Aufstiegschancen für die Fische

Manchmal werden beim Straßenbau auch schuppige Zeitgenossen berücksichtigt.

Groß-Zimmern (sr) -  Die Gersprenz ist nicht einfach ein Flusslauf aus dem Odenwald.

Zur Regulierung der Wassermenge für diverse Mühlen, auch zum Hochwasserschutz und in Dieburg gar zur Abwehr von Feinden haben die Menschen viele Gräben gegraben, ein regelrechtes System geschaffen, Dazu gehört auch der Katzengraben, der vor der Groß-Zimmerner Obermühle vom eigentlichen Fluss abzweigt und sich an Klein-Zimmern schmiegt, bevor er sich oberhalb von Dieburg wieder mit der Gersprenz vereint.

Für Fische stellt das Regulierungswehr, das von einer Straßenbrücke überspannt wird, ein arges Hindernis dar. Da aber ohnehin an der Stelle gebaut werden soll, tut sich vermutlich auch für schuppige Zeitgenossen eine Aufstiegschance auf.

Schon länger ist bekannt, dass der 700 Meter lange Abschnitt der Landesstraße 3115 erneuert werden soll. Die Planung durch das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Darmstadt hat sich allerdings hingezogen – nicht zuletzt deshalb, weil im Bereich der Katzengrabenquerung peinlich genau auf Belange des Naturschutzes geachtet werden muss. Die Teiche des Angelvereins befinden sich in unmittelbarer Nähe, drumherum gibt es einen mächtigen, bei Vögeln sehr beliebten Baumbestand, und gersprenzaufwärts ist ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet nicht weit, in dem sogar gelegentlich Eisvögel gesichtet werden.

Die Straßenplaner aus Darmstadt beziehen allerdings auch andere Überlegungen mit ein: Die Positionierung der vorhandenen Brücke bedingt auf der Nordseite einen relativ engen Kurvenradius für die Landesstraße, es ist dort deshalb auch schon zu Unfällen gekommen. Folglich soll das Bauwerk, das ohnehin erneuert werden muss, nicht nur um eine Radwegespur bereichert, sondern ein paar Meter weiter nördlich neu gebaut werden. Es war wohl nicht einfach, diese Idee gegen die Belange des Naturschutzes aufzurechnen, aber das Baurechtsproblem scheint nun geklärt. Nicht ganz einfach war es aber auch, dem Groß-Zimmerner Gemeindevorstand die Idee nahe zu bringen.

Der Brückenschlag sollte zunächst mit einer auf mehrere Monate veranschlagten Vollsperrung der Landesstraße verbunden sein, was angesichts der Erfahrungen mit der Erneuerung der Gersprenzbrücke an der Obermühle lautstarken Widerstand provozierte. Die Lösung der Straßenbauer ist ein halbseitiger, zeitlich versetzter Neubau: Zuerst soll nördlich der vorhandenen Brücke ein einspuriges Bauwerk mit Radwegespur errichtet werden, über den dann der Verkehr in wechselnden Richtungen ampelgeregelt fließen kann. Dann wird die alte Brücke abgerissen und es folgt die zweite Hälfte.

Das gesamte 700 Meter lange Straßenstück zwischen Groß- und Klein-Zimmern soll zudem um einen Radweg auf der Nordseite ergänzt werden, der überwiegend auf einer vorhandenen Feldwegeparzelle verlaufen wird.

Vor der Ortseinfahrt von Klein-Zimmern soll eine gestreckte Mittelinsel den Verkehr in die Tempo-30-Zone des Ortsteils hineinbremsen.

Noch nicht gänzlich in die Planungen integriert ist der Bau einer Fischtreppe am Katzengrabenwehr. Die EU-Rahmenrichtlinie zur Verbesserung der Gewässergüte fordert solche Maßnahmen, wie sie jetzt gerade in Dieburg aufwändig umgesetzt worden sind. Dort hat der Wasserverband Gersprenz als Zweckverband der Kommunen am Fluss die Kosten übernommen, am Katzengrabenwehr könnten es auch die Straßenbauer sein, die damit noch ein paar Ökopunkte sammeln würden.

Vom Geld hängt auch der Startschuss für die gesamte Baumaßnahme ab: Vor 2013 sind keine Landesmittel für die Landesstraße in Sicht.

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