„Alles noch so wie früher“

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Bürgermeister Achim Grimm (von links), Schulleiter Helmut Buch, MdL Manfred Pentz und Elternbeirat Helmut Löw kritisieren die unhaltbaren Zustände an der ASS wie das Provisorium Treppenglände (oben).

Groß-Zimmern - Die naturwissenschaftlichen Räume sind völlig überaltert, einen Kunstraum gibt es nicht, vier bis fünf Klassensäle fehlen. Es gibt Sicherheitsmängel und einen Toilettentrakt, dessen Kloakengestank kein noch so aggressives Reinigungsmittel mehr übertönen kann. Von Ursula Friedrich

Kurzum: Die Mängelliste an Bausubstanz und Ausstattung der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ist lang. Für 754 Schüler und das rund 60-köpfige Kollegium ist die Gesamtschule Lernort, Arbeitsplatz und ein Stück Lebensraum. Doch Ausstattung und Zustand der Schule ließen zu wünschen übrig, so die einhellige Meinung. „Die Leute hier, Pädagogen, Eltern und Schüler, sind top motiviert – aber wir müssen dringend diese Misere lösen“, sagte Schulelternbeirat Helmut Löw. Auf Initiative des Elternbeirats soll nun der Kontakt zum Schulträger, dem Kreis Darmstadt-Dieburg, und zur Öffentlichkeit intensiviert werden.

Bei einem Rundgang durch die Schule mit Leiter Helmut Buch schlossen sich gestern zwei ehemalige Schüler an: Manfred Pentz, der inzwischen für die CDU im Hessischen Landtag sitzt, und Bürgermeister Achim Grimm.

„Hier sieht es ja noch so aus wie früher“, entfuhr es Pentz beim Betreten des naturwissenschaftlichen Zweigs der Schule – der Zimmerner drückte hier bis 1997 die Schulbank. Kleine Räume, überaltertes Inventar, marode Technik und fehlende moderne Ausstattung, die „Na-Wi“ erlebbar macht, war die traurige Bilanz nach dem Besuch dieses Bereichs.

„Der Fortgang der Sanierungen krankt seit 2007“, berichtete der Schulleiter. Die Mängel seien aus den Unterhaltungsmitteln des laufenden Schulbudgets einfach nicht zu decken.

Stolz präsentierte er dafür die neue Mensa, die 90 Schülern und Lehrern Platz bietet. Da für das Kollegium kein ausreichend großer Raum bereit steht, wird hier mangels Alternativen auch konferiert. „Wir hoffen, dass sich die räumliche Situation für die Lehrer bald verbessert“, so Buch. Momentan quetscht sich sein Team in zwei von einander getrennte Lehrerzimmer. Da eine neue Lehrküche vom Schulträger eingerichtet wurde, soll die alte zum Lehrerzimmer werden. Dass manches begonnen, jedoch nicht fertig gestellt wurde, davon zeugt die Brandschutzsanierung. Diese Maßnahme war vor zwei Jahren angepackt, jedoch nur teilweise umgesetzt worden. So wurden die Türen an den Klassenzimmern nicht ausgetauscht, die Fluchtpläne für den Brandfall malten die Lehrer inzwischen selbst.

Besonders beengt sind die Verhältnisse für die 50 Schüler, die an der familienfreundlichen Gesamtschule ein Nachmittagsangebot in Anspruch nehmen. Sie drängen sich in nur einem Raum.

Der durchdringende Uringestank in den Schülertoiletten sei kein Hygienemangel,meint Löw. Die Spuren mehrerer Schülergenerationen haben sich in die Bodenfugen „gefressen“ und sorgten für bestialischen Gestank. Da der Kreis die Idee hatte, im Zuge der Toilettensanierung die Waschbecken nicht „innen“, sondern an der Außenfassade anzubringen, geriet das Toilettensanierungsprojekt ins Stocken. Problem: Hier wären die Waschbecken der Witterung ausgeliefert, sodass zunächst eine Überdachung dieses Schulbereichs erfolgen muss.

Noch unfertig ist das Treppengelände in den ersten Stock, das zu Beginn des laufenden Schuljahres schnell von einem örtlichen Fachunternehmen zusammengeschweißt wurde, um eklatante Sicherheitsmängel zu beheben. Denn: Für die Installation sei ein Billigunternehmen verpflichtet worden, das Ramsch lieferte und inzwischen insolvent ist. Es gibt kleinere und größere Löcher zu stopfen, die den Schulträger Geld kosten werden.

Dass hier Prioritäten gesetzt werden, fordert die Geduld aller Beteiligten neu. „Wir hatten auf einen zweiten PC-Raum gehofft“, so Buch, nun sollen zunächst die neuen Türen für die Klassenräume her. Sicherheitsaspekte dominieren hier Bildungsqualität. Pentz, der im Landtag auch im Schulausschuss vertreten ist, will sich stark machen und mit dem zuständigen Kreisdezernenten Christel Fleischmann das Gespräch suchen. „Ganz ohne Parteipolemik, sondern auf einer Sachebene, um schnell Verbesserungen herbei zu führen“, so sein Credo.

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