Kinderbetreuung: Wertgutachten für das denkmalgeschützte Gebäude liegt vor, Groß-Zimmern und Landkreis verhandeln

Alte Schule könnte viele Probleme lösen

Das Haus in der Wilhelm-Leuschner-Straße (hinten links) könnte für schulische Zwecke genutzt werden. Foto: sr

Groß-Zimmern (sr) - Ü3, U3 und kein Platz - so stellt sich derzeit die Situation der Kinderbetreuung in Groß-Zimmern dar. Eine neue Gruppe von 25 Kindern über drei Jahren (Ü3) wird jetzt provisorisch in einem Container untergebracht.

Es scheint sich zudem abzuzeichnen, dass mit Beginn des neuen Jahres eine weitere Container-Lösung notwendig wird.

Mit diesen Provisorien ist in Zimmern niemand so recht glücklich. Der Blick fällt daher auf das Gebäude der alten Friedensschule. Es gehört der Gemeinde. In der Schulabteilung der Kreisverwaltung wird über einen Ankauf nachgedacht, um schulnahe Räume für die Pädagogische Mittagsbetreuung (PäM) und die betreuende Grundschule zu gewinnen.

Da der Kreis aber vermutlich nicht die gesamte Gebäudefläche braucht, bliebe wohl Raum für die Einrichtung eines zweigruppigen kommunalen Kindergartens, mit dem der Druck der gesetzlichen Betreuungsansprüche auch langfristig abgefedert werden könnte. Die Sache ist inzwischen weit über den Status einer bloßen Idee hinaus gediehen.

Dabei waren einige Hürden zu bewältigen. Das alte Schulgebäude ist unter Finanzierung durch einen Wohnbaukredit des Landes zu Wohnraum umgestaltet worden, die Bindungsfrist eigentlich noch nicht abgelaufen, außerdem ist ein Teilbetrag des Kredits noch nicht zurückgezahlt. Das Land hat inzwischen grünes Licht gegeben, Groß-Zimmern vorzeitig aus der Bindungsfrist zu entlassen, wenn ebenso vorzeitig der Restkredit zurückgezahlt wird.

Da die inzwischen chronisch klamme Gemeinde dafür aber kein Geld hat, ist ein Verkauf des Gebäudes an den Kreis ins Gespäch gekommen, mit dessen Erlös dann der Kredit zu tilgen wäre. Das Verfahren ist mit Blick auf die Vergangenheit eher unüblich, hat sich doch die Kreisverwaltung Immobilien zu schulischen Zwecken gerne kostenfrei übertragen lassen. Diese Möglichkeit scheidet im konkreten Fall allerdings mangels kommunaler Solvenz zur Tilgung des Kredits aus. Also kommt der Kreis der Gemeinde entgegen: „Vorbehaltlich der Zustimmung der Gemeinde wird ein Beschluss der Betriebskommission des Eigenbetriebs Da-Di-Werk Gebäudemanagement zum Ankauf des Geländes herbeigeführt“, heißt es in einem Schreiben des Schuldezernenten an Bürgermeister Achim Grimm vom 15. Juni.

Dieser Ankauf soll sich an einem bereits vorliegenden Gutachten des Amts für Bodenmanagement in Heppenheim orientieren, in dem der Verkehrswert des Gebäudes und des zugehörigen Grundstücks mit 335 000 Euro beziffert wird. Es ist schon ein wenig erstaunlich, dass sich der Restbetrag des Wohnbaukredits fast in der selben Größenordnung bewegt.

Für die Gemeinde käme es so zu einer Nullsummen-Transaktion, bei der sie eine Immobilie verlöre, durch deren Nutzung für Schule und Kinderbetreuung aber einen Zuwachs an Infrastruktur verzeichnen könnte.

Gebäude wäre geeignet

Nach einer „Machbarkeitsuntersuchung“ im Auftrag des Da-Di-Werks ist das Gebäude jedenfalls für die ihm zugedachten neuen Nutzungen geeignet.

Laut Grundriss-Aufnahme verfügt es nach entsprechender Entkernung im Erd- und im Obergeschoss über je zwei Räume mit 57 und 68 Quadratmetern Grundfläche. Das sind insgesamt 500 Quadratmeter, zuzüglich der Erschließungsräume wie Flure und Treppenhaus.

Noch nicht genau ermittelt ist der Raumbedarf von Schule und betreuender Grundschule. Friedensschulleiter Axel Pucknat hat die Pläne jetzt erstmals von der Presse präsentiert bekommen und gab spontan zu bedenken, dass die 250 Quadratmeter im Erdgeschoss nicht ausreichen werden, wenn dort gleichzeitig eine Mensa zur Mittagsverpflegung von bis zu 100 Kindern und neue Räume für die betreuende Grundschule „Pfiffikus“ eingerichtet werden sollen.

Bisher gehen die Gedankenspiele von Kreis und Kommune aber davon aus, dass die Räume im Obergeschoss zur Einrichtung eines Kindergartens genutzt werden könnten.

In Fleischmanns Schreiben an Grimm heißt es: „Ich befürworte eine gemeinsame Nutzung des Gebäudes durch Schule und Kindergarten, da ich hierbei wichtige Synergien in der Zusammenarbeit sehe, wie sie der Bildungs- und Erziehungsplan 0 bis 10 Jahre in Hessen vorsieht.“

Die Kosten für den grundlegenden Umbau des alten Gebäudes, sozusagen den Rückbau für schulische Zwecke, werden grob auf eine Million Euro geschätzt.

Die Gemeinde müsste sich ein Nutzungsrecht erkaufen, in dem sie entweder einen eigenen Investitionskostenzuschuss leistet, was Bürgermeister Grimm angesichts der aktuellen Finanzlage ausschließt, oder später als Mieter für die als Kindergarten genutzten Räumlichkeiten auftritt. Bei diesen den relativ komplexen Vereinbarungen und Transaktionen gebe es noch einigen Klärungsbedarf, lässt Kreispressesprecher Frank Horneff auf Nachfrage wissen. „Wir müssen reden“, sagt er und verweist darauf, dass Schuldezernet Christel Fleischmann ab der kommenden Woche wieder im Dienst sein wird.

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