Abschied und Neubeginn im St. Josephshaus

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Führungswechsel: Dr. Gerald Weidner (rechts) verlässt das St. Josephshaus. Sein Nachfolger, Markus Pelz (links), freut sich auf die neue Aufgabe. Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt lässt den einen ungern ziehen, freut sich aber auch auf die Zusammenarbeit mit Pelz.

Klein-Zimmern - „Es waren schwierige Zeiten für das St. Josephshaus, als Dr. Gerald Weidner 1995 die Führung der Erziehungseinrichtung übernahm“, berichtete Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt am Montag. Dafür hinterlasse Weidner nun ein gut bestelltes Haus. Von Ulrike Bernauer

Nach 17 Jahren wurde der Leiter verabschiedet. Er begibt sich allerdings nicht in den Ruhestand, sondern wird seine praktischen und theoretischen Erfahrungen künftig in der Lehre an Studenten weitergeben. Die Mitarbeiter des St. Josephshauses trauern ihrem alten Chef nach, wie Christine Wörtche und Karin Hotz klar zum ausdrückten.

Sein Einstieg sei schwer gewesen und er habe eine große Bürde auf sich genommen. Ihm sei aber die Konsolidierung hervorragend gelungen, so dass das St. Josephshaus nun vor einer positiven Zukunft stehe. Die Zusammenarbeit mit Weidner lobte auch der Leiter des Jugendamtes Darmstadt-Dieburg, Klaus Behnis, der das St. Josephshaus als ersten Ansprechpartner bei der Unterbringung komplizierter Fälle zu schätzen weiß. Zwar bedauerte Behnis den Weggang Weidners, freut sich aber schon auf den von Weidner bestens ausgebildete zukünftige Kollegen.

Bürgermeister Achim Grimm hat besonders die Öffnung des St. Josephshauses beeindruckt. War es früher ein Dorf im Dorf, so sei es jetzt ein Mitglied und Partner der Gemeinde.

Weidner bedankte sich bei Domkapitular Eberhardt für das Vertrauen in das Haus und seine Arbeit.

„Danke, dass Sie die Nerven hatten, auf uns und unsere Mannschaft zu setzen. Ohne dieses Vertrauen wären wir nicht aus den Niederungen heraus gekommen.“ Vertrauen setzt Weidner allerdings auch in seinen Nachfolger Markus Pelz, den er schon seit langem kennt, in der einwöchigen Übergabezeit aber noch besser kennenlernen konnte.

Breit gefächert ist der Erfahrungsschatz von Pelz (53), verheiratet und Vater eines Sohnes. Er hat nicht nur eine vielseitige Ausbildung, sondern auch zahlreiche unterschiedliche berufliche Stationen hinter sich. Als Zivildienstleistender machte Pelz seine ersten Erfahrungen im sozialen Bereich, anschließend studierte er Lehramt für Gymnasien. Früh wandte er sich der Kinder- und Jugendhilfe zu, auch in der Jugend- und Gerichtshilfe sammelte er Erfahrungen.

„Pelz hat zusätzlich noch eine Ausbildung als Kinder- und Jugendtherapeut, also bringt der Mann alles mit, was wir brauchen“, freute sich Eberhard, der den „Neuen“ begrüßte.

Pelz versprach in seiner kurzen Antrittsrede, sich den zahlreichen Herausforderungen, die es in der Kinder- und Jugendhilfe immer gebe, mit allen Kräften zu stellen.

„Gerade in der heutigen Zeit gibt es viele Krisen in Lebensgemeinschaften, bedingt durch den Verlust an ökonomischer Sicherheit, unter denen dann besonders die Kinder zu leiden haben“, so Pelz. „Die Familienverbände werden schwächer und manchmal hilft nur die Hilfe von Fachkräften, um erneut belastbare Beziehungen in den Familien neu zu entwickeln.“ Dabei sei es sehr wichtig, die Inhalte der Hilfen mit allen Beteiligten gemeinsam auszuhandeln. Pelz betonte jedoch auch, dass solche Prozesse Zeit benötigten: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

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