Mit der „Au“ fällt ein Stück Ortsgeschichte

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Viele verfolgten mit dem „Au-Fritz“ (rechts) den Abriss der Traditionsgaststätte.

Groß-Zimmern (guf) - „Au!“, sagt Erwin Sänger traurig zum Abschied. Anschauen zu müssen, wie die alte Traditionsgaststätte in der Dieburger Straße abgerissen wird, das tut dem 78-Jährigen weh. Vielen Nachbarn und ehemaligen Gästen geht es am Samstag ebenso.

Und besonders betroffen sind natürlich die Inhaber.

Schweren Herzens haben der „Au-Fritz“ (Fritz Schreiber, 86), sein Sohn Hans und die beiden Enkelinnen entschieden, das Haus abreißen zu lassen. „Man muss auch mal was gehen lassen“, kommentiert der 61-jährige Junior, dessen Haus nebenan steht. Eine Sanierung des feuchten Gebäudes sei nicht mehr möglich gewesen.

In der dritten Generation hatten Grete und Fritz Schreiber die Gastwirtschaft „Zur Grünen Au“ geführt. 42 Jahre lang standen sie jeden Abend in der Küche und hinterm Tresen und alle halfen kräftig mit. Viele Jahrgänge kehrten regelmäßig ein, Geburtstage oder Jubiläen wurden hier gern gefeiert. Zum Au-Club gehörte natürlich auch der Jubilar. Immer mittwochs wurde Skat gespielt und die Frauen trafen sich zur Damen-Rommee-Runde, dem „Zwiebelclub“. Legendär ist die offene Atmosphäre des nachbarschaftlichen Betriebes.

Gebäude über 150 Jahre alt

„Da oben bin ich zur Welt gekommen“, erinnert sich Sohn Hans. Als die Außenwände stürzen wird ein letzter Blick in die Zimmer möglich. „Damals haben hier neben mir und den Eltern auch die Großeltern und die Tante mit Ehemann und Sohn gewohnt“, berichtet er. Intensive Erinnerungen kommen auf: „Montags war Ruhetag. Da wurden die Dielen gebohnert“, erzählt Hans Schreiber und scheint den markanten Geruch förmlich zu riechen.

Über 130 Jahre alt dürfte das Gebäude sein. „Die Großeltern meiner Frau haben es gebaut, weil die Bahnlinie hier entlang führen sollte. Aber die Arbeiter haben die Pömpel versteckt“, erzählt der Au-Fritz Geschichten wie aus dem Wilden Westen. Deshalb habe man auch für die geplante Bahnhofsgaststätte drei Meter hohe Fenster gebaut. Das alles ist jetzt endgültig Geschichte. Viele Erinnerungsgegenstände habe man behalten, aber „wir haben auch sehr viel altes Inventar verschenkt“, so der Sohn. Noch in diesem Jahr soll eine Bodenplatte gegossen werden und im März wollen der Au-Fritz und seine Enkelin Miriam hier ins neue Fertighaus einziehen.

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