Abschied von Isabelle

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Vom Feuerwerk nach der Kerbpuppenverbrennung waren die zahlreichen Zuschauer begeistert.

Groß-Zimmern - Steinern sind die Gesichter, herzerweichend ist der Trauermarsch, der am Dienstagabend den Zug begleitet. Vorneweg marschiert das Dreigestirn aus Kerbmädchen Marie Weyand, Kerbvadder Lukas Senk und Mundschenk Tobias Beysel. Von Ulrike Bernauer

Natürlich ist Kerbpfarrer Manuel Müller mit entsprechend ernster Miene dabei. Dicke Tränen stehen ihm aber erst bei seiner ergreifenden Rede in den Augen.

Hatten die Kerbborschte des vergangenen Jahres erhebliche Schwierigkeiten, ihre Puppe an den Galgen zu bringen, so klappte die Verabschiedung von Isabelle wie am Schnürchen. In Windeseile hing die „gonz fantastisch Fraa“ am Galgen, allerdings recht tief. Ihre Füße baumelten knapp über dem Strohhaufen. Folge: Isabelle blieb nach der Entzündung des Feuers nicht lange über den Flammen. Nach wenigen Minuten stürzte sie in den Scheiterhaufen, was die Trauergemeinde mit einem kollektiven Seufzer quittierte.

Fotos von der Puppen-Verbrennung

Verbrennung der Kerbpuppe

Tränen gab es schon vorher viele. Bereits bei der Grabrede von Kerbpfarrer Manuel Müller hatten viele der Kerbborschte Wasser in den Augen. „Un glaabt mers, alle Kerbborschte finnes beschisse, dass mer se heit hergewwe misse. Sie wor immer alle Doag bei uns debei, un hots bestimmt gemerkt, die Kerb setzt Kräfte frei.“

Ergreifend war nach der Rede, die den Kerbpfarrer selbst zu Tränen rührte, auch das Trauerlied für Isabelle. Nadine Wolter gab mit dem Grabgesang der Kerbpuppe ihre Stimme, die Melodie „I’ am sailing“ kam von Rod Stewart.

Schmerzvolle Blicke beim Zug mit Isabelle zum Anglerheim. Foto: Bernauer

Glücklicherweise startete das Feuerwerk in all seiner Pracht gleich nach dem Verklingen der letzten Töne und lenkte die Trauergemeinde, die sich zahlreich am Platz vor dem Anglerheim eingefunden hatte, von ihrem großen Schmerz ab. Bunt erstrahlte der Himmel über Zimmern, nur die Feuerwehrleute gerieten etwas in Hektik. Einige Funken landeten nämlich im angrenzenden Maisfeld, was eine Zuschauerin zu der trockenen Bemerkung veranlasste: „Bald gibt es Popcorn.“ So weit kam es zum Glück nicht, die Feuerwehr musste nicht eingreifen. Die Zuschauer konnten die Farbenpracht am Himmel in aller Ruhe genießen und spendeten am Schluss reichlich Applaus.

Tröstend umarmten sich die Kerbborschte, bevor sich der Marsch zum Roten Platz in Bewegung setzte. Bis in die Nacht wurde gefeiert, jetzt allerdings ohne Isabelle.

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