Geschwätz in Energie verwandelt

In besten Zeiten war der Humor von Badesalz schwarz, bizarr, seltsam, possenhaft, böse, skurril. Mitunter standen sie für die Wiedergeburt des Surrealismus aus südhessischem Geist. Gerd Knebel und Henni Nachtsheim schufen einen Humor, der von Typen lebte und nicht zwingend auf eine Pointe zielte. Von Stefan Michalzik

In mehr als 25 Jahren ist das Duo zahmer, routinierter, konventioneller geworden. Das neue Programm „Bindannda!“, das traditionsgemäß im ausverkauften Bürgerhaus Sprendlingen Premiere hatte, taugt aber nicht nur für eingeschworene Fans.

Peter, Dosenfabrikant von der Bergstraße, schlägt einem nach Irrflug mit dem Paraglider vor der Bretterhütte eines Sonderlings auf, der sich Noah nennt. An einer Arche zimmert er nicht, setzt Peter aber ins Bild, dass er in Anbetracht einer magischen Mauer in dieser zivilisationsfernen Idylle festsitze, in der man ohne Handynetz lebt und sich von Würmern nährt. Freilich verhält sich nicht alles so, wie es scheint.

Auf dass es ein unterhaltsamer Abend wird, macht Noah eine Vorgabe: Außerirdische würden eines Tages die Menschheit für die übelsten Geißeln – Klimakatastrophe und Vorabendserien – zur Rechenschaft ziehen. Zu ihrer Besänftigung gelte es, eine Schatulle mit Kulturleistungen wie einem Gedicht, einem Liebeslied und einer Kabarettnummer zu füllen. So entsteht eine bunte Mischung: Turbohessischquiz, Heavymetalflamenco und Babbelkraftwerk – verwandelt Geschwätz in Energie – mögen als Stichworte genügen.

Politik und Gesellschaft, mit Augenmerk auf Ökologie, bilden bei Badesalz seit jeher den Hintergrund. Wie weit sie vom Politkabarett entfernt sind, zeigt ihre Parodie in Arbeitshelm und Signaljacke, in der dem Kapitalismus das Totenglöcklein läutet.

Mensch-ärger-dich-nicht, Mikado und Bowling, aus der robinsonesken Situation heraus mimisch-gestisch gespielt: Dieses Meisterstück des Komischen lohnt den Besuch, und manches andere. Badesalz haben, nachdem zu befürchten war, dass sie ausgelaugt sind und es mit dem Duo bald ein Ende haben könnte, nach der mit Soloaktivitäten überbrückten Atempause wieder an Boden gewonnen. So kann es weitergehen!

Quelle: op-online.de

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