Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“

„Uffbasse, sagt der Hesse!“

+
Ein kleines Auditorium lauschte bei der Ausstellungseröffnung dem Fachvortrag von Fachvortrag von Manuel Glittenberg von der Deutschen Gesellschaft der Demokratiepädagogik.

Groß-Zimmern - „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ heißt die Ausstellung, die seit gestern im Jugendzentrum zu sehen ist. Der Name ist Programm: Besucher sollen informiert und aufgefordert werden, durch ambitioniertes Handeln unsere Demokratie zu schützen.

„Ausländer nehmen deutsche Jobs weg“, „Flüchtlingsflut überfremdet Deutschland“: Wo populistische Stammtischparolen sich ungebremst in junge Köpfe fräsen, tut Aufklärung Not. Die Kinder- und Jugendförderung hat gehandelt und die Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Groß-Zimmern geholt. Mit im Boot: die Albert-Schweitzer-Schule, deren Fachschaft Geschichte in den kommenden Tagen den Unterricht ins Jugendzentrum verlagern wird.

Vor ausschließlich erwachsenem Publikum wurde die Schau gestern Nachmittag mit einem Fachvortrag eröffnet. Manuel Glittenberg von der Deutschen Gesellschaft der Demokratiepädagogik referierte zum Thema – leider vor kleinem Auditorium. „Rechtsextremismus und Populismus sind im Zuge der vielen Flüchtlinge wieder groß geworden“, sagte der Referent, der Parallelen zwischen Nationalsozialismus und Gegenwart fand und analysierte. „Im alten Rassimus sprach man von der Ungleichheit der Rassen, heute von Unvereinbarkeit der Kulturen“, so Glittenberg. „Damals hieß die Perspektive: Vernichtung, im modernisierten Rassismus wird eine räumliche Trennung anvisiert.“ Entscheidender Unterschied zur NS-Zeit: Der Reichtum an digitalen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten schaffe eine grenzenlose Plattform, Informationen zu transportieren.

„Jugendliche nehmen über die digitalen Medien sehr viel ungefiltert auf, was stimmt?“, brachte Astrid Geiß, Mutter, Pädagogin und Lokalpolitikerin, ein Problem auf den Punkt. Ihr Lob: „Die Schweitzer-Schule tut bereits sehr viel, zum Beispiel gibt es die AG für Toleranz und gegen Rassismus. Und in dieser Woche fahren alle zehnten Klassen ins ehemalige KZ Buchenwald.“ Anhand der 16 Schautafeln ist es nun an der Reihe fachkundiger Pädagogen, sich mit ihren Schülern am Thema entlangzuhangeln, vielleicht sogar anzuspornen, zu handeln. Komprimiert ist in der Schau vieles zusammengetragen: Das rechtsextreme Weltbild, rechtsextreme Gruppen in Hessen aber auch Europa, das „braune“ Engagement von Frauen und mehr.

In der kleinen Diskussionsrunde kristallisierten sich Probleme heraus. Bürgermeister Achim Grimm sprach von „Sofa-Mentalität“: Statt zu Handeln fröne man der Bequemlichkeit. „Es geht vielen in unserer Gesellschaft sehr gut.“ Auch die Medien standen am Pranger. Tenor: Ein braunes Rinnsal würde durch die Präsenz in den Medien zur rechten Flut hochstilisiert. Schlimmer noch: Auch durch die Macht von Twitter oder Facebook und die ungehinderte Publikation vermeintlicher Neuigkeiten, würde Unwahrheiten und Populismus gestreut. „Ich komme aus Hoyerswerda“, so Geiß. Die rassistischen Ausschreitungen einiger Bürger im Jahr 1991 seien in der öffentlichen Wahrnehmung pauschal auf alle abgewälzt worden, kritisierte sie, „ich habe erlebt, was das mit einer Stadt machen kann“. In Groß-Zimmern setzt man auf Stärke durch Aufklärung. Ein Besucher brachte es auf die landestypische Philosophie: „Uffbasse, sagt der Hesse!“ (zah)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare