Alarmzeichen ernst nehmen

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Rettungsassistent Peter Melis maß den Blutdruck vieler Besucher.

Groß-Zimmern ‐ Zweimal hatte Uwe Bülter einen Herzinfarkt und war beide Male bereits klinisch tot. Doch er wurde wieder ins Leben geholt und fand mit Hilfe der Deutschen Herzstiftung und einer Herzsportgruppe ins Leben zurück. Von Michael Just

Seitdem engagiert sich der 71-Jährige ehrenamtlich für die Stiftung und bereitet dabei unter anderem den Herztag des Landkreises Darmstadt-Dieburg vor. Mittlerweile im fünften Jahr fand der am Mittwoch in Groß-Zimmern mit Unterstützung der Sparkasse Dieburg statt. Rund 250 Besucher kamen in die Mehrzweckhalle, so dass noch weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Die Aktion war eingebettet in die bundesweite Herzwoche, die rund 1 000 Veranstaltungen von Flensburg bis Garmisch bot. Im hiesigen Umkreis engagierte sich Bülter bei elf Terminen. In Groß-Zimmern geriet der „Herzonkel“, wie er sich humorvoll selbst bezeichnet, für den reibungslosen Ablauf mit Info-Ständen, Vorführungen und vier Fachreferenten immer wieder außer Atem. „Das ist doch positiver Stress“, antwortete der Schaafheimer lachend auf die Frage, ob ihn das Hauptthema des Abends „Das Herz aus dem Takt – Herzrhytmusstörungen“ nicht gleich selbst heimsuchen könnte.

Interessant und umfassend waren die Referate, die unter anderem über die neue Volkskrankheit „Vorhofflimmern“, Schrittmacher oder Defibrillatoren aufklärten. Als Info-Material konnte die dicke Sonder-Broschüre „Herzrhythmusstörungen heute“ mit nach Hause genommen werden. Wer wollte, bekam von der DRK-Ortsgruppe den Blutdruck gemessen. Zum aktiven Mitmachen forderte die Herzsportgruppe der Gersprenzgemeinde die Besucher in einer Vorführung auf. Mit ihren Darbietungen sowie ihrer bereits 30-jährigen Geschichte machten die Herzsportler doppelt neugierig. Dr. Mathias Göbel baute in seinen Vortrag eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an einer Puppe ein.

Präventives Handeln ist unumgänglich

Zusammen mit Landrat Klaus-Peter Schellhaas begrüßte BürgermeisterAchim Grimm die Besucher. Wie der Landrat sagte, könne man mit der Kreisklinik in Groß-Umstadt und mit dem Dieburger Rochus-Krankenhaus auf zwei medizinische Leistungszentren schauen. Die beiden Herzkatheter-Labore bezeichnete er als großes Stück Sicherheit: „In der Großstadt ist so etwas Usus, aber für den Notfallbereich auf dem Land nehmen wir eine Sonderstellung ein.“ Vor wenigen Jahren habe man einen langen Prozess für modernste Ansprüche angestoßen: „Von außen ist das Klinik-Hochhaus in Groß-Umstadt immer noch gleich. Aber innen hat sich schon vieles geändert und wird sich noch ändern“, so der Landrat.

Er mahnte, dass solche Einrichtungen nur den halben Wert besäßen, wenn parallel nicht präventiv gehandelt wird. So sollte der Herztag primär dazu dienen, Alarmzeichen rechtzeitig zu erkennen.

Bei Herzproblemen: gleich die 112 wählen

Dass man nun zwei Herzkatheder-Labore in direkter Nachbarschaft hat, findet Bülter wegweisend - schon deshalb, weil der Ostkreis zuvor nur über einen Kardiologen verfügte.

Wie er vorrechnete, leben hier derzeit 100 000 Menschen. „Bei zehn Prozent geht man von Kreislaufproblemen aus, die auch das Herz tangieren. Diese 10 000 Personen können jetzt auf ganz andere Möglichkeiten der Herzversorgung zurückgreifen“, konstatierte Bülter. Bei plötzlich auftretenden Herzproblemen riet er, sofort die „112“ zu wählen und keine Zeit durch Umwege über den Hausarzt vergehen zu lassen. „Jede Minute zählt“, so der Beauftragte der Herzstiftung.

Warum das Herz auf die Kartenspiele fand

Besondere Aufmerksamkeit zog der Vortrag von Dr. Michael Stanisch von der Kreisklinik Groß-Umstadt auf sich. Mit dem Thema „Das Herz in Kunst und Literatur“ hob er sich unterhaltend von dem restlichen Abend ab, wo das Herz im medizinischen Kontext meist etwas dramatisches oder sogar mulmiges versprühte.

Wie Stanisch sagte, gilt das Herz, das in seiner stilisierten Form mit den beiden großen Rundungen am oberen Ende vermutlich aus der Botanik und damit einer Blattform übertragen wurde, als sympathisches Symbol.

Mit dieser Bedeutung gelangte es einst auch auf die Spielkarten. Dort sollte es nicht nur den Spieltrieb anspornen, sondern auch die Widerstände der Obrigkeit besänftigen, die das Kartenspiel durch die Jahrhunderte immer wieder als Glücksspiel geißelten und verboten. „Bevor das Herz aufkam, waren Trinkkelche als Kartensymbol zu sehen“, erläuterte der Referent.

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