Alte Fenster wie neu geplant

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Das Bischof-Ketteler-Haus (links) wird derzeit vollständig saniert. Die Jugendlichen wohnen deshalb vorübergehend in Containern.

Klein-Zimmern - „Wir haben ganz vorsichtig angefangen umzubauen, da wir nicht wussten, wie die statische Situation im Haus ist“, erklärt Bauingenieur Hans Hix. Er saniert zur Zeit das Bischof-Ketteler-Haus, das zum Gebäudekomplex des St. Josephshauses gehört. Von Ulrike Bernauer

Hix hat schon einiges auf dem Gelände des Zentrums für Kinder- und Jugendhilfe saniert. Inzwischen ist dem Bauleiter aus Groß-Zimmern das Heim für Jugendliche regelrecht ans Herzen gewachsen. „Das Bischof-KettelerHaus hat für uns eine besondere Bedeutung“, sagt der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendhilfe, Gerald Weidner. Errichtet wurde das Gebäude 1864, also in dem Jahr, in dem Bischof Emmanuel Wilhelm von Ketteler die ehemalige Wasserburg erwarb. Der Bischof war für sein soziales Engagement bekannt und gründete bald auf dem Gelände die „St. Josephs-Knabenanstalt“.

Das Haus, das inzwischen 145 Jahre auf dem Buckel hat, wurde mehrmals - den jeweiligen Erfordernissen entsprechend - umgebaut. Eine generelle Sanierung hat es jedoch nie erfahren, deshalb ging Bauleiter Hix jetzt auch vorsichtig vor. Im Inneren ist es mittlerweile vollkommen entkernt und so manche Überraschung kam zu Tage. Unter anderem fand man zwei Fenster an der Ostgiebelseite - genau dort, wo im Zuge der Sanierung jetzt zwei neue Fenster geplant waren. Behutsam brachten die Bauarbeiter die alten Fenster mitsamt der ursprünglichen Sandsteingewände zurück ans Tageslicht. Die Fassade hat jetzt wieder ein ganz anderes Gesicht. Positiver Nebeneffekt: ein Zimmer im ersten Stock wird viel heller.

Heller soll es auch unter dem Dach werden. Dort sollen in Abstimmung mit dem Denkmalschutz Gauben hinzu kommen. Momentan sieht das Dach zur Straßenseite hin jämmerlich aus. Die Balken sind zum Teil verrottet und die Schräge ist abgedeckt. „Die qualitativ schlechten Betonziegel von einer Sanierung kurz nach dem Krieg haben wir heruntergenommen. Jetzt wird das Dach wieder mit Bieberschwänzen eingedeckt“, so Hix.

Im Bau: Die Sanierung des Ketteler-Hauses ist derzeit in vollem Gange.

Staunend steht der 17-jährige Abel an der Baustelle. Der Junge kommt aus Eritrea und lebt seit einem knappen Jahr im St. Josephshaus, in der Wohngruppe Bischof-Ketteler. „Hier hatte ich mal mein Zimmer, und hier gegenüber auch“, erklärt der Jugendliche. „In vier Räumen hat er schon gewohnt, ziemlich ungewöhnlich für das Konzept des Erziehungshilfeheims. Abels Ziel ist es, nach Weihnachten - um diese Zeit soll das renovierte Haus wieder bezogen werden - in die Verselbständigungsetage im oberen Stockwerk zu kommen. „Da ziehen die Jugendlichen ein, die demnächst bei uns ausziehen werden“, erklärt Jörg Walther, der Erziehungsleiter der Wohngruppen sowie der Notaufnahme. Er freut sich auf das sanierte Haus, und das nicht nur, weil die Jugendlichen dann wieder aus den Containern, in denen sie momentan wohnen, zurück in die besseren und größeren Zimmer umziehen können. „Es wird so umgebaut, dass wir in der Unterbringung der Jugendlichen flexibler sind“, sagt Walther. „Bisher bestimmten nämlich oft die Räumlichkeiten die Pädagogik. Nach dem Umbau ist das dann umgekehrt“.

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In der Verselbständigungsetage üben die Jugendlichen das Alleineleben. Sie haben eine eigene Küche, eigene Sanitäreinrichtungen und neben ihren Zimmern auch einen gemeinsamen Wohnbereich. „Alles, was es in der Kerngruppe an Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss gibt, gibt es hier oben noch einmal“, sagt Walther. Im ersten Stock werden die Zimmer der Jugendlichen sein. Die haben sich mit der Containerlösung arrangiert. Es ist ein bisschen lauter als im Ketteler-Haus, dafür funktioniert die Klimaanlage. Trotzdem freut sich nicht nur Abel darauf, bald wieder ins neue Haus umzuziehen.

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