Die Kleiderkiste in Groß-Zimmern sucht einen neuen Verkaufsraum

Alles muss raus

Hoffen auf baldige Hilfe: die ehrenamtlichen Verkäuferinnen Barbara Redelin (Mitte) und Christina Sertillange (rechts).

Groß-Zimmern – Erst verschenkt, dann verkauft und bald Geschichte? Die Kleiderkiste Groß-Zimmern – geführt unter der Schirmherrschaft des Asylkreises in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Groß-Zimmern – steht vor einer ungewissen Zukunft. VON LARS HERD

Nachdem die Römergarten Residenz Haus Elisabeth ihren Eigenbedarf für den kostenfrei an die Kleiderkiste zur Verfügung gestellten Raum im Keller des Hauses angemeldet hat, ist diese dringend auf der Suche nach einem neuen Domizil.

2014 startete die Kleiderkiste mit einigen Ehrenamtlichen in der Garage des Jugendzentrums Groß-Zimmern. In dieser Zeit wurde gespendete Kleidung ausschließlich an Flüchtlinge ausgegeben, die teilweise mit nichts weiter als den Kleidern am Leib hier ankamen, um ihnen den Start in Deutschland zu erleichtern.

Zwei Jahre später zog die Kleiderkiste in ihren derzeitigen Raum im Untergeschoss der Römergarten Residenz Haus Elisabeth. „Der wurde uns großzügigerweise komplett kostenfrei zur Verfügung gestellt“, sagt Sandra Bruckmann, Soziale Betreuung der Flüchtlinge der Gemeinde Groß-Zimmern. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Abgabe der Kleidung gegen eine kleine Spende und der Verkauf an alle mit kleinem Geldbeutel eingeführt. Seitdem gehen alle Einnahmen in die Unterstützung der Flüchtlinge in Zimmern.

Doch nun hat das Haus Elisabeth seinen Eigenbedarf angemeldet und die Kleiderkiste aufgefordert, den Raum bis Ende März zu räumen. „Netterweise haben sie uns schon im Dezember Bescheid gegeben“, sagt Bruckmann, „so haben wir zumindest mehr Zeit, etwas Neues zu suchen.“ Daher bemühen sich die Verantwortlichen nun um neue Räume, in die sie gerne bis 1. April einziehen würden. Andernfalls müsste die Kleiderkiste zunächst pausieren und die Kleidung irgendwo lagern. Im schlimmsten Fall würde sie komplett schließen müssen. „Das wäre natürlich am schlimmsten“, sagt Bruckmann und hofft, dass sich bis April noch etwas ergibt.

Sollte der neue Verkaufsraum wie bisher kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, könnten weiterhin 100 Prozent der Einnahmen in die Unterstützung für Flüchtlinge fließen. So werden etwa Zuschüsse oder auch komplette Kostenübernahmen von Sprachkursen und Fahrkarten möglich, erinnert Bruckmann an den Wert der Kleiderkiste. Auch Ausflüge und Feste (Weihnachtsfeier und Zuckerfest) sowie die Einzelbeihilfe von Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen werden mit den Erlösen finanziert.

Allerdings wären die Verantwortlichen auch bereit, für die Räume Miete zu bezahlen. „Dann müssten wir aber unser Konzept ein wenig überdenken.“ Beispielsweise müsste man die Kleiderkiste dann mehr als nur zweimal pro Woche öffnen und bräuchte dazu auch wieder einen größeren Stamm an ehrenamtlichen Verkäuferinnen (bisher nur Frauen) oder auch Verkäufern. Zudem könnte es sein, dass die zugegeben sehr niedrigen Preise von 50 Cent (Kinderkleidung) und 1 Euro (Erwachsene) für gut erhaltene Klamotten wie beispielsweise Winterjacken, Jeans oder Pullover erhöht werden. „Wenn wir am Ende keinen Gewinn erzielen, ist das auch nicht schlimm. Schließlich ist es unser Hauptziel, das gute Angebot zu erhalten“, betont Bruckmann. Dennoch wäre sie natürlich froh, wenn die Kleiderkiste weiterhin einen Gewinn für die Flüchtlingshilfe abwirft.

Für Regale und Kleiderstangen werden knapp 50 Quadratmeter benötigt. „Mehr wäre natürlich auch willkommen“, sagt Bruckmann, „und ein großzügiger Schriftzug des Sponsors würde, falls gewünscht, selbstverständlich an repräsentativer Stelle angebracht.“ Denn auch über andere Unterstützer und Sponsoren freut sich das Kleiderkisten-Team, um eine möglicherweise anfallende Miete leichter zu stemmen. Positive Signale habe man dazu auch aus dem Rathaus von Bürgermeister Achim Grimm erhalten. „Wir sind wirklich froh über jede Unterstützung“, betont Bruckmann.

Solange noch keine neuen Räume für die Kleiderkiste gefunden sind, entfällt bis auf weiteres auch die monatliche Kleiderannahme im Mehrgenerationenhaus. Zudem findet derzeit schon ein Räumungsverkauf statt, damit die Kisten nicht so viel Stauraum verbrauchen, sofern für den 1. April noch nichts gefunden wird – oder damit beim Umzug in ein neues Gebäude nicht so viel geschleppt werden muss.

Verkaufsraum frei?

Wer für die Kleiderkiste einen Raum von mindestens 50 Quadratmeter zur Verfügung stellen kann und sein soziales Engagement durch Verzicht oder Verringerung der Miete zeigen möchte, meldet sich sobald wie möglich bei Sandra Bruckmann, Soziale Betreuung der Flüchtlinge der Gemeinde Groß-Zimmern: z 0151 29250159; bruckmann@ gross-zimmern.de.

Öffnungszeiten

Geöffnet hat die Kleiderkiste im Untergeschoss der Römergarten Residenz Haus Elisabeth, Bahnhofstraße 3, jeden Dienstag, 9 bis 11.30 Uhr, und jeden Donnerstag, 14 bis 16.30 Uhr (außer an Feiertagen).

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