Testen und dann ab zum Feiern

„Alle lechzen nach Party“: Alternative Kerb des SV Viktoria in Klein-Zimmern schlägt ein

Nach über 18 Monaten Pandemie mal wieder tanzen: Bei der alternativen Kerb war das möglich.
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Nach über 18 Monaten Pandemie mal wieder tanzen: Bei der alternativen Kerb des SV Viktoria in Klein-Zimmern war das möglich.

Die Alternative Kerb auf dem Vereinsgelände SV Viktoria Klein-Zimmern ist trotz Corona bedingter Einschränkungen ein voller Erfolg.

Klein-Zimmern – „Das war damals mit die schönste Zeit unseres Lebens. Die Kinder haben in den Jugendmannschaften gekickt, unsere Männer bei den alten Herren, und wir waren im Vorstand aktiv und fast jeden Tag auf dem Sportplatz“, berichten Birgit Wiedekind, Gisela Wenchel und Elke Bach. Der Zusammenhalt bei der SV Viktoria sei damals schlichtweg phänomenal gewesen. Am Samstagabend kam das Trio, das aufs Alter befragt Geburtsjahre von Mitte der 1950er bis Mitte der 60er angibt, aufs Gelände des SV Viktoria zur alternativen Kerbparty. „Auch wenn wir heute in Groß-Zimmern oder Reinheim wohnen: Mit unserer Anwesenheit wollen wir den Verein unterstützen“, sagten die Frauen, die sich eine Flasche Sekt gönnten und sich mit lustigen Leuchtringen im Haar und am Handgelenk geschmückt hatten. Die gute Laune begründete sich nicht zuletzt darauf, dass es für die Runde das erste Fest nach Beginn der Pandemie war.

Möglich gemacht hatten das die Mitglieder des SV Viktoria. Nachdem der Kultur- und Kerbverein (KuK) entschieden hatte, wegen Corona auf Kerbfeierlichkeiten zu verzichten, nahmen vor ein paar Wochen bei einem Treffen der lokalen Ortsvereinsvorsitzenden die Grün-Weißen das Zepter in die Hand. „Es war von Anfang an klar, dass die Veranstaltung nur im Freien stattfinden kann. Dazu kalkulierten wir mit einer Impfquote, die Ende September langsam auf die 70 Prozent zugeht“, erklärte Vorsitzender Erhard Höptner. Als weitere Gründe nannte er das große, eingezäunte Gelände des Mehr-spartenvereins, was Abstand und eine Zugangskontrolle ermöglicht. Für gleich drei Tage, von Samstag bis Montag, wurde ein Alternativprogramm mit reichlich Musik und Speisevariationen entwickelt. Ein Kerbneuling ist der SV Viktoria nicht: In normalen Zeiten wird am Kerbmontag stets zum Frühschoppen und Mittagessen mit Rippchen und Haspel geladen.

Alternative Kerb in Klein-Zimmern: Besucherzahl auf 350 Personen beschränkt

Am Samstagabend spielte „Lehman5“ und damit eine Band, die sich in Zimmern derzeit ausgesprochener Beliebtheit erfreut. Schon bei der Kerb in Groß-Zimmern heizten die fünf Musiker mit Sängerin Jenny ein. Für ihre Cover-Songs, die alle Altersschichten ansprechen, gibt die Band sogar eine „Mitsing-Garantie“. Zur Auftaktveranstaltung setzten die Organisatoren bei der Hygiene maximale Sicherheit um. Die Besucherzahl wurde vorsichtshalber auf 350 Köpfe begrenzt. Dazu war für alle, auch Geimpfte, ein negatives Schnelltest-Ergebnis nötig. Zudem wurden Name und Telefonnummern zur Kontakt-Nachverfolgung notiert. Um den Aufwand für Besucher zu minimieren, platzierte der Verein in Kooperation mit einer lokalen Apotheke direkt am Eingang ein kleines Corona-Test-Center. Mehr Komfort ging eigentlich nicht. Testen und ab zum Feiern lautete die Devise. Mit fünf Euro zeigte sich der Eintrittspreis für „Lehman5“ mehr als sozialverträglich. Damit war laut Vorstand vor allem ein Dankeschön an die Mitglieder verbunden: „Viele haben im Lockdown weiterhin ihren Beitrag bezahlt, obwohl von uns keine Gegenleistung erbracht werden konnte. Jetzt machen wir was für euch“, sagte Höptner.

Bis eine halbe Stunde nach Mitternacht spielten die „Lehmänner“ und setzten zur Freude der Besucher noch vier Zugaben drauf. Im Verlauf ihres Auftritts schafften sie es sogar, erst einen, dann fünf und letztlich sogar eine zweistellige Zahl an Personen auf der riesigen Freifläche vor der Bühne zum Tanzen zu animieren. Bei bereits recht kühlen Abendtemperaturen und einer Gästeschar, die durch Corona in punkto Tanzen völlig aus der Übung ist und sich nur ganz vorsichtig an alte Stimmungsbarometer traut, eine respektable Leistung.

SV Klein-Zimmern: Viel Lob für alternative Kerb

Der SV Viktoria hielt für den Mut, eine alternative Kerb durchzuführen und nach 18 Monaten Corona ein Wiedersehen im Ort zu ermöglichen, viel Lob. Darunter von Sarah Hörr (36) und Steffen Hein (38), die mit dem Rad aus Groß-Zimmern gekommen waren. Die Verantwortlichen hätten das Gelände mit Stehtischen und Pavillons rund um die Bühne sehr attraktiv hergerichtet, lobten sie. „Alle lechzen förmlich nach Party“, brachte Hein das Bedürfnis junger Leute auf den Punkt, weshalb er auch schon in Groß-Zimmern auf der Kerb war. Sarah Hörr erlebte bereits ein Konzert in Michelstadt, wo es die Inzidenz erlaubte, gänzlich ohne Maske und Tests zu feiern – für sie das schönste Event in den vergangenen Wochen. Dahinter dürfte wohl gleich die alternative Kerb in Klein-Zimmern kommen, die – wenn auch mit einem Mehr an Vorsicht und Abstand umgesetzt – schon zum Auftakt am Samstagabend viel gute Laune und Geselligkeit bot.

Hervorzuheben sind vor allem die vielen Helfer, ohne deren Manpower nur wenig gelaufen wäre. Ob erste Mannschaft, Alte Herren oder Vorstandsriege: Bei der Übernahme von Diensten bestand keine Knappheit. Ein besonderes Lob richtete der Vorstand deshalb an die junge Garde im Verein: „Unsere erste Mannschaft besteht derzeit aus über 50 Prozent junger Erwachsener, die letztes Jahr noch A-Jugend spielten. Sie machen nicht nur sportlich ihre Sache gut, sondern bringen sich auch mit helfender Hand ein“, sagte Höptner.

Kerb Klein-Zimmern: 3G-Regel gilt

Nach dem Auftritt der „Zwoa Spitzbuben“ und einem Programm für die Jugend am gestrigen Sonntag geht die Kerb am heutigen Montag in die letzte Runde. Zum Frühschoppen spielt ab 11 Uhr Alleinunterhalter Jörg Ratz auf. Für den Eintritt gilt die 3G-Regel (Michael Just)

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