Auch Banalitäten sind entscheidend

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Aus baulicher Sicht ist die Mehrzweckhalle bald bestmöglich vor Feuer geschützt.

Groß-Zimmern ‐ 30 Jahre ist die Groß-Zimmerner Mehrzweckhalle inzwischen alt. Am Roten Platz bildet sie eines der Zentren der Gemeinde, wenn es um (Schul-)Sport, Feiern und kulturelle Veranstaltungen, aber auch Proben und Vereinstreffen aller Art geht. Drei Jahrzehnte verändern viel – das gilt auch für die Anforderungen an eine moderne Halle dieser Größenordung. Von Jens Dörr

Rund eine Million Euro Investitionskosten stecken in der Sanierung der Mehrzweckhalle, die bereits seit dem Frühjahr läuft und endgültig erst 2011 abgeschlossen sein wird. Wie der LA berichtete, sind große Batzen etwa die Erneuerung der Kesselanlage (215 000 Euro), der Lüftungsanlage (325 000 Euro) und der Trinkwasserversorgung (170 000 Euro). Die Kosten für den Brandschutz, die die Gemeinde alleine trägt, machen 350 000 Euro aus.

Dahinter verbergen sich vor allem folgende Einzelposten: Feuerschutzabschlüsse (etwa Brandschutztüren) für circa 80 000 Euro, Ummantelung von Luftkanälen für 60 000 Euro, Abschottungen von Leitungen, zum Beispiel mit Durchführungen von Brandabschnitten für 45 000 Euro, der Trockenbau für 50 000 Euro und eine Brandmeldeanlage für 45 000 Euro. Weitere Kostenposten kumulieren den Betrag auf die genannten 350 000 Euro.

Im Prinzip ist immer mit einem Brand zu rechnen

Wolfgang Braun (rechts) und Klaus Keller erläuterten am Mittwochabend, weshalb der bauliche Brandschutz ohne verantwortungsvolles Nutzerverhalten wenig wert ist.

All das soll gesetzlichen Vorgaben gerecht werden und vor allem bestmöglich vor einem Großbrand schützen, um den die Zimmerner in ihrer Mehrzweckhalle bislang umhergekommen sind. „Prinzipiell ist aber jederzeit mit einem Brand zu rechnen“, erläuterte Wolfgang Braun am Mittwochabend aber im Rathaus. Der Diplom-Ingenieur eines Büros für Baustatik und Brandschutz wies Vertreter jener Gruppierungen in Brandschutzmaßnahmen ein, die die Mehrzweckhalle regelmäßig nutzen. Damit die Feuergefahr nicht allzu abstrakt blieb, bildete Braun zu Beginn seiner Präsentation das vor einiger Zeit brennende Objekt am Dieburger Marktplatz ab. „Was die Umsetzung des baulichen Brandschutzes betrifft, sind nach Fertigstellung der Arbeiten die Vorgaben von der Bauaufsicht, dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz sowie der Feuerwehr vollständig erfüllt“, erläuterte Bauamtsleiter Klaus Keller – ebenfalls diplomierter Ingenieur – zwar. Brandvermeidung und ein glimpflicher Ausgang im Ernstfall hätten auch viel mit dem Verhalten der Personen zu tun, die zu dieser Zeit in der Halle seien. Insbesondere dafür sensibilisierten Braun und Keller am Mittwochabend.

Sammelplätze vor dem Rathaus

„Verantwortungsvolles Nutzerverhalten“ bedeutet in erster Linie: Einhaltung der Brandschutzordnung, speziell bei sicherheitstechnischen Aspekten. Das gilt auch für die Hallenordnung. Um das Verwenden von Bestuhlungsplänen und einen Hallenwart werden die Nutzer zukünftig kaum umherkommen, auch sollen Anwesenheitslisten geführt werden.

Mancher Vertreter sah am Mittwochabend zusätzlichen bürokratischen Aufwand auf sich zukommen. Angezweifelt wurde unter anderem, ob wirklich jeder jedes Mal kontrolliere und schriftlich festhalte, welche 40 Sänger – als ein Beispiel von zig denkbaren – denn nun wirklich in der Halle geprobt hätten. Solche Listen seien für die Feuerwehr im Brandfall äußerst hilfreich, wollte Braun die Mühen nicht als verzichtbar durchgehen lassen. Die Einsatzkräfte könnten an den Sammelplätzen so kontrollieren, ob und wer noch im Gebäude sei und gerettet werden muss. Die Sammelplätze befinden sich – je nach Gruppierung – vor dem Rathaus oder auf dem Parkplatz hinter der Halle.

Zuletzt ist das Verhalten der Nutzer entscheidend, dass der bauliche Brandschutz seine Aufgaben erfüllen kann“, betonte Keller. Dies kann auch scheinbare Banalitäten betreffen, auf die jedoch nicht jeder immer auf den ersten Gedanken achtet: wie etwa gestapelte Getränkekisten, die gerne mal eine Tür oder einen Rettungsweg im Keller, Erd- oder Obergeschoss der Mehrzweckhalle versperren können.

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