Biotop sichern

Anwohner setzen sich für Naturschutz ein

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Verwunschen wirkt dieser Teich im Naturschutzgebiet hinter der „Alten Ziegelei“.

Groß-Zimmern - Nachdem das Parlament kürzlich die Änderung des Bebauungsplanes „Alte Ziegelei“ und damit einen zusätzlichen Bauplatz beschlossen hat, sehen einige Groß-Zimmerner den Naturschutz gefährdet. Sie wollen den Erhalt von Pflanzen und Tierarten sichern. Von Ulrike Bernauer

An der Schranke (links) endet das Neubaugebiet. LKW-Spuren weisen jedoch auf einen Verlauf weiter hinein ins Naturschutzgebiet

„Manche Groß-Zimmerner wissen überhaupt nicht, was für ein schönes Stück Natur sie da vor ihrer Haustür haben“, sagt Monika Lohe, die früher oft mit ihren Kindern im Wäldchen hinter der alten Ziegelei unterwegs war. „Wir haben die Tiere beobachtet, hier gibt es Rehe, Dachse, Füchse und natürlich sehr viele Vögel.“ Entsetzt ist die Groß-Zimmernerin darüber, was aus den Plänen zum Neubaugebiet wurde, die sie zum ersten Mal vor etlichen Monaten gesehen hat.

Nach ihrer Auffassung sind viele der Auflagen, die beispielsweise auch dem Naturschutzgebiet hinter dem Gelände der Alten Ziegelei galten, nicht eingehalten worden. Nicht nur Lohe vermisst den versprochenen Zaun, der das wachsende Neubaugebiet von dem Wäldchen trennen sollte. Sie erinnert sich auch an einen Schutzstreifen, der Neubaugebiet und erhaltenswerte Naturfläche voneinander trennen sollte, davon kann mittlerweile keine Rede mehr sein.

Lebensraum der Tiere immer weiter eingeschränkt

Um die Tierwelt, die in dem Wäldchen einen Rückzugsraum gefunden hat, sorgt sich auch Jagdpächter Michael Beysel. „Je weiter das Baugebiet nach Süden rückt, desto mehr werden die Tiere vertrieben, neben Rehen und Wildschweinen auch Hasen, Fasane und Feldhühner“, sagt Beysel. „Wenn dem Wild dieser Lebensraum genommen wird, zieht es aufs Feld. Dort finden die Tiere zurzeit genug Nahrung. Werden die Felder dann abgeerntet, können sie jedoch schnell einen Futterschock erleiden.“

Der Jagdpächter befürchtet, dass die Wildtiere auf Flächen ausweichen müssen, auf denen sie wegen der Nähe zur Straße Gefahr laufen, überfahren zu werden. Insgesamt habe die Monokultur auf dem Acker schon viele Tierarten reduziert. „Wir schießen inzwischen schon gar keine Hasen mehr, weil es wegen der Monokulturen kaum noch welche gibt. Der Lebensraum der Tiere wird immer weiter eingeschränkt“, betont Beysel.

Irritierte Bauherren

Irritiert sind auch einige Bauherren an der „Alten Ziegelei“. Wird doch vor ihrer Nase die Fläche, die zur Bebauung vorgesehen ist, immer größer. So mancher, der sein Grundstück erwarb, weil er von einem unverstellbaren Blick auf die Natur ausging, ist nun schwer enttäuscht.

Außerdem haben sich einige der Bauherren gewundert. Kürzlich machte das Gerücht die Runde, dass Lastwagenladungen mit Wurzelstöcken verfüllt wurden, die angeblich vom Campus in Dieburg stammen, wo der Bauerschließungsträger, die Aumann Bauunternehmung, zusammen mit der Projektentwicklung Früchtenicht GmbH ein großes Areal für die Erschließung vorbereitet.

Das dementiert Christian Früchtenicht vehement. „Alle Schadstoffe werden genauestens katalogisiert“, betont er. Zudem sei das Betonrecylingmaterial für die Oberflächenanlage der Ziegelei überhaupt nicht brauchbar.

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