Auch der späte Vogel zwitschert noch schön

37 von 40 Arten bei der Vogelstimmenwanderung entdeckt

+
Am Sonntagmorgen war der Nabu Groß-Zimmern mit einer Gruppe von fast zehn Teilnehmern bei der Vogelstimmenwanderung unterwegs. Rund zweieinhalb Stunden dauerte der Ausflug.

Groß-Zimmern - Manchmal muss man eben Glück haben. Der Nabu Groß-Zimmern hatte selbiges am Sonntagmorgen bei seiner Vogelstimmenwanderung. Von Michael Just 

Von den 40 Vogelarten, deren Nachweis man seit 2002 alljährlich aufs Neue in der Gemeinde angeht, wurden 37 akustisch oder optisch ausgemacht. Für die rund zweieinhalbstündige Wanderung zur Scheelhecke hatte Dr. Lothar Jacob vom Nabu-Vorstand einen echten Experten dazu geholt: Der Groß-Umstädter Klaus Hillerich gilt in der Region als geschätzter Ornithologe und führt auch Beringungen bei jungen Greifvögeln und Störchen durch.

Schon beim Treffpunkt auf dem Parkplatz des Schäferhundeverein machte die fast zehnköpfige Gruppe eine große Reihe an gefiederten Sängern aus. „Ich kann gleich wieder heim. Ich hab‘ schon 18 Arten gehört“, sagte Klaus Fette lachend. Mit der Uhrzeit morgens um acht startete die Veranstaltung nicht ganz so früh. Andernorts wird oft schon um sechs losgelaufen, da in der Morgendämmerung die Vögel besonders laut und anhaltend trällern. „Da ist das Konzert am Größten. Es wird aber auch so wild durcheinandergesungen, dass sich die Stimmen kaum auseinanderhalten lassen“, erläutert Jacob. Da sei der spätere Start fast besser, weil die Vögel den ganzen Tag über zu hören sind.

Das träfe auch auf die Nachtigall zu. Deren Gesang werde, nicht zuletzt durch ihren Namen, fälschlicherweise meist ausschließlich in die Nacht gelegt. Wenn man etwas später losläuft, müsse sich laut Jacob zudem keiner aus dem Bett quälen.

Einige Teilnehmer hatten Ferngläser dabei, was sich als Vorteil entpuppte. So konnten scheue Vertreter aus der Entfernung beobachtet werden. Eine Wacholderdrossel, die in luftiger Höhe im Nest brütete, entging den Naturschützern durch das Fernglas ebenfalls nicht. Auf ihrem Weg passierte die Gruppe verschiedene Lebensräume. An Gärten und Streuobstwiesen wuchs die Wahrscheinlichkeit, einen Stieglitz zu sehen. Denn der brütet auf Obstbäumen. Auch Steinkauz und Wiedehopf halten sich hier gerne auf. Der Kernbeißer bevorzugt die Nähe zum Wald.

Beim Feststellen der Arten stellte sich parallel immer wieder die Frage, ob diese selten oder häufig vorkommen. Keine Sorgen muss man sich um die Mönchsgrasmücke machen. Anders sieht es bei den Offenlandarten, die in Feld und Wiese leben, aus. Traurig ist es um die Lärche und noch trauriger um den Kibitz bestellt. Dafür sind laut Jacob die Landwirtschaft und „ausgeräumten“ Landschaften und verantwortlich. Auch die Wasseramsel ziehe sich mehr und mehr zurück.

Wie aus dem Garten ein Zuhause für Vögel wird

Bei Vogelstimmenwanderungen ist besonders leicht der Zilpzalp auszumachen, denn er ruft seinen Namen. „Das könnten eigentlich alle Vögel machen“, war sich das Gros der Gruppe schmunzelnd einig. Zur leichteren Bestimmung hatte ein Nabu-Mitglied das Buch „Was fliegt denn da?“ dabei. Zu dem gehört ein „Hörstift“, mit dem sich, dank digitaler Technik, viele Dutzend Vogelstimmen abrufen lassen. Bei vielen Wanderungen wird der Stift gerne als Lockmittel eingesetzt. Davon ist Klaus Hillerich kein Freund: „Gerade jetzt in der Brutzeit verwirrt das die Vögel. Sie könnten sich dann nicht aufs Füttern der Jungen konzentrieren, sondern aufs Verjagen des vermeintlichen Eindringlings“, so der Experte.

Trotz der 37 nachgewiesenen Vogelarten wurden mit der Nachtigall und dem Gartenrotschwanz zwei gute „Bekannte“ vermisst. Letzterer mag keine Kälte. Deshalb wird der Gartenrotschwanz in dieser Gegend vor allem in dem günstigen Kleinklima der Groß-Umstädter Weinberge gesichtet. Bei der Mönchsgrasmücke lauschen Naturfreude oft noch genauer hin als bei anderen Vögeln. So gibt es bei ihr einen Überschlag im Gesang. „Das hört sich fast an, als hätte sie einen heißen Kloß im Hals“, erklärt Hillerich. Dazu bereitet die Mönchsgrasmücke ihren Zuhörern oft ein wenig Kopfzerbrechen, da sie andere Vögel spottet beziehungsweise imitiert. Das sorgte auch am Sonntagmorgen für Stirnrunzeln: Zuerst wurde die Gartengrasmücke vernommen und dann die Mönchsgrasmücke, die vermutlich deren Gesang beendet hat. „Sicher sind wir uns nicht. Wir gehen aber davon aus, beide Vögel gehört zu haben“, so Hillerich über das Verwirrspiel, das die Vogelwelt manchmal bereithält.

Kommentare