Ausgekocht mit lautem Schlag

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Auf Einladung der Seniorenunion waren Ministerpräsident Roland Koch und Umweltministerin Silke Lautenschläger 2009 in Groß-Zimmern zu Gast, im Bild mit Bürgermeister Achim Grimm.

Wiesbaden / Bad Nauheim (db/guf) ‐ Wie ein lauter Schlag machte vorgestern die Rücktrittsankündigung des Ministerpräsidenten Roland Koch die Runde. Relativ wenig Beachtung schenkten die Granden der Hessen-Union dabei dem Rücktritt von Umweltministerin Silke Lautenschläger, einst von Roland Koch ausersehene Hoffnungsträgerin der Union.

Sie wolle dem künftigen Kabinett nicht mehr angehören, weil sie sich Koch auch im Politikstil verbunden fühlt - allen voran im Aussprechen unbequemer Wahrheiten.

Zimmerns Bürgermeister Achim Grimm (CDU) findet Kochs Entscheidung „nachvollziehbar. Es gibt schließlich ein Leben außerhalb der Politik.“

Zum Rücktritt von Ministerin Silke Lautenschläger, in deren Wahlkreis Groß-Zimmern liegt, sagte Grimm: „Dazu habe ich keinerlei Infos und auch keine Gründe. Auch ich bin vollkommen überrascht.“

Der CDU-Kreisvorsitzende Manfred Pentz aus Groß-Zimmern glaubt nicht, dass der Rücktritt mit Auseinandersetzungen in der Union zusammenhängt. „Das ist ein schwerer Schlag. Koch war der Hoffnungsträger für viele Konservative in der CDU und einer der ambitioniertesten und besten Politiker.“ Als „sehr bedauerlich“ bezeichnet Pentz den Rückzug von Lautenschläger: „Gerade auch, weil sie aus unserem Kreisverband kommt.“ Die gestrige CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz in Bad Nauheim erlebte der Darmstadt-Dieburger Kreisvorsitzende in „gefasster und sachlicher Atmosphäre“.

Bouffier braucht Bedenkzeit, um sein Kabinett zu ordnen

Volker Bouffier wurde als Koch-Nachfolger einstimmig für die Nominierung vorgeschlagen. „Er wird auch von vielen Jüngeren in der Fraktion und im Kabinett getragen“, so Pentz.

Unklar ist weiterhin, wer das Amt von Umweltministerin Silke Lautenschläger übernehmen wird. Für die Aufstellung seines Kabinetts erbat sich Bouffier eine Bedenkzeit. Nicht ausgeschlossen sei, dass auch andere Ministerposten betroffen sein werden, so Pentz. „Das Land befindet sich in einer der schwierigsten Situationen seit Kriegsende. Koch macht es sich sehr einfach, die Verantwortung jetzt abzugeben“, findet der stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende Patrick Koch.

Die Diskussion zeigt, dass der Abgang kein Zeichen für einen Neuanfang ist. Die CDU scheint kein geeignetes, junges Personaltableau zu haben. Lediglich die alte Garde ist im Gespräch - das lässt nicht auf einen Perspektivenwechsel hoffen. Sowohl für die Bildungs- wie für der Energiepolitik sieht es weiter düster aus“, meint die Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD, Heike Hofmann.

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