„Abgeschnitten ist ein Zweig schnell“

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Fachmann Manfred Amann zeigt den Teilnehmern, welche Äste wo abgeschnitten werden sollten.

Klein-Zimmern - „Ich will mich davon überzeugen, dass das Gelernte von vor 60 Jahren richtig ist“, lacht Susanne Seubert. Sie steht mit rund 40 anderen Teilnehmern um einen Zwetschgenbaum und beobachtet Fachmann Manfred Amann, wie er seine Schere ansetzt. Der NABU hat am Samstag zu dem Kurs eingeladen und viele Zimmerner sind dabei. Von Ulrike Bernauer

„Wir haben Äpfel, Birnen und Zwetschgen“,erzählt Seubert, Bis jetzt hat die immer ihr Vater geschnitten. Aber allmählich muss sie es selber übernehmen. „So schlecht war das nicht, was ich von meinem Vater gelernt habe“,sagt die Zimmernerin, Die meisten Schnitte, die Amann zeigt, kennt sie.

Amann erklärt genau, warum er die Schere an der jeweiligen Stelle ansetzt. „Wann schneide ich am besten?“,fragt einer der Umstehenden. „Wenn es nur ein paar Bäume sind am besten gleich“, so die Antwort. Gärtnermeister Amann erzählt auch ganz allgemeine Dinge.

„Nicht einfach einen Trieb mitten drin kürzen“,ist sein Rat, „sonst erhält man einen Struwwelpeter. Lauter kurze Triebe, die alle keine Frucht tragen“.Man sollte auch überlegen, welcher Trieb weg kommt. „Abgeschnitten ist ein Zweig schnell, nur ihn wieder an den Baum dran kleben, das geht nicht“.

Am anderen Ende der langen Obstwiese von Ralf Oesswein steht Gärtnermeister Helmut Groh aus Münster. Beim Apfelfest im Herbst lernte er das Grundstück und die Zimmerner NABU-Gruppe kennen. Jetzt ist er bewaffnet mit Schere, aber auch mit Stift und Klebeband. Groh schneidet Reiser zum Veredeln. „Das findet man nicht so häufig, Gärten, in denen es Reiser von bekannten, alten Sorten gibt“, freut sich der Gärtnermeister, der früher im botanischen Garten von Darmstadt arbeitete. Er will mit den Reisern andere Bäume veredeln.

Ideal ist für ihn die Obstwiese, weil Oesswein einen Plan hat, auf dem genau eingezeichnet ist, welche Sorte Baum wo steht. Viele Apfelsorten, Birnen, aber auch Zwetschgen, Süß- und Sauerkirschen und Quitte oder Speierling sind im Angebot.

Die Gruppe hat inzwischen vom Zwetschgenbaum zu einem Apfelbaum gewechselt. Und Oesswein hat mit der Motorsäge vorgeführt, dass man einen Baum auch anders schneiden kann, als mit der Schere und der kleinen Handsäge. Ein Gewächs hat einen radikalen Schnitt erhalten.

Claudia und Helmut Klemenz schauen interessiert zu. „Wir haben junge Bäume gesetzt“,erklärt Helmut Klemenz, „Mirabellen, Äpfel und Quitten“. Und Claudia Klemenz ergänzt: „Wir hatten auch vorher schon alte Obstbäume, die haben wir auf gut Glück geschnitten“. Jetzt wollen die beiden sich einige Tricks vom Fachmann abschauen. „Wir haben schon eine Menge gelernt“,sagen sie übereinstimmend und wenden sich wieder Amanns Erklärungen zu.

Nachwahl

Bei der Jahreshauptversammlung des NABU Groß-Zimmern wurde Herbert Pietsch einstimmig als stellvertretender Vorsitzender gewählt.

Die Nachwahl war notwendig, da im Herbst Georg E. Held verstarb, der seit 2000 zweiter Vorsitzender war. Pietsch wird auch in Zukunft für Pressearbeit zuständig sein, ein weiterer Schwerpunkt sind Nisthilfen und die Betreuung der Schleiereulen in der Gemeinde.

Im weiteren Verlauf der Versammlung gab der Vorstand einen umfassenden Rückblick auf die Veranstaltungen 2008. Mit vielen Bildern wurden die Höhepunkte zusammengefasst.

Danach erfolgte eine Auflistung der für 2009 geplanten Aktionen. Ein Höhepunkt wird die 50-Jahr Feier des NABU Groß-Zimmern sein, so der Vorsitzende Dr. Lothar Jacob. Die Veranstaltung wird am 3. Juli im Glöckelchen stattfinden.

Neben einem Rückblick über die vergangenen 50 Jahre Naturschutzarbeit in Zimmern werden die wichtigsten Ereignisse in der Ortsgruppe vorgestellt. Danach soll der unterhaltsame Bildervortrag „Die Gersprenz - unser Flüsschen“ von Dirk, Otto und Alexander Diehl folgen. Als besondere „Jubiläumsaktion“ hat sich der NABU vorgenommen, in diesem Jahr mindestens 50 Nisthilfen aufzuhängen, mehr als 30 wurden bisher schon von fleißigen Helfern für die Brutsaison zur Verfügung gestellt. Es wurde nochmals betont, wie wichtig der ehrenamtliche Einsatz für die Natur ist, besonders vor dem Hintergrund der Klimaveränderung.

Der aktuelle Tipp für den Nachhause-Weg betraf die Amphibien, die begonnen haben, in ihre Laichgewässer zu wandern, und auf die unbedingt Rücksicht genommen werden sollte.

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