Die Queen wäre vermutlich amüsiert: Bäppi La Belle führt als Lisbeth Windsor in der Schirn durch die Ausstellung „Glam!“

Glamouröse Kunstvermittlung auf hesslisch

Travestie-Star Bäppi La Belle als Kunstexpertin Lisbeth Windsor. - Foto: Theatrallalla

Frankfurt - „Ich habe das Gefühl, Lisbeth Windsor wird eine neue Kultfigur“, meint Bäppi La Belle, schillernde Figur der Frankfurter Schwulenszene, während er – oder sollte man besser sagen „sie“ – sich auf einen Auftritt vorbereitet. Von Martha Schmidt

Dezent geschminkt, im leicht rosa schimmernden Kleid und mit einem Handtäschchen am rot behandschuhten Arm, schreitet er – sie? – schließlich durch die Schirn, vorbei an Glitter und Glamour der 1970er Jahre, vorbei an Fotos von Stars wie David Bowie, die einst Geschlechtergrenzen munter überschritten.

Seit über einem halben Jahrhundert lebt und wirkt Thomas Bäppler-Wolf in Frankfurt, wo er vor 35 Jahren eine Ausbildung zum Tanzlehrer machte und seit 1990 eine Tanzschule leitet. Für seine Mitarbeiter inszenierte er als Dankeschön gelegentlich kleine Travestienummern mit Playback zu Liedern von Milva oder Liza Minelli. Zunächst einmal im Jahr, dann zweimal, bis schließlich jemand meinte, das solle er doch jede Woche machen. Thomas Bäppler-Wolf entschied sich für monatliche Auftritte, aus denen über zehn Shows entstanden.. Dann wurde es Zeit, fanden Kollegen, dass er sich einen Künstlernamen zulegen solle. Bäppi war schon seit der Schule sein Spitzname, aber es fehlte noch das gewisse Etwas. Als in Frankfurt Plakate von der amerikanischen Sängerin Patti LaBelle hingen, war der Namenszusatz gefunden. Seither ist er als Bäppi La Belle in Frankfurt unterwegs.

Spätestens seit seinem Auftritt als Zaza in „La Cage aux Folles“, der letzten Produktion des Frankfurter Volkstheaters, erlangte er Bekanntheit als Schauspieler über die Szene hinaus. Eigentlich wollte er ja immer Schauspieler werden, doch seine Eltern waren strikt dagegen. „Aber als Tanzlehrer hatte ich ja mein Publikum“, tröstete er sich lange Jahre. Das Engagement im Volkstheater war dann sein Sprungbrett in die Schauspielerei. „Der Erfolg war eine Genugtuung“, freut er sich. „Seht ihr’s? Ich kann’s doch!“.

Nach der Devise „Man muss sich weiterentwickeln“ steuerte er nach dem Volkstheater-Erfolg schnurstracks den Weg in die Theaterwelt an und entwickelte sein „Theatrallalla“, sein Theater an der Friedberger Landstraße, weiter. Mehrere Produktionen sind seither dort gelaufen und die Schauspielerei wird ihm neben den Travestie-Shows immer wichtiger. Dass er von der Schirn für eine Führung durch die aktuelle Glam-Ausstellung angesprochen wurde, geht auf seinen Job als Museumsführer – alias Lia Wöhr, die Kellnerin vom Blauen Bock – durch die Tutanchamun-Ausstellung zurück. Er hatte sich schon als kleiner Junge für Ägypten interessiert und führte deshalb mit Leichtigkeit durch die Welt des alten Ägypten. Dies so erfolgreich, dass aus den zunächst drei geplanten Führungen 100 wurden.

Durch die Schau „Glam!“ wollte er aber nicht als Lia Wöhr führen. „Das hat sich abgenutzt“, sagt er. Deshalb erfand eine neue Figur: Lisbeth Windsor, adrett von Bäppis Schneider eingekleidet. Lisbeth wird allerdings nicht wie Lia hessisch babbeln, sondern in einer neuen Sprache: in hesslisch. Bäppi La Belle freut sich diebisch über den Auftritt. Schließlich ist das ein weiterer Schritt von der „Travestie“ in höhere Kultursphären, nun in die Kunsthalle. Auch deshalb passt Bäppi La Belle perfekt zur Ausstellung über eine Zeit, in der die Grenzen der Geschlechter und der Sub- und Hochkultur durchbrochen wurden.

Die Glam-Mode der 1970er hat er selber nicht mitgemacht. „Diese Zeit ist an mir vorbeigehuscht“, denn er sei nie mit dem Strom geschwommen. In die Glam-Ära musste er sich zunächst einarbeiten. Aber die Aufgabe reizte ihn sehr: „Ich liebe die Engländer! Auch wenn sie arbeitslos sind – wenn die Queen Geburtstag hat, dann feiern sie und halten zusammen.“ Die Queen liebt er sowieso, schon lange. Als 14-Jähriger hat er Autogramme gesammelt und wollte auch eines von der britischen Königin haben. Also schrieb er an den Buckingham-Palast. In dem Antwortschreiben gab man ihm zu verstehen, dass die Queen keine Autogramme zu geben pflege. Aber: Der Antwortbrief kam aus dem Buckingham-Palast, mit fettem Stempel und allem Drum und Dran. Und nachdem der Postbote den Brief ausgetragen hatte, wussten alle in Frankfurt-Griesheim, dass Bäppi Post von der Queen bekommen hatte. Als bürgerliche Queen wird man ihn – sie – am 16. und 30. Juni und am 3. und 5. Juli jeweils um 19. Uhr hesslisch über Glam-Kunst reden hören.

‹ www.theatrallalla.de

Quelle: op-online.de

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