Auslauf mit Wintergarten

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Norman Jaensch zeigt wie die Eier automatisch in Kartons kommen.

Klein-Zimmern - Bundesweit sind Bio-Eier in den Schlagzeilen. Vor allem in Niedersachsen sind die Eier, für die der Verbraucher gerne auch mal bis zu zehn Cent mehr pro Stück bezahlt, bei rund 40 Betrieben nicht nach den geltenden Richtlinien erzeugt worden. Von Ulrike Bernauer

Aus Hessen ist noch kein Fall bekannt geworden, in anderen Bundesländern hat man jedoch ebenfalls falsch deklarierte Eier gefunden.

Die Vorschriften für Bio-Eier kennt Bauer Thomas Schaffer vom Birkenhof in Klein-Zimmern genau. Erst vor zweieinhalb Monaten hat er seinen neu gebauten Bio-Legehennenstall mit dem Besatz von Hühnern eingeweiht. „Für eine Henne, die Bioeier legt, gibt es bestimmte Kriterien, die neben dem Futter auch den Platz betreffen“, erklärt Schaffer. So müssen sich im Stall des Bio-Bauern sechs Legehennen einen Quadratmeter Platz teilen, bei Freiland- oder Bodenhaltung müssen neun auf einem Quadratmeter miteinander auskommen, bei Käfighaltung befinden sich auf der gleichen Fläche 12 Tiere.

„Allerdings haben unsere Hennen zusätzlich noch einen Wintergarten und ein Freilandgehege, so dass jedes Huhn eine Fläche von insgesamt mehr als vier Quadratmetern zur Verfügung hat“, sagt der Biobauer. Das entspricht den Bestimmungen des Bioverbandes Naturland, dem Schaffer angeschlossen ist. 12 000 Hennen in vier Gruppen liefern in Klein-Zimmerner zwischen 9 000 und 10.000 Eier am Tag.

Regional einkaufen

„Es ist nicht ganz einfach, Betrügern auf die Spur zu kommen“, so Schaffer. Die Hühner zu zählen ist bei dieser Anzahl fast unmöglich, was ein Blick in den Stall sofort klar macht. Den Betrug kann also nur das Studieren der Buchhaltung offenbaren. Hier ließe sich feststellen, wie viele Hühner gekauft wurden, wie hoch der Futterbedarf ist oder wie viele Eier verkauft werden.

Der Verbraucher hat nur eine Möglichkeit, sicher zu gehen, dass das Ei auch wirklich Bio ist. „Er sollte regional kaufen. Bei uns können sich die Leute einfach überzeugen, dass unsere Hühner genug Platz haben. Schon von der Straße aus können sie die Auslaufflächen und den Stall sehen“, so Schaffer. Regional einkaufen, das empfiehlt auch der SPD-Landtagskandidat Oliver Schröbel, der sich die Unterstützung der Direktvermarkter auf die Fahnen geschrieben hat. „Beim Erzeuger können Verbraucher überprüfen, wie die Produkte hergestellt werden und unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden, ob faire Arbeitsbedingungen herrschen und nach biologisch-dynamischen Kriterien erzeugt wird“, sagt Schröbel beim Besuch des Birkenhofs. Außerdem leiste man so einen Beitrag zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft und zum Klimaschutz, weil lange Transportwege entfallen.

Wobei beim Birkenhof nur ein recht kleiner Teil der Eier über den Hofladen verkauft wird. Die meisten gehen nach Eschenburg im Lahn-Dill-Kreis, wo sie sortiert und zur Vermarktung an Bio-Läden oder Handelsketten wie Rewe oder Tegut verpackt werden. Wo das Ei herkommt, das kann der Verbraucher dann über die aufgedruckte Nummer und auf der Homepage „was-steht-auf-dem-ei.de“ erfahren.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Mit einem Mythos über die Biolandwirtschaft räumt Schaffer aber auch gleich auf. „Meine Motivation, den Hof, den mein Großvater an dieser Stelle gegründet hat, auf Bio umzustellen, war nicht der finanzielle Aspekt.“ Entgegen landläufiger Meinung sei mit Bio nämlich nicht unbedingt mehr zu verdienen. „Ich hatte vorher mein Auskommen und habe es auch nach der Umstellung. Aber ich will einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.“ Der 36-Jährige hat Nachwuchs bekommen und es ist ihm sehr wichtig, die Natur zu erhalten.

Bio bedeutet für den Landwirt mehr Arbeit. „Wenn das Getreide eine Pilzkrankheit hat, kann ich nicht einfach raus fahren und spritzen. Genauso sieht es mit den Hühnern aus, Antibiotika zu geben, ist streng verboten.“

Hühner sind neugierig und drängeln sich vor der Kamera. Aber im Hintergrund haben sie noch reichlich Platz.

Weil der Bioanbau arbeitsintensiver ist, arbeiten inzwischen drei statt wie früher zwei Landwirte fest auf dem Hof. Zur Gründung des biologischen Teils des Betriebes holte sich Schaffer einen Kollegen mit auf den Hof. Mit Norman Jaensch gründete er die Schaffer & Jaensch GbR. Bei Getreide, Kürbissen, Kartoffeln, Bohnen und Mais ist die Umstellung schon erfolgt, die Sonderkulturen Erdbeeren und Spargel werden noch konventionell erzeugt.

Das Bio-Siegel bedingte auch den Bau des Hühnerstalls. Schließlich darf hier kein konventioneller Dünger verwendet werden. Man ist also angewiesen auf Gründüngung oder tierische Produkte wie Gülle oder Hühnerkot. Gleichzeitig kann Schaffer auch einen Teil seiner pflanzlichen Produkte wie Bohnen oder Getreide an die Hennen verfüttern. Mindestens die Hälfte seiner Futtermittel muss er selbst erzeugen, so schreiben es die Richtlinien des Naturland Verbandes vor. Hier schließt sich dann der Kreislauf: die Legehennen produzieren den Dünger für die Pflanzen, die sie später wieder verzehren.

Thomas Schaffer hat aktuell nur eine Sorge. „Ich hoffe nicht, dass der Verbraucher aufgrund einiger schwarzer Schafe die Betriebe bestraft, die ordentlich arbeiten.“

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