Geschichte ganz im Geist der Gründerväter gewürdigt

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Blick in die Ausstellung am Großen Hirschgraben

Sammeln, bewahren, forschen: Mit diesem Dreiklang ist die Tätigkeit des Freien Deutschen Hochstifts ansatzweise beschrieben. Von Maren Cornils

Die 1859 gegründete Stiftung, in deren Besitz sich Goethehaus und -museum befinden, hat in ihren 150 wechselvollen Jahren Kunstschätze und Wissen bewahrt sowie öffentlich zugänglich gemacht und ist als Treff demokratischer Bürger dem Bildungsauftrag treu geblieben; zumal zur Zeit des NS-Regimes. Mitglieder und Direktoren der Frankfurter Institution repräsentierten den nationalliberalen Gedanken, der den in der Tradition der Revolution von 1848 stehenden Gründern wichtig war.

150 Jahre Stifts-, Stadt- und Nationalgeschichte sind Anlass für eine große Retrospektive, die mit Gemälden, Büsten, Urkunden, Fotos und Schriftstücken durch die Historie von Hochstift und Goethemuseum führt. Zu erzählen gibt es genug, bebildert mit Schätzen der Sammlung. So schlägt die Schau den Bogen von der Gründung am 10. November 1859, Friedrich Schillers 100. Geburtstag, zur Gegenwart. Zeichnungen des Schiller-Festzugs reihen sich an die handschriftliche Satzung des Stifts. Dazwischen eine Teilnehmerkarte Ludwig Büchners oder ein Brief Friedrich Rückerts, die beweisen, dass das Hochstift die intellektuelle Elite lockte.

In den thematisch zusammengestellten Vitrinen finden sich das Erkennungsabzeichen der Stiftsmitglieder, ein silberner Eichenkeimling auf schwarz-rotem Grund, güldene Mitgliedsurkunden, ein Spendenaufruf des Schirmherrn, Reichspräsident Paul von Hindenburg, ein Aquarell des Malers Max Beckmann (Schenkung an Hochstift-Direktor Ernst Beutler), eine Federzeichnung des Mitglieds Moritz von Schwind mit dem Titel „Die Geburt Goethes“ von 1864 und andere Kunstwerke. Denn, das zeigt die Schau eindrucksvoll: Die Liste der Mitglieder war so lang wie illuster, und nicht wenige hinterließen dem Stift wertvolle Kunstwerke, die heute die Archive füllen.

„Revolution und Tradition – von der Freiheit des Geistes im Zeichen Goethes“ im Freien Deutschen Hochstift, Großer Hirschgraben 23-25, Frankfurt. Bis 28. Februar Montag bis Samstag 10 bis 18, Sonn- und Feiertage 10 bis 17.30 Uhr

Besucher erfahren, was Otto Vogler und 56 Frankfurter zur Gründung des Stifts bewegte, wie aus dem Goethehaus ein Museum wurde und welche Größen aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Literatur sich die Klinke in die Hand gaben. Sie unternehmen eine Reise durch das Gedankengut vergangener Epochen, vom Biedermeier über die Weimarer Ära und das Frankfurt der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Dass einem Namen wie Thomas Mann (er sprach 1932 zur Einweihung des erweiterten Goethemuseums), Theodor Heuss oder Carl Friedrich Mylius begegnen, macht deutlich, wie groß der Einfluss des Hochstifts war und ist.

„Revolution und Tradition – von der Freiheit des Geistes im Zeichen Goethes“ ist eine sehenswerte Schau, die Geduld verlangt und Lesefreude voraussetzt. Der es aber ohne didaktischen Zeigefinger gelingt, Zeitgeschichte spannend zu vermitteln – wie es sich die Gründer gewünscht hätten ...

Quelle: op-online.de

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