Ausstellung im Mehrgenerationenhaus

Islam hat viele Gesichter

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Gerade in Zeiten von IS-Terror zeigt die Ausstellung die vielen Facetten der Religion. Zur Eröffnung der Ausstellung „Gesichter des Islam“ kamen zahlreiche Besucher in das Mehrgenerationenhaus.

Groß-Zimmern - „Mir gefällt es hier, wenn ich die Familie in Deutschland hätte, dann würde ich hier bleiben“, sagte Fatima Karayilan. Sie kommt aus der Türkei, lebt aber schon 20 Jahre in der Bundesrepublik. Von Ulrike Bernauer 

Ihre drei Kinder – die Tochter ist 14 Jahre, die Zwillingssöhne 12 Jahre alt – sind hier aufgewachsen. Vor allem die ältere Tochter Berivan schätzt die Freiheit, die Deutschland ihr bietet. Alle vier kamen am Donnerstagabend zur Eröffnung der Ausstellung „Gesichter des Islam“ in das Mehrgenerationenhaus (MGH).  „Gerade in diesen Zeiten, wo der Islamische Gottesstaat die Nachrichten beherrscht, ist es interessant, diese Ausstellung zu zeigen“, erklärte die erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück. Das Ziel der Ausstellung sei es, einen Dialog zwischen Christen und Muslimen zu initiieren. Schließlich lebten schätzungsweise vier Millionen Anhänger des islamischen Glaubens in Deutschland, wie viele es im Landkreis Darmstadt-Dieburg seien, wisse man nicht genau. Die größte Gruppe der Zuwanderer käme jedenfalls aus der Türkei. Auf 20 Schautafeln zeigt die Ausstellung die Ansichten zur Religion und zum Leben von muslimischen Migranten, darunter Frauen und Männer, Junge und Alte. Da ist Melike Öz-Arman, die im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland kam. Sie plant Medizin zu studieren und ist verheiratet. „Ich fühle mich wohl mit meiner Entscheidung, kein Kopftuch zu tragen“, steht auf der Tafel, man könne auch ohne Kopftuch Respekt zeigen.

Dialog mit anderen Muslimen

Am Abend der Ausstellungseröffnung waren neben deutschen Besuchern auch einige Muslime anwesend, darunter auch Karayilan, die sich wohl fühlt, in Deutschland zu wohnen. Dennoch denkt sie darüber nach, später in die Türkei zurück zu gehen, weil sie ihre Familie vermisst. Sie geht selten in die Moschee. „Das ist unsere Faulheit“, sagte sie, „aber ich bete fünfmal am Tag.“ Auch in ihrem Freundeskreis gehört der Moscheebesuch nicht zum Pflichtprogramm, ihr Mann kommt nicht immer zum Freitagsgebet, weil er arbeitet. Für die deutschen Besucher waren nicht nur die Texte an der Wand interessant, die so vielfältig sind, wie die Menschen, die porträtiert werden. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung konnten sie auch mit den Besuchern mit Migrationshintergrund ins Gespräch kommen. Ein kleiner gemeinsam genossener Imbiss war eine gute Gelegenheit dazu. Angelika Seidler vom MGH freute sich, dass auch Bürger aus der Türkei, dem Iran und Afghanistan vertreten sind.

Für Giür Farzana war der Moscheebesuch auch in der Heimat eher selten. „Bei uns gehen die Frauen kaum in die Moschee“, sagte die Frau, die aus Afghanistan stammt. Seit 1996 lebt sie nun mit ihrer Familie in Deutschland, bis vor einem Jahr in Bayern. In Deutschland lernte sie ihren Mann kennen, einen Türken. Drei Kinder hat das Ehepaar, nach Afghanistan wollen sie nicht mehr zurück. Dort ist nur noch ihr Vater, der geblieben ist, um seinen Landsleuten zu helfen. „Wir fühlen uns sehr wohl hier und haben auch viele Freunde.“ Zur aktuellen weltpolitischen Lage sagte sie: „Allah will keinen Krieg, der Islam ist nicht so.“ Farzana hat das MGH bei einem freiwilligen Praktikum kennengelernt. „Es hat mir so gut gefallen, dass ich auch weiter mithelfe.“ Die Ausstellung kann bis zum 7. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten, Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr im MGH besichtigt werden.

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