Angenehm lernen mit Sozialkompetenz

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Leber, Niere, Milz... beim Tag der offenen Tür an der ASS puzzelten Jugendliche die Innereien der Dummipuppe zusammen.

Groß-Zimmern - Grundschule ade, was nun? Um Eltern und künftigen Fünftklässlern einen Eindruck weiterführender Schule zu geben, öffnete die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) am Samstag ihre Türen. Von Ursula Friedrich

Schüler und Lehrkräfte, Förderverein und Schulleitung, sowie das Team des Arbeiter-Samariter-Bundes, das die pädagogische Mittagsbetreuung organisiert, rührten gemeinsam die Werbetrommel für ihre Gesamtschule.

Und das mit vielerlei Anstrengungen: Der Schulsanitätsdienst prüfte Blutdruck und Erste-Hilfe-Fitness der Gäste, die Schulband gab musikalische Impressionen, in der Sporthalle entfachten Trommeldonner und Mitmachtänze das Projekt „aktive Pause“. Experimente zum „gesunden Rücken“, französische Rollenspiele, imaginäre Ausflüge nach London, Bücherflohmarkt, Literatur- und Projektpräsentationen, Weihnachtsschmuck basteln mit computergesteuerter Fräsmaschine, ja sogar ein Talentwettbewerb zum ASS-Superstar boten eine Vielfalt von Eindrücken.

Ob Gehirnjogging oder Rockonzert, bei Kindern und Eltern wurden alle Sinne angesprochen.

Sechs Grundschulen waren zum „herein schnuppern“ eingeladen – Besucher hatten jedoch den Eindruck, dass sich weitaus größere Menschenmassen durch Gänge und Klassenzimmer wälzten. Vermutlich berechtigt, denn die ASS hat in den vergangenen Jahren immer stärkeren Zuspruch aus dem Umland. Beim Informationsabend kürzlich waren etwa die Hälfte der anwesenden Eltern aus Nachbargemeinden. Schulleiter Helmut Buch führt dieses Interesse auf mehrere Faktoren zurück:„Wir haben ein gutes Schulleitungsteam und ein engagiertes Kollegium.“ Auch nachmittags könne die familienfreundliche Schule punkten: In der neuen Mensa werden derzeit 100 Essen für Schüler der ASS und der angrenzenden Grundschule im Angelgarten serviert – allein 14 Nachmittags-AGs sorgen dann für jede Menge Abwechslung. Engagiert präsentieren sich auch die Schüler. Die Gruppe „Schüler helfen Schülern“ ist als Konfliktlotsenteam aktiv und startet in dieser Woche ein neues Projekt: Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage.

Eine Umfrage unter den 758 Schülern soll in dieser Woche gestartet werden, um das bundesweite Projekt gegen Rassismus auch in Groß-Zimmern einzuführen.

„Wir sind eine Schule aus einem Guss“

Präventionsprojekte gegen Drogen und Gewalt, oder aber das kürzlich initiierte „Ranzenprojekt“ kennzeichnen das Engagement an der Gesamtschule. „Wir sind eine Schule aus einem Guss“, brachte Buch das vielfältige Bestreben auf den Punkt, jungen Menschen umfassende Bildung und soziale Kompetenz in angenehmer Atmosphäre zu vermitteln. Ein Eindruck, der sich auch bei vielen Besuchern festigte. „Ich hoffe, die nehmen hier auch wieder Kinder aus Dieburg“, meinte eine Mutter. Anfragen kamen auch aus Groß-Umstadt und Spachbrücken.

Die ASS hat ein Alleinstellungsmerkmal, das ihre Popularität ebenfalls begründet. Nach nur zwei Jahren kehrte die Gesamtschule vom Kurzzeitabitur (G8) zur alten Gymnasialregelung über neun Jahre zurück. Eine Entscheidung, die vor drei Jahren nicht nur Schulleitung und Kollegium, sondern alle Eltern der betroffenen Schuljahrgänge im Schulterschluss mit trugen.

Die Entscheidung für G9 ermöglicht nicht nur intensiveres, dabei weniger strapaziöses „Turbo-“lernen im schulischen Umfeld. Die Verzahnung von Förderstufe und gymnasialem Zweig bietet eine einmalige Chance. Der Einstieg in den Gymnasialzweig kann hier auch noch nach dem sechsten Schuljahr mühelos erfolgen, ohne dass die Kinder ein Schuljahr wiederholen müssen, wie dies an G8-Schulen wegen des früheren Starts der zweiten Fremdsprache im sechsten Schuljahr nötig ist. Ist ein Kind nicht für eine gymnasiale Schulkarriere geschaffen, kann eine Querversetzung innerhalb der ASS erfolgen.

„Mehr wird uns das Kultusministerium nicht genehmigen“

In diesem Schuljahr starteten erstmals vier neue „Fünfer“ im Gymnasialzweig – eine Anzahl, die Buch auch für das kommende Jahr erwartet. „Mehr wird uns das Kultusministerium nicht genehmigen“, vermutet er.

Insgesamt begannen 170 Kinder in diesem Jahr hier ihre Schulkarriere. Derzeit werden 758 Schüler vom rund 60 Lehrkräfte umfassenden Kollegium in 34 Klassen unterrichtet.

Trotz allen Engagements ist nicht alles eitel Sonnenschein. Insbesondere beim Thema Schulausstattung breiten sich Sorgenfalten auf Buchs Stirn aus. Eine Bücherei, Sprechzimmer für den Schulpsychologen und eine Mediathek sowie moderne naturwissenschaftliche Räume stehen auf der Wunschliste. Immerhin: Zusagen von Kreisschuldezernent Christel Fleischmann für die zeitnahe Finanzierung der Modernisierung des naturwissenschaftlichen Traktes hat Buch in der Tasche. Der Termin, wann die Bautrupps anrollen, steht allerdings noch in den Sternen.

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