. Albin Müllers so feine wie schlichte Möbel haben kaum noch etwas mit der floralen Ornamentik des Jugendstils zu tun, sondern nehmen mit ihrer sachlichen Gestaltung schon die Formensprache der Moderne vorweg. Müller wollte das „Wohnwesen mit neuen Ideen befruchten, sachliche, geschmackvolle und preiswerte Gegenstände schaffen, für Leute, die mit ihrem Hausrat unter Umständen öfters umziehen müssen.“ Das klingt sehr fortschrittlich und steht exemplarisch für die Künstlerkolonie, die 1914 letztmals ihre Vision der Erhöhung des menschlichen Lebens mit Hilfe der Kunst präsentierte.

„Dem Licht entgegen“ bis 14. September auf der Mathildenhöhe in Darmstadt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr. An diesem Wochenende (16. bis 18. Mai) werden auf der Mathildenhöhe zudem die Darmstädter Jugendstiltage gefeiert. Höhepunkt ist das Illuminationsfest „Eine Nacht in Rot“ am Samstag von 17 bis 24 Uhr.

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Quelle: op-online.de

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