Annabell brennt fast zu schnell

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Schaurig und traurig ist es, wenn die Kerbbobb am Galgen über dem Feuer hängt und dann verbrennt.

Groß-Zimmern - Kerbborschte und Fans formierten sich am Dienstag Abend zum großen Trauermarsch, um die Kerb 2012 zu Grabe zu tragen. Von Ursula Friedrich

Als Symbol für das Ende des größten Heimatfestes, das auch diesmal Tausende gefeiert hatten, wurde „Kerbbobb Annabell“ in der traditionellen Zeremonie, der Kerbverbrennung, am Anglerheim den Flammen übergeben.

Bilder zur Kerb

Kerbumzug und Verbrennung

Kerbmädchen Nina Hillerich harrte tapfer am Arm von Kerbvadder Steffen Heß aus. Doch bei Mundschenk Daniel Simon gab es kein Halten mehr. Die Tränen rannen in Strömen über die Wangen, als die Borschte in vorderster Reihe den Scheiterhaufen mit der geliebten Annabell umringten.

Arme-Leute-Esse

Aus, Schluss, vorbei sollte die Kerb 2012 sein, die die gesamte Gemeinde tagelang in den Ausnahmezustand versetzt hatte. Hunderte nahmen bei der traditionellen Kerbverbrennung Abschied vom größten Volksfest im Ort. Mit steinernen Gesichten hatten sich die blau-weißen Kerbborschte auf dem Roten Platz formiert. Flackerndes Fackellicht sorgte für Stimmung. Ein paar Angeln wurden mitgeführt – der hier angehängte Fisch sorgte nicht nur für ein kräftiges Aroma. „Das is arme-Leute-Esse“, erklärte Kerbikone Thomas Beutel – zu gut Deutsch: nach vier Feiertagen sind die Borschte durchweg pleite.

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Besonderer Kerb-Heiratsantrag

Bobbe Annabell auf der Bahre bildete das Herzstück des Trauermarschs. Die Dixie Stompers führten den Zug an – wie ein Mantra wiederholte sich die Melodie ihres melancholischen Spiels, bis die Trauergemeinde den „Begräbnisplatz“ am Anglerheim erreichte. Annabell wurde am Galgen aufgehängt, ein aufgetürmter Strohberg ließ die Dimensionen der Flammen erahnen, die das geliebte Kerbmaskottchen verschlingen sollten.

Kollektives Seufzen

Es war die Stunde von Kerbpfarrer Dominik Wejwoda. Die traurige Abschiedspredigt mündete in ein Wehklagen über Verlust von Bobb und Heimatfest. „Es war so schei, wir wern disch vermisse...“ Wejwoda gelang es im schwarzen Talar Stimmung zu erzeugen („Vor zwei Jahren wollte er noch wirklich Pfarrer werden“, so Papa Hansi Peter Wejwoda über die Passion des Juniors).

Als das Feuer machtvoll brannte und Annabell vom Galgen ins Flammenmeer stürzte, folgte das kollektive Seufzen der Menge. Mit dem anschließenden Feuerwerk war das Ende besiegelt: Zapfenstreich für die Kerb 2012.

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