Grauen am Geburtstag

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Alkohol ist keine Lösung, aber manchmal ein Trost: Hagen (Lutz Reichert) und Erich (Klaus von Pervulesko) stoßen an.

Wäre es nach Erich gegangen, er hätte sich den Tag in aller Ruhe mit einer Flasche südafrikanischem Chardonnay schön getrunken. Seine Frau Helga aber hat anderes geplant – und zum Geburtstag ihres Göttergatten lauter Freunde und Bekannte eingeladen, mit denen dieser an seinem großen Tag garantiert nicht anzustoßen gedachte. Von Maren Cornils

Doch es kommt ohnehin vieles anders im Verlauf dieses Abends, der dem Geburtstagskind noch garantiert lange in Erinnerung bleiben wird. Was genau erfahren die Zuschauer in „Genug ist nicht genug“, dem von Helmuth Fuschl inszenierten Boulevardstück von Nick Walsh, das in der Komödie Frankfurt Premiere hatte.

Klaus von Pervulesko spielt den grantelnden Unternehmer, Gudrun Gabriel seine hektische Frau Helga, ein Paar, bei dem schon nach den ersten Minuten klar wird: In dieser Ehe liegt einiges im Argen. Denn während Helga wie ein aufgescheuchtes Huhn zwischen Tischdeko und Backofen hin- und herjagt, sagen nach und nach alle Gäste ab. Stattdessen erscheinen unangekündigt Helgas scharfzüngige Schwester Evelyn (Ines Arndt) und ihr tollpatschiger Mann Hagen (Lutz Reichert), mit denen Erich seit Jahren auf dem Kriegsfuß steht.

Bis die ersten Verluste zu beklagen sind, dauert es nicht lang: Hagen demoliert nach und nach Handtuchhalter, Gläser und Geschirr, während Erich sich in der Rolle des Zynikers gefällt und Helga als Vermittlerin zwischen den Fronten das Schlimmste zu vermeiden versucht. Der Showdown aber beginnt mit dem Auftauchen von Helgas lebenslustiger, mehrfach geschiedener Mutter Hetti (Ilona Wiedem), die der „Geburtstagsparty“ erst richtig Schwung verleiht.

„Genug ist nicht genug“ ist eine heitere, aber zumindest im ersten Akt sehr gesprächslastige Komödie, die von frechen Dialogen und der Konfrontation exzentrischer Persönlichkeiten lebt. So brilliert der in gern gesehene Klaus von Pervulesko als misanthroper Selfmade-Mann, dessen selbstsichere Fassade jedoch gewaltig zu bröckeln beginnt. Präsentiert sich Schwager Hagen anfangs als spießiger Amtsschimmel mit Tee-Faible, der allenfalls zur Witzfigur taugt, so gewinnt er im Verlauf dieses turbulenten Abends deutlich an Selbstsicherheit und Kontur. Wie sich überhaupt so einiges im Kräfteverhältnis des Quintetts verändert hat ...

Noch bis 6. Juni in der Komödie

Gewollt blass kommt dagegen Gudrun Gabriel als verunsichertes Hausmütterchen rüber, strapaziert mit ihrem seltsamen Sprachduktus mitunter die Geduld der Zuschauer. Nach einer dialogorientierten, aber tempoarmen ersten Halbzeit, gewinnt das Geschehen an Fahrt, was vor allem der dynamischen, in der Rolle der naiv-egozentrischen Clan-Mutter aufgehenden Ilona Wiedem zu verdanken ist.

Quelle: op-online.de

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