Chaos im Garten

Ärger mit dem Maulwurf

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Im Garten von Inge Kuppec ist der Maulwurf los. Die braunen Erdhügel werden eher mehr als weniger.

Groß-Zimmern - Dass der Sommer vorbei ist und der Herbst begonnen hat, merkt Inge Kuppec nicht nur am Wetter. Sie sieht es auch klar und deutlich vor sich, wenn sie auf der Terrasse ihres Hauses entspannt und den Blick über ihren Garten schweifen lässt. Von Corinna Hiss

Und was sie sieht, macht ihr alles andere als Freude: Ihr Kleinod, ihr Garten mit dem grünen Rasen und den Blumenbeeten, ist übersäht von Maulwurfshügeln. „Ich weiß nicht, was ich noch alles dagegen tun soll“, klagt die 86-Jährige, die nach dem Tod ihres Mannes Haus und Garten alleine in Schuss halten muss. Gerade im Herbst ist der Insektenfresser – der fälschlicherweise oft in die Kategorie der Nagetiere eingeordnet wird – besonders aktiv. Auf der Suche nach Regenwürmern, die er mit einem Biss lähmt und als Winternahrung in seine Vorratshölen bringt, durchwühlt er das Erdreich und produziert so bis zu 20 Erdhügel an einem Tag.

Gartenpflanzen wie diese Rose rührt er Maulwurf zwar nicht an, verbreitet aber drum herum Chaos.

Das Problem, vor dem sich die Groß-Zimmenerin sieht, ist kein neues – es nimmt aber jedes Mal im Herbst neue und größere Formen an. „Seit Jahren schon ist mein Garten übersäht von Maulwurfshügeln“, beschreibt sie. Dabei zählt sie nicht nur einen oder zwei, sondern 40 Stück – auf einer Fläche von nicht einmal 100 Quadratmetern. Kurios daran ist aber, dass die Nachbarn links und rechts von Inge Kuppec einen ähnlich angelegten Garten haben, dort aber kein einziger Maulwurfshügel zu finden ist. „Ich verstehe das nicht, die Häuser wurden etwa zur gleichen Zeit gebaut“, steht die Seniorin vor einem Rätsel. Immer wieder hat sie mittlerweile alte Erdhügel geebnet, neues Gras gesäht und gehofft, dass ihr Garten bald nicht mehr aussieht wie gerade frisch gejätet – vergeblich.

Auch die üblichen Hausmittel, die den Geruchssinn des Maulwurfs reizen und ihn somit verjagen sollen, hat sie ausprobiert – erfolglos. „Ich habe Lappen in Wasser mit Brennnessel eingeweicht und sie in die Hügel gestopft, aber dann lag er einfach wieder im Gras“, sagt sie. „Dabei stinkt das doch und soll ihn verjagen!“ Früher hatte Inge Kuppec einen schönen Rasen ohne die lästigen Hügel. „Aber da hatte ich vier Katzen“, sagt sie. Die Vierbeiner hatten wohl den Maulwurf verschreckt. Seit es sie aber nicht mehr gibt, ist der Insektenfresser das ungewollte Haustier der 86-Jährigen.

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Doch warum fühlt sich das kleine Wühltier besonders in ihrem Garten so wohl? Für die Hobbygärtnerin gibt es dafür nur eine Erklärung: „In meiner Erde gibt es ziemlich viele Engerlinge.“ Die weißliche Made haust bis zu vier Jahre unter Tage, bis sie sich in einen Maikäfer verwandelt. Sie gehört neben Regenwürmern und Insekten zur Leibspeise des Maulwurfs. Gesehen hat Inge Kuppec das Tier noch nie, „aber ich sehe manchmal, wie er sich unter der Erde hindurch wühlt.“ Ein kleiner Trost bleibt ihr neben ihrem aufgewühlten Rasen immerhin: Da Gartenpflanzen nicht zu den Nahrungsmitteln von Maulwürfen zählen, bleiben ihre Rosen wenigstens unversehrt. Einzig ein immerwährender brauner Kreis aufgewühlter Erde, der sich um die blassrosa Stachelpflanze windet, erinnert sie daran, dass es in ihrem Garten alles andere als perfekt zugeht.

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