Zehn Ehrenamtliche chauffieren Bürgerbus

Für andere ständig auf Achse

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Spendenübergabe zur Finanzierung des neues Bürgerbusses (von links): Dem kalten Aprilwetter trotzten die Sparkassenvertreter Jens Hermann und Manfred Neßler, Bürgermeister Achim Grimm, Monika Lohe und Landrat Klaus Peter Schellhaas.

Groß-Zimmern - Bürger chauffieren Bürger. Vom Kindergarten zum Mittagessen. Von der Geißbergschule in die Betreuung. Vom Eigenheim zur Arztpraxis. Der Bürgerbus der Gemeinde ist ein Erfolgsmodell.

Aufgrund des ehrenamtlichen Einsatzes der zehn Fahrer ist der Bürgerbus ein preiswertes Erfolgmodell. Nachdem die Gemeinde das Vorgängermodell, das Sammeltaxi, finanziell nicht mehr stemmen konnte, wurde vor rund zehn Jahren ein günstigeres Mobilitätsangebot geschaffen, dessen Fortbestand auf Ehrenamt fußt: der Bürgerbus. Personalkosten entstehen nicht, Passagiere zahlen einen kleinen Beitrag, wer einen Schwerbehindertenausweis besitzt, reist umsonst. Wäre da nicht die teure Anschaffung des neuen Mobils. Mit rund 40.000 Euro schlug der Kauf des Kleinbusses (Mercedes Sprinter) zu Buche, der seit Ende des Jahres als Bürgerbus gute Dienste leistet und den veralteten Vorgänger ersetzt.

Mit einer Spende über 5 000 Euro unterstützte die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Dieburg nun die Fahrzeugneuanschaffung. „Tolles Engagement“, brachte Landrat Klaus Peter Schellhaas, Vorsitzender der Jubiläumsstiftung, den ehrenamtlichen Einsatz der Busfahrer auf den Punkt – und wurde prompt für einen kleinen Dienst eingespannt. Monika Lohe, seit rund zehn Jahren hinterm Steuer des Bürgermobils, rüstete den Bus um. „Die Kindersitze müssen in den Kofferraum“, gab die rüstige Rentnerin das Kommando – auch Sparkassenchef Manfred Neßler, Überbringer des symbolischen Schecks, packte mit an. Monika Lohe, einzige Frau im Team, hatte gerade eine Kindergartengruppe von der Waldschule zum Mittagessen in die Kita Nordring chauffiert – Stammgäste. Auch die Geißbergkinder würden nach dem Unterricht von Klein-Zimmern in die Betreuung nach Groß-Zimmern verfrachtet, so Bürgermeister Achim Grimm, „in Klein-Zimmern gibt es keine Nachmittagsbetreuung.“ Das Gros der Passagiere an Bord des Bürgerbusses sind jedoch Senioren. Ältere Menschen, die ohne eine solche Einrichtung mitunter gar nicht mehr mobil wären. „Ich fahre Bürger zum Mittagessen in unsere zwei Seniorenheime“, schilderte Lohe ihren Arbeitstag, sie steuert Arztpraxen, Friseure oder Supermärkte an. Der Bus ist gut gebucht und rollt den ganzen Tag. Ein besonders wichtiger Service: Für Menschen aus schwachen finanziellen Verhältnissen wird auch die Dieburger Tafel angefahren.

Vom Regierungspäsidium Darmstadt (RP) und Nahverkehrsversorger Dadina hat sich Achim Grimm die Einverständnis geholt, um auch das Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt in den Fahrplan aufzunehmen. Grund: Die Verbindung in die Nachbarstadt via ÖPNV ist miserabel. Neun Passagiere haben im Bürgerbus Platz – leider rollt das Mobil meist mit nur einem Fahrgast nach Groß-Umstadt. Dabei werden die Fahrten in der Verwaltung durchaus koordiniert. „Ich hole mir morgens meinen Fahrplan ab“, so Monika Lohe, die meist von 8 bis 17.30 Uhr mit dem Bus auf Achse ist. Den erforderlichen Personenbeförderungsschein muss sie demnächst neu machen, „der gilt nur für fünf Jahre“, erklärt sie. Die Kosten trägt die Gemeinde, die gerne ein paar weitere Mitstreiter für die soziale, ehrenamtliche aber auch schöne Aufgabe gewinnen würde, Bürger von A nach B zu chauffieren. Der Bus kann von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr bei der Gemeinde (immer am Vortag) bestellt werden Tel.: 970225. (ula)

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