Abschied von Frontmann Jürgen Henning

Silvesterfeier mit Band Aktschen Rock im "Pi Pa Po"

+
Das „Pi Pa Po“ gilt auch am Jahresende als zuverlässige Bastion, wo sich das neue Jahr begrüßen lässt.

Groß-Zimmern - Wer die Silvesternacht nicht zuhause feiern will, dem bieten sich derzeit kaum öffentliche Veranstaltungen für den „Rutsch“. Das ist in fast allen Gemeinden so. Von Michael Just 

Eine der wenigen Ausnahmen bildet in Zimmern alljährlich das „Pi Pa Po“: Am Samstag wurde dort der Jahresabschluss in geselliger und gemütlicher Runde gefeiert. „Wenn viele andere Gaststätten zu bestimmten Terminen schließen, haben wir eigentlich immer auf“, erklären die Inhaber Moni und Udo Hagelauer die Tatsache, dass sich mit dem „Pi Pa Po“ als Anlaufstelle fast immer rechnen lässt. In diesem Jahr war ein Novum angesagt: Zum ersten Mal spielte eine Band an Silvester. Die vorherigen Jahre wurde stets mit Musik aus der Konserve gefeiert. Bandauftritte sind in der Lebrechtstraße keine Seltenheit, nur zum Jahreswechsel kamen die eben bisher noch nicht vor. Angesagt war am Samstag die Gruppe Äktschen Rock, die mit ihren fünf Mitgliedern – einmal Bass, zweimal E-Gitarre, Keyboard und Schlagzeug – das Kneipenbistro eng und gemütlich machte. Wer sich zum vollen Sound stärken wollte, konnte das bis zum Anstoßen der Gläser mit einer Gulaschsuppe tun. Wegen der räumlichen Verhältnisse stand Sänger und E-Gitarrist Jürgen Henning nicht vor, sondern neben den weiteren Bandmitgliedern.

Für den 66-Jährigen hatte der Abend neben dem Neujahrsrutsch noch eine weitere Bedeutung: Parallel stieß er das Tor zum Musiker-Ruhestand auf. Damit wurde ein Schlussstrich unter ein langes, stets mit viel Passion verbundenes Hobby gezogen. „Nach 53 Jahren muss halt irgendwann mal Schluss sein“, sagt der einstige Fahrlehrer, der damit nun doppelt im Rentnerdasein angekommen ist. Henning kommt ursprünglich aus Pfungstadt, lebt aber schon seit 25 Jahren in Groß-Zimmern. Musik macht er seit 1963. Die Hirschbachgang gehörte zu den wichtigsten Stationen.

Jürgen Henning (l.) feierte am Silvesterabend das Ende seiner Musikerkarriere, was zur Freude auch ein bisschen Wehmut fügte.

Der harte Kern von einst bildet nun schon seit mehreren Jahren die Formation Äktschen Rock die vor allem wegen ihres großen Oldie-Repertoires geliebt wird. Seit drei Jahren spielt die Gruppe in ihrer gegenwärtigen Besetzung. Mit dem Ausscheiden des Frontmanns fällt nun sowohl der Sänger als auch ein E-Gitarrist weg. Der Verlust wurde, wenn auch mit Bedauern, bereits kompensiert: „Es gibt schon einen Nachwuchsmann, der für mich übernimmt“, so der Aussteiger. Dass Henning in seinem Alter jetzt erst recht auf der Bühne Gas geben müsste, weist er schmunzelnd zurück: „Nur bei Udo Jürgens geht‘s mit 66 los.“ Der Abschied von dem sympathischen Frontmann lockte zu Silvester unzählige Fans ins „Pi Pa Po“, darunter Marion und Charly Geist. Wir sind da, weil wir Sex, Drugs and Rockn‘Roll wollen“, sagt der 58-Jährige mit Blick auf die guten, alten Zeiten. Das Paar kennt Äktschen Rock und schätzt deren Musik. Meist zieht es sie ins „Pi Pa Po“, wenn dort Bands spielen. Die Gelegenheit zum Jahresabschluss ließ man sich nicht entgehen. „Sonst hätten wir wohl mit Freunden was gemacht. Insgesamt ist ja heute in der Gemeinde wenig los“, bedauert das Paar. Am Pi Pa Po schätzen sie, dass dort Jung und Alt zusammenkommen. Das sei an Silvester wie an Kerb nicht anders.

Markus Obertshauser feierte das Prosit aufs neue Jahr mit seiner Verlobten. Ihm ist Äktschen Rock, die auch gerne als „Zimmener Band“ bezeichnet werden, ebenfalls vertraut, er kennt die Musiker über Bekannte. Vom Verlauf des Abends ist er überrascht: „Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viele von meinen Jugendfreuden da sind“, sagt er erfreut. Am Ende bereute er den Weg in die Eckkneipe nicht: „Oft gibt man an Silvester viel Geld aus, um etwas besonderes zu machen. Dann muss man eingestehen, dass die Sache nichts gewesen ist.“ Im „Pi Pa Po“ konnte ihm das am letzten Tag des Jahres nicht passieren: Der Eintritt war frei und Jürgen Henning drehte zu seinem Ausstand mit den größten Rock- und Pop-Klassikern richtig auf.

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare