Andrea C. Busch war Mitgründerin des Krimi-Netzwerkes Mörderische Schwestern

25 Jahre mörderisch

Eine Auswahl der von Andrea C. Busch geschriebenen Krimis und herausgegebenen Anthologien.
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Eine Auswahl der von Andrea C. Busch geschriebenen Krimis und herausgegebenen Anthologien.

Groß-Zimmern – Von klein auf liebte die 1963 geborene Andrea C. Busch Bücher, erzählte und schrieb selbst gerne Geschichten. Das half der damals 17-Jährigen auch sehr, als diese nach einem schweren Unfall mit Polytrauma fast ein Jahr im Krankenhaus verbringen musste. Dort verfasste die Klassenkameradin des Darmstädter Autors Michael Kibler zahlreiche Kurzgeschichten und erste Kurzkrimis.

Das führte schließlich 1996 dazu, dass sie mit gleichgesinnten die „Mörderischen Schwestern“ gründete, ein rund 660 Mitglieder starkes Netzwerk deutschsprachiger Krimi-Autorinnen, von Verlagsfrauen und Krimi-Liebhaberinnen. Die wichtigste Aufgabe des Vereins sind die Förderung, Anerkennung und Professionalisierung von Autorinnen im Bereich Krimi und Thriller. Doch noch einmal zurück zu Busch: Nach ihrem Abitur 1983 wollte die Groß-Zimmernerin Diplom-Übersetzerin werden und studierte daher an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz beziehungsweise Germersheim Englisch und Niederländisch, während sie in ihrer Freizeit dem Schreiben von eigenen Geschichten treu blieb. Ihr Interesse galt vor allem Krimis, speziell Frauenkrimis, und Kulinarik. So kam es, dass Busch bei ihrer Diplomprüfung 1989 ihre Abschlussarbeit über den niederländischen Krimiautor Janwillem van de Wetering schrieb und sich fortan der Übersetzung von Kochbüchern und Krimis widmete. Mit 30 Jahren machte sich Busch als freiberufliche Autorin, Übersetzerin und Herausgeberin selbstständig und engagierte sich zunächst unter anderem von 1993 bis 1996 als Regionalsprecherin der „BücherFrauen“ (Städtegruppe Frankfurt). Auf der Buchmesse entdeckte der Krimifan den Flyer der amerikanischen „Sisters in Crime, Inc“, der sich seit 1987 für die Förderung, Anerkennung und Professionalisierung von Autorinnen im Bereich Krimi einsetzt, und trat dem Netzwerk als Mitglied bei. Sie tauschte sich rege mit den amerikanischen Autorinnen aus und beschloss, mit Gleichgesinnten ein deutsches Pendant ins Leben zu rufen.

So gründeten sie am 3. Februar 1996 in Frankfurt das „Sisters in Crime German Chapter“ als deutschsprachige Abteilung des internationalen Verbands, dem sich rasch weitere Autorinnen, Leserinnen, Buchhändlerinnen, Bibliothekarinnen, Übersetzerinnen, Lektorinnen und Krimifans anschlossen. Busch wurde Vizepräsidentin und kümmerte sich vier Jahre lang vor allem um die internationalen Kontakte. In ihrer Amtszeit gab sich die Gruppe 1998 auch den Beinamen „Mörderische Schwestern“, um den Fokus auf deutschsprachige Krimis zu verstärken. Parallel zu ihrem Engagement bei den Mörderischen Schwestern war die Groß-Zimmernerin Krimirezensentin der „Virginia – Zeitschrift für Frauenbuchkritik“ und Mitarbeiterin des Darmstädter Frauenmagazins „Mathilde“. Sie forschte zum Thema „Frauen und Sport“, lieferte einen jährlichen Beitrag für das Blaue Buch der „BücherFrauen“ über die Verballhornung unserer Sprache in den Medien und schrieb 1996 ihren ersten eigenen Krimi „Mord stinkt zum Himmel“. Durch Buschs Engagement bei diversen Organisationen und ihre Kontakte im Krimi-Literatur-Bereich entstand die Idee zur kulinarischen Krimi-Anthologie „Mord zwischen Messer und Gabel“, die sie 1999 bei Gerstenberg herausbrachte. „Es war damals etwas ganz Neues, denn in diesem Buch waren einerseits nur weibliche internationale Autorinnen vertreten, andererseits wurden die Kurzkrimis von dazu passenden kulinarischen Rezepten begleitet“, berichtet Almuth Heuner, Studienkollegin, Mörderische Schwester und langjährige Freundin von Busch, die gemeinsam mit ihr in den folgenden Jahren noch weitere Varianten dazu veröffentlichte: „Mord zwischen Lachs und Lametta“, „Mord zum Dessert“, „Bei Ankunft Mord“ (mit Reisetipps), „Mord im Grünen“ (mit Gartentipps) und schließlich 2007 „Mord im Weinkeller“ (mit Weinempfehlungen). Um den Lesern nicht nur kriminell guten Lesestoff zu bieten, sondern auch erprobte Rezepte für jeden Anlass, kochten die beiden Übersetzerinnen von Kochbüchern die zu den Kurzkrimis passenden Gerichte (etwa aus den USA) nach und versahen die Rezepte mit hierzulande üblichen Mengenangaben.

Auch als Busch 2001 ihre berufliche Selbstständigkeit aufgab und eine Stelle als Sekretärin am Fachbereich Biologie der TU Darmstadt antrat, blieb sie der Krimiwelt treu. Das „Mehr“ an Freizeit nutzte sie, um sich beispielsweise 2001 als Jury-Mitglied für den Kurzkrimi-Glauser zu engagieren, 2002 an der Krimikonferenz in Oxford teilzunehmen sowie um weitere Regionalgruppen der Mörderischen Schwestern aufzubauen. Die Diplom-Übersetzerin mit Begeisterung für English-Tea-Time- und Häkelkrimis arbeitete an einer Sportlerinnen-Datenbank und mordete schreibend „in ihrem Garten unter dem Mirabellenbaum“. Selbst als man im Dezember 2005 bei der Autorin Darmkrebs feststellte, blieb ihre Tatkraft ungebrochen. So organisierte sie 2006 noch die Jubiläumsveranstaltung der Mörderischen Schwestern mit und nahm an diversen Lesungen teil. „Meine Schwester hatte noch so viel vor“, bekräftigt Rosemarie Busch-Maiwald. Nach der Diagnose folgte eine Operation mit anschließender Chemotherapie. In dieser Zeit schrieb Andrea erneut eifrig, denn sie wollte eine Anthologie ausschließlich mit eigenen Kurzkrimis sowie einen weiteren Roman herausbringen. Nach einer erneuten Operation Anfang September 2008 erlitt die Groß-Zimmernerin eine Lungenembolie, an deren Folgen sie am 2. September starb. Ihre letzten sowie beliebten, bereits veröffentlichten Kurzkrimis erschienen kurz nach ihrem Tod in der Anthologie „Manchmal muss es Mord sein“. Sicherlich hätte die engagierte Groß-Zimmerner Krimiautorin gerne noch miterlebt, wie die Mörderischen Schwestern „flügge“ wurden und sich heutzutage im deutschsprachigen Raum als gemeinnützig anerkannter Verein literarisch und politisch engagieren.

Von Martina Emmerich

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