Auch andere motivieren

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Meral Akkoyun (links) und Monika Belke sind zwei der insgesamt vier „Engagement-Lotsen“. Sie wollen ihre Mitbürger zu mehr ehrenamtlichem Engagement bewegen.

Groß-Zimmern ‐ Fast hat es etwas gebetsmühlenartiges, wenn Vereinsvorstände und Politiker bei den verschiedenen Anlässen die Bedeutung des Ehrenamtes in der Gesellschaft herausheben. Eines ist dabei immer gewiss: Ohne freiwillige Helfer würde es in den wenigsten Fällen gehen. Von Michael Just

So hat das Land Hessen vor wenigen Monaten das Programm „Engagement-Lotsen 2011“ gestartet. Ziel ist der Aufbau bürgerlicher Hilfe, die gemeinnützige Vereine, Organisationen, Initiativen und Projekte unterstützen soll. In Hessen haben sich bereits 23 Kommunen zur Mitarbeit bereit erklärt, darunter auch Groß-Zimmern. In den letzten Wochen wurden in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus mit Monika Belke, Meral Akkoyun, Ruken Demir und Vito Fagiolino vier Helfer gefunden, die ihre Mitbürger zu mehr Engagement bewegen wollen.

Zwei von ihnen trafen sich kürzlich mit Bürgermeister Achim Grimm im Rathaus zu einem Gespräch. „Wir wollen mit offenen Augen durch die Gemeinde gehen und Bürger fragen, ob sie bereit sind, etwas zu tun“, sagt Akkoyun. Die 38-Jährige, die auch dem Ausländerbeirat angehört, engagiert sich auch im Rahmen der „Sozialen Stadt“ für die Gemeinde. Die Helfer wissen, dass sie keine leichte Aufgabe übernehmen: „Heute will sich keiner mehr jahrelang an die Vereine binden. Dauerhafte Verpflichtungen werden nur ungern eingegangen“, konstatiert Belke. Trotzdem ist die Malerin guten Mutes etwas bewegen zu können. Neben der Unterstützung von Vereinen und Verbänden schweben ihr eigene Projekte vor: „Das kann ein Engagement im Kindergarten sein, die Pflege von Grünflächen, Reinigungsarbeiten im Schwimmbad, das Straßekehren für alte und kranke Hausbewohner und vieles mehr.“

„Potenzial ist genügend da“

Bürgermeister Grimm sieht für das Projekt einen besonders engen Kontakt zu den lokalen Vereinen als notwendig: „Sie sind die Träger unserer Gesellschaft. Hier gilt es, zu verbinden und zu vernetzen.“ Um effektiv agieren zu können müsse man laut dem Verwaltungschef wissen, was in den Vereinen und Verbänden passiert, weshalb er den beiden die Teilnahme an einer Sitzung des Gremiums der Vereine empfahl. Über genügend Ansatzpunkte muss sich das Quartett keine Gedanken machen, da Groß-Zimmern rund 60 Vereine und Verbände aufweist.

Die Möglichkeiten für das Programm sieht der Bürgermeister als äußerst positiv. So habe die Gemeinde kürzlich ehrenamtliche Helfer für die Bücherei gesucht. „Wir haben mit einer Meldung gerechnet. Am Ende waren es neun“, erzählt Grimm. Nicht nur deshalb sind sich die Lotsen sicher, dass ihre Aufgabe Chancen birgt: „Potenzial ist genügend da. Die Frage ist nur, wie man die Menschen aktiv in etwas reinbringt und wie sich ihre Interessen bestmöglich in einer Aufgabe umsetzen lassen.“

Erste Ergebnisse sollen im Juni vorgestellt werden

Die vier ehrenamtlich Aktiven gehen nicht unausgebildet an die Sache heran: So nehmen sie derzeit an einem fünftägigen Einführungsseminar in Bad Nauheim teil, das vom Land bezahlt wird. Dazu erhalten sie, oder besser gesagt die jeweilige Gemeinde, 2000 Euro, die für die Förderung des Ehrenamtes eingesetzt werden sollen.

Für die Kommunen ist die Teilnahme an diesem Projekt kostenfrei. Dem Quartett obliegt in den nächsten Wochen ein Konzept zu entwerfen, wie die genau Vorgehensweise aussehen soll. Im Juni wollen sie im Rahmen einer Veranstaltung die ersten Ergebnisse präsentieren.

„Keine Zeit“ ist kein Argument

Klar ist, dass man alle Altersgruppen ansprechen will, weshalb schon geklärt wurde, wer für Kinder, Jugendliche und Senioren zuständig ist. „Bei den Senioren liegt besonders viel Potenzial“, ist sich Belke sicher.

Ein besonders wichtiger Ansatzpunkt liege auch bei den Migranten. Was beim Treffen auffiel, war die große Motivation der Lotsen. Mit der schon jetzt zum Teil absehbaren Entschuldigung einiger Bürger „ich habe doch keine Zeit“, wolle man sich nicht zufrieden geben.

Akkoyun: „Ich bin Mutter von drei Kindern, kümmere mich um meine blinde Schwester, mache gerade eine Umschulung und bin im Ausländerbeirat aktiv. Wenn ich mir Zeit nehme, dann können das andere auch.“

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