Gesellschaftliches und künstlerisches Ereignis

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Miah Persson als Fiordiligi und Florian Boesch als Guglielmo in der Salzburger „Così“

Jürgen Flimm, der als Intendant 2007 ins Direktorium der Salzburger Festspiele einziehen wollte, hat genug. An sein Motto „Das könnten noch einmal schöne Jahre werden“ will er wohl nicht erinnert werden, wenn er, vorzeitig entlassen, nach Berlin geht, um seine Intendanz an der Staatsoper vorzubereiten. Von Eberhard Mittwich

Die Lücke füllt der im Nachfolgewettstreit erfolglose Konzertverantwortliche Markus Hinterhäuser, bis Alexander Pereira aus der Zürcher Opernintendanz teilweise frei wird. Ironisch wirkt, dass das diesjährige Motto „Das Spiel der Mächtigen“ heißt. Nach mehr als der Hälfte des Festivals lässt sich sagen: Auch 2009 ist Salzburg ein künstlerisches Ereignis, nicht nur Glanz und Glamour.

Zu Recht ist im Opernprogramm das Fehlen zeitgenössischer Werke beklagt worden. Umso begrüßenswerter, dass mit Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“ ein herausragendes Werk des 20. Jahrhunderts erstmals im Programm stand, Jahrzehnte nach der Uraufführung in Mailand und der deutschen Erstaufführung von 1978 in Frankfurt in Jürgen Flimms Inszenierung. In der Regie von Katie Mitchell unter musikalischer Leitung von Ingo Metzmacher spielten die Wiener Philharmoniker mit den Sängern und der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor atemberaubend auf und machten den Abend zum Ereignis der Saison.

Etwas im Schatten stand das Oratorium „Theodora“ des Jubilars Georg Friedrich Händel in der Regie des mit der Oper Frankfurt verbundenen Christoph Loy, musiziert vom Freiburger Barockorchester, dirigiert von Ivor Bolton, mit den herausragenden Solisten Christine Schäfer, gebürtige Frankfurterin, und Kontratenor Bejun Mehta.

Zu groß waren die Hoffnungen Zuschauer

Nicht ganz die Erwartungen erfüllte der aus Frankfurt stammende Regisseur Claus Guth bei der dritten und letzten Premiere des Da-Ponte-Zyklus, „Così fan tutte“, mit der hinreißenden Miah Persson, in Frankfurt keine Unbekannte, als Fiordiligi, Bo Skovhus als zynischem Don Alfonso und Patricia Petibon als quirliger Despina sowie den Wiener Philharmonikern unter Adam Fischer. Zu sehr erhoffte das Publikum eine weitere Steigerung nach der überragenden „Figaro“-Produktion des Mozartjahrs 2006 und dem enttäuschenden „Don Giovanni“ vom Vorjahr.

So warteten Liebhaber traditioneller Oper auf die letzte Premiere, Flimms Inszenierung von Rossinis „Moïse et Pharaon“. Musikalisch wurden sie von den Wiener Philharmonikern, dem Staatsopernchor unter Riccardo Muti und den Solisten nicht enttäuscht. Aber die einfallslose, teils absurde Regie stieß überwiegend auf Ablehnung.

Die musiktheatralischen Ereignisse, zu denen auf der Perner-Insel eine abstruse „Judith“-Collage nach Hebbel und Vivaldi als Koproduktion mit dem Staatstheater Stuttgart kam, wurden bereichert um Konzerte – Haydn, Händel und Mozart sowie Nono, Liszt und Varèse. Hervorzuheben ist das Gastspiel der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit sämtlichen Beethovensinfonien, dirigiert vom Chef des hr-Sinfonieorchesters, Paavo Järvi.

„Dichter zu Gast“: Daniel Kehlmann

Im Schauspiel verhinderte der Tod von Jürgen Gosch die Euripides-Inszenierung der „Bakchen“. Jossi Wielers Produktion von Samuel Becketts „Das letzte Band“, kombiniert mit der Uraufführung von Peter Handkes „Bis dass der Tag euch scheidet oder eine Frage des Lichts“ stieß auf geteilte Meinungen.

Der „Dichter zu Gast“ Daniel Kehlmann untermauerte seine Beliebtheit, als er beim Eröffnungsfestakt seine Ablehnung des modischen Regietheaters öffentlich machte. Da kam Freude auf! Vielleicht lindert sie den Schmerz des Abschieds von Peter Simonischek, seit acht Jahren und nun zum letzten Mal allgegenwärtig als „Jedermann“ ...

Quelle: op-online.de

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