Alle packen bei Apfelernte an

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Zum elften Mal veranstaltete der Nabu in Klein-Zimmern sein beliebtes Kelterfest. Besonders junge Gäste packten bei der Apfelernte tüchtig mit an.

Groß-Zimmern - Erntezeit. Die Bäume auf dem 2 200 Quadratmeter großen Apfelacker tragen schwer an ihrer Last. „Wir haben ein gutes Apfeljahr!“, freut sich das Ehepaar Oesswein, Eigentümer des Grundstücks. Von Ursula Friedrich

Seit vielen Jahren ist die Pflege und Bewirtschaftung des Areals bei Klein-Zimmern ein erfolgreiches Kooperationsmodell mit dem Nabu. Der Naturschutzbund veranstaltet hier unter anderem Obstbaumschnittkurse – und: das beliebte Kelterfest.

Mit viel Mühe wurde das Grundstück zum Festtermin diesmal wieder hergerichtet. Alles drehte sich dabei um die Apfelernte: Kelter und Equipment, Biertischgarnituren und ein „Büfettzelt“ mit vielen Köstlichkeiten rund um den Apfel erwarteten die Besucher. Die mussten mit anpacken, um den leckeren „Süßen“ zu pressen. Besonders kleine Gäste wurden nur allzu gern zu Erntehelfern, karrten das Obst herbei und verarbeiteten es. Vis a‘ vis präsentierte ein einheimischer Landwirt, wie in der modernen Agrarwirtschaft viele helfende Hände durch eine Maschine ersetzt werden können. „Als Kinder haben wir die Kartoffeln mit der Hand ausgemacht“, erzählt Jürgen Federlin. Der donnernde High-Tech-Erntehelfer auf dem Nachbaracker beförderte nicht nur die Erdäpfel aus dem Boden, sondern sortierte und reinigte gleich mit.

Viele Informationen neben frisch gepresstem Süßem

Auf der Oesswein´schen Streuobstwiese passierte alles per Hand. Wie zu Großmutters Zeiten. „Probieren Sie mal den Speierling!“, forderte Nabu-Chef Lothar Jacob. Der Winzling dient als Namensgeber des hessischen Kultstöffchens – spielt mengenmäßig jedoch eine untergeordnete Rolle und verfeinert lediglich den Geschmack. Wer Zeit und Muße fand, konnte neben frisch gepresstem Süßem eine Menge an Informationen mitnehmen. So etwa leckere Kuchen- und Tortenrezepte, oder Wissenswertes rund um Äpfel und Obstanbau. Ein Novum war das literarische Intermezzo mit dem Klein-Zimmerner Autor Hans-Josef Rautenberg, der einige Kurzgeschichten zum Besten gab.

Momentan bereite in Hessen ein Pilz große Sorge, lenkte der Nabu-Chef die Aufmerksamkeit zurück auf den Obstanbau. Der Erreger befällt Apfelbäume, die im fortgeschrittenen Stadium gar absterben, so Lothar Jacob. Der bis dato unbekannte Pilz habe sich jedoch, gottlob, an keinem Baum der idyllischen Streuobstweise zu schaffen gemacht.

Heimat für rund 5000 Tier- und Pflanzenarten

Hier wird ein Stück Natur im Einklang mit den Bedürfnissen heimischer Tiere und Pflanzen bewirtschaftet. Das Obstbaumgrundstück ist eine Insel, die rund 5 000 Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet. Die mannshohen Hecken, hohes Gras und Nistkästen bieten vielen Tieren ein attraktives Rückzugsgebiet, so etwa dem seltenen Teichmolch oder Rehen.

„Früher war das mal ein Kartoffelacker“, so Ralf Oesswein, der das Gelände seit 1989 mit Obstbäumen bepflanzte, Sträucher und Hecken anlegte. Rasch war der Nabu mit im Boot. „Hier finden sich viele alte Apfelsorten“, erklärte Lothar Jakob. Statt hochgezüchteter moderner Sorten wird auf teilweise mehrere Jahrhunderte alte Apfelsorten gesetzt, die bestens an heimische Bedingungen angepasst sind. Und: „Hier wurde noch nie etwas gespritzt!“, so die Nabu-Experten.

Jedem Hobbyobstbauer rät der Nabu zu einheimischen Bäumen. Nur nach dem ersehnten Steinkautz, dessen Revier durch das Abholzen vieler Streuobstwiesen für den Raubvogel unattraktiv wurde, warten die Naturliebhaber noch vergebens. Eine große Nisthöhle soll den Vogel einladen, wieder ansässig zu werden. Sporadisch gesichtet wurde er bereits.

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