Traditionelle Ausgrabung im Feld 57

Kerb unter der Erde gefunden

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Die Kerbausgräber sind bereit und recken ihren langen Stock in die Höhe.

Klein-Zimmern - Zurück zu den Wurzeln hieß es am Samstagabend bei der Klein-Zimmerner Kerb. Und das war sprichwörtlich zu verstehen. Es wurde sogar bis unter die Wurzeln der Grasnarbe gegraben, bis die Kerburkunde endlich gefunden wurde. Von Ulrike Bernauer 

Dabei war Fabian Köbel der Glückliche, der in Feld 57 auf das Behältnis mit der Kerburkunde stieß. Sofort gab es Gemunkel bei einigen Klein-Zimmernern, schließlich hatte Köbel auch den Behälter versenkt. Von seinem Fund hatte der junge Mann dann wenig, außer die Ehre, ihn gefunden zu haben.

Horst Bobel setzte indes aufs Feld 57 und durfte darum später die Kerb ganz offiziell eröffnen. Auf jeden Fall war die Kerbausgrabung wieder eine riesen Gaudi für Ausgräber und Zuschauer. „Ich habe einen Maulwurf getroffen“, rief einer, die Antwort kam sofort: „Was, nur einen?“.

Traditionell ausgegraben

Nachdem in den letzten Jahren die Kerb ausgeangelt wurde – dabei ging es darum, das richtige Entchen aus einem Planschbecken zu angeln – oder davor ausgeworfen wurde – hierbei musste der richtige Luftballon mit einem Wurfpfeil getroffen werden – wurde diesmal wieder richtig gegraben. Und zwar wie in den Ursprüngen direkt auf dem Acker. Einige Jahre vergnügten sich die Ausgräber, ein Überraschungsei aus dem Sand eines Anhängers auszubuddeln. Die Stäbe, die vor 20 Jahren dazu dienten, den Boden zu sondieren, hatte man in Klein-Zimmern glücklicherweise aufgehoben.

Horst Bobel war ein wenig überrascht, als er das Behältnis öffnete: Zu Tage traten nicht nur eine Kopie der Kerburkunde, sondern auch noch kleine Plastikschnapsgläschen, die umgehend gefüllt wurden. Nach Verlesung der Urkunde, die die Kerb eröffnet, durfte Bobel sich ein Geschenk aussuchen, so wie noch neun weitere Klein-Zimmerner, deren Nummern ausgelost wurden. Erstaunlicherweise gingen die Tüten mit den Kinderüberraschungen zuerst weg, das Nackenstützkissen blieb lange liegen.

Geißenlied angestimmt

Dann gab es kein Halten mehr, das Geißenlied wurde abgesungen und die stimmgewaltigen Kerbfrauen ließen nicht nur die Kerb, sondern auch den frisch gebackenen Dekan Pfarrer Christian Rauch, den katholischen Kirchenmusikverein und was ihnen sonst noch so in den Sinn kam, hochleben. Dem Fest war nun Tor und Tür geöffnet und die Klein-Zimmerner genossen ihren ersten Kerbabend. Vor der Kerböffnung hatten sie noch einen Gottesdienst in der katholischen Kirche gefeiert.

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