Auf Geschmack gekommen

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Fotos, die nicht das Klischee vom harten Boxer bedienen: Professor Kai Vöckler (links) und Sheraton-Chef Dirk Wilhelm Schmidt vor den Werken von Miguel Graetzer, einem von elf HfG-Studenten, die bei der diesjährigen „gout“ im Hotel am Büsingpalais ausstellen.

Offenbach - Es mag nicht als Besonderheit gelten, wenn Zugezogene sich ums Image der Stadt bemühen. Im Falle von Dirk Wilhelm Schmidt und Kai Vöckler ist es dennoch bemerkenswert. Von Matthias Dahmer

Könnten ihre beruflichen Welten auf den ersten Blick doch nicht weiter entfernt voneinander liegen. Schmidt ist Geschäftsführer des Offenbacher Sheraton Hotels, Vöckler Professor an der Hochschule für Gestaltung.

Die beiden haben die diesjährige Austellung „gout OF“ auf die Beine gestellt. Eine Schau, bei der Kunst und gehobenes Gastgewerbe mittlerweile im siebten Jahr eine Verbindung eingehen, die es in dieser Form nur selten in Deutschland geben dürfte und die heute Abend mit rund 250 geladenen Gästen eröffnet wird.

Fast ein Jahr lang, bis 30. September 2012, dient das beste Haus am Platz wieder als Ausstellungsfläche. Kuratiert von Kai Vöckler zeigen diesmal elf Studierende und Absolventen der HfG ihre künstlerische Sicht auf Offenbach: Fotos der „Offenbach Beauties“ zum Beispiel zieren die Wände des Frühstücksbereichs, Boxer des Boxclubs Nordend blicken den Betrachter auf der Empore an, und Hotel-Chef Schmidt hat sich nicht gescheut, den Gästen auch Aufnahmen von den weniger ansehnlichen Seiten der Stadt, von Brachen und kalten Passagen etwa, zuzumuten. Hinzu kommen Grafiken und Kartierungen sowie die Stadttouren der Initiative OFLovesYou, die im Zuge der Ausstellung auch von Gästen des Sheraton gebucht werden können. Ein Musikvideo zu Offenbach wird als Trailer im TV jeden Gast auf seinem Zimmer begrüßen.

Ausstellung mit Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, was besonders für die ausstellenden HfG‘ler attraktiv sei, sagt Vöckler. „Der Gast erlebt einen historischen Hintergrund und zugleich eine kulturelle Idee“, formuliert Schmidt.

Profitieren von der Präsentation vor internationalem Publikum, das räumen Schmidt und Vöckler ein, soll indes nicht nur der Ruf Offenbachs. Obwohl mit der Ausstellung weder die HfG Hotelkunst macht, noch das Sheraton Werbung für die Kunsthochschule, erhoffen sich die beiden Initiatoren, dass durch „gout“ ein wenig der Bekanntheitsgrad ihrer Einrichtungen gesteigert werden kann. Kämpfen diese doch nach wie vor damit, dass Offenbach bei vielen nicht als erste Adresse gilt.

Zu Unrecht, wie Vöckler meint. Denn die Stadt sei doch längst auf dem Weg, sich zu wandeln. Dem kann Schmidt nur beipflichten. „Wir als Zugezogene nehmen Offenbach positiver wahr als viele Einheimische.“

Künstlerische Arbeiten im Haus

Diese sind natürlich schwerer ins Sheraton zu locken als Übernachtungsgäste. Aber es passiere schon, dass Offenbacher, die im Hotel-Restaurant speisen, sich die künstlerischen Arbeiten im Haus anschauten, weiß Dirk Wilhelm Schmidt aus den Erfahrungen der sechs vorangegangenen Ausstellungen. Grundsätzlich, sagt er, könne „gout“ besucht werden ohne auch nur einen Kaffee im Sheraton zu trinken. Alle ausgestellten Arbeiten sind auch käuflich zu erwerben. Lediglich zwei Werke seien in den vergangenen Jahren auch von Hotelgästen gekauft worden, sagt Schmidt.

Die mittlerweile langjährige Verbindung zur HfG, so der Geschäftsführer, sei eher zufällig entstanden, habe bei einem Gespräch mit Bernd Kracke, der damals „nur“ Professor und noch nicht Präsident der Hochschule war, ihren Anfang genommen.

Was sich das Sheraton den „Geschmack“, so die Übersetzung des französischen Wortes „gout“, kosten lässt, will Schmidt im Detail nicht verraten. Nur soviel: In die nun sieben Ausstellungen habe man insgesamt eine sechsstellige Summe gesteckt.

Quelle: op-online.de

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