FSV vor Auflösung? „Engagement so gut wie nicht vorhanden“

+
Johnny Conner (l.) und Reinhold Obertshauser (2. v. r.) scheiden aus dem Vorstand aus. Stefan Herbert (2. v. l.), Jens Reinhard (Mitte), Harald Herbert sowie Norbert Wurtz (nicht im Bild) könnten bleiben, was aber nicht ausreicht. Gesucht werden neue Leiter für Jugend und Sportbetrieb.

Groß-ZImmern - Mit einem sehr deutlich formulierten Brief, den der Vorstand auch dieser Zeitung zur Verfügung gestellt hat, haben sich die Verantwortlichen des Fußballsportvereins (FSV) Groß-Zimmern an ihre Mitglieder gewandt. Von Jens Dörr

In dem Schreiben schildert der Vorstand das anhaltende Problem eines zu geringen Engagements der Vereinsmitglieder und erwägt unter bestimmten Umständen sogar, auf der nächsten Mitgliederversammlung (7. Juni) die Auflösung des Vereins mit Sitz in der Waldstraße zu beantragen.

Vorangestellt sei: Die finanzielle Konsolidierung des verschuldeten Vereins mit seinen rund 400 Mitgliedern könnte gelingen, wie Vorstandsmitglied Jens Reinhard betont. „Damit hat unser eindringlicher Appell nichts zu tun.“ Vielmehr gehe es um etwas anderes: Außer der Seniorengruppe, den Jugendtrainern, dem Spiel- und Vergnügungsausschuss sowie den Vorstandsmitgliedern selbst bringe sich kaum noch ein Mitglied in die Vereinsarbeit ein. „Ansonsten ist es leider Fakt, dass das Engagement unserer Vereinsmitglieder – sei es bei Veranstaltungen oder anderen selbstverständlichen Vereinsarbeiten – so gut wie nicht vorhanden ist“, formuliert der Vorstand in seinem Brief. Sämtliche Appelle, Nachfragen oder Bitten seitens des Vorstandes würden ignoriert.

Mehr Schultern müssen die Arbeit tragen

Es seien wohl nur noch 20 bis 30 Leute, die den Verein am Leben hielten. Unter diesen Vorzeichen sei man nicht mehr bereit, Stunde um Stunde der Freizeit für den FSV zu opfern. Sogar den Eintritt bei den Heimspielen kassieren - eine Tätigkeit von maximal zwei Stunden Dauer alle zwei Wochen - müssten die Vorstandsmitglieder regelmäßig selbst, weil sich im Verein sonst niemand dafür finde. „Das kann es nicht mehr sein“, findet unter anderem Reinhard. Der gesamte Vorstand wiederum hebt hervor: „Wir sind gerne bereit, den Verein wieder auf gesunde Füße zu stellen. Aber ohne die Unterstützung der Mitglieder sind wir dazu nicht in der Lage.“ An eine Kapitulation der jetzigen Vorstandsmitglieder sei also nicht partout gedacht, so Reinhard. Es müssten aber mehr Schultern die Arbeit bei den Fußballern tragen.

Kurzfristig geht es zudem darum, zwei wichtige Vorstandsposten neu zu besetzen - der FSV-Vorstand ist seit vier Jahren mit mehreren gleichberechtigten Mitgliedern an der Spitze organisiert, den klassischen „Ersten Vorsitzenden“ gibt es nicht mehr. Wie berichtet scheiden Jugendleiter Reinhold Obertshauser sowie Johnny Conner, Leiter des Sportbetriebs, zum Ende der Amtsperiode am 7. Juni aus. Dann müssen die Mitglieder zwei neue Personen für diese Aufgaben wählen. Gefunden werden müssten sie allerdings bis zum 15. Mai.

Geschieht das nicht, werde man „auf der nächsten Mitgliederversammlung den Antrag auf Auflösung des Vereins stellen“, betont der Vorstand ausdrücklich.

Abschließend appellieren die FSV-Verantwortlichen, die sich insbesondere um die sportliche Zukunft der 120 Kinder und Jugendlichen Sorgen machen, die im 94 Jahre alten Groß-Zimmerner Verein kicken, an alle Mitglieder, sich zu fragen: „Wie kann ich meinen Verein unterstützen, wie kann ich mithelfen, was kann ich einbringen, um die Vereinsfamilie des FSV wieder enger zusammenrücken zu lassen?“

Kommentare