Mit der Bahn kamen die Brunnen

+
„Hier war der Brunnen“, zeigen die Teilnehmer.

Groß-Zimmern - (guf) Laut plätschern Stimmen wie frisches Quellwasser über die Angelgasse: „Der war da drüben. Ich kann mich noch genau erinnern.“ Gemeint ist ein Brunnen.

Viele Geschichten zur Wasserver- und Entsorgung Groß-Zimmerns wurden am Sonntag beim Ortsgeschichtlichen Rundgang erzählt. Der Vorsitzende des Glöckelchenvereins, Manfred Göbel, führte im achtzigsten Beitrittsjahr der Gemeinde zum Wasserwerk Dieburg zu „Brunnen und Kanälen“ und traf mit seinem Vortrag wieder einmal das Interesse besonders der Alteingesessenen. Unterstützt wurde er dabei von „Wasserfachmann“ Clemens Geiß.

Start für den Rundgang war vor dem Glöckelchen in der Angelstraße. Hier befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein gewerblich genutzer Brunnen der Wurstfabrik Laschet. Sechs solcher Wasserstellen gab es in dieser Zeit, doch Göbel lenkte das Interesse auf die Zeit der ersten insgesamt acht belegbaren Gemeindebrunnen. „An die können Sie sich gewiss nicht mehr erinnern, denn seit 1925 gibt es keinen mehr“, unterbrach der Heimatkundler freundlich die heiteren Wasserplaudereien seines gewiss fachkundigen Publikums. „Dass in dieser Zeit, dem Ende einer Phase der Stagnation, die Diskussion um die Wasserversorgung in Gang kam, hat auch mit dem Bahnanschluss 1897 zu tun“, so Göbel.

„Verweste Katzen, Ratten und dergleichen Thiere“ bei Brunnenarbeiten gefunden

In der Jahn- und Kreuzstraße schilderte er die Anfänge der Kanalisation, die auf Initiative der Malz- und Wurstfabrikanten sowie des Brauereibesitzers entstanden ist. Bei der ersten Anlage eines „unterirdischen Rohrkanals von der Kreuzgasse, die Angelgasse entlang bis in die Gersprenz“, habe die Gemeinde die Benutzung des Geländes „gestattet“, betonte Göbel. Das war allerdings schon ein Fortschritt, denn um 1800 war in Zimmern wegemmäßig ein Reinkommen nur über die Jahnstraße möglich. Die rund 2600 Einwohner ließen - wie zu dieser Zeit üblich - ihren Abwassern freien Lauf. In der Angelstraße ging es auch um Missstände. Die Straße hat zwar anfangs ein gutes Gefälle, das jedoch - je mehr sie sich der Gersprenz nähert - rasch abnimmt. So kam es an der Enggasse zu einer Stauung der Gewässer, weshalb sich 1900 das Gesundheitsamt einschaltete: „Die übelsten Gerüche verbreiten sich aus der stinkenden, faulenden Flüssigkeit und es ist kaum begreiflich, dass jetzt erst die Bewohner einen Versuch machen, durch Hülfe der Behörden eine Beseitigung der Missstände zu erzielen“, zitierte Göbel. Dass Vandalismus keine Modeerscheinung ist, belegte er an der Schilderung zum Ziehbrunnen in der Enggasse, der Mitte des 19. Jahrhunderts 35 Familien mit Wasser versorgte. Hier haben - so das Gesundheitsamt „muthwillige Jungen Hunde hineingeworfen“. Da nicht selten „verweste Katzen, Ratten und dergleichen Thiere“ bei Brunnenarbeiten gefunden wurden, drängte man auf die Einführung von Pumpen. 1956 wurde die erste mechanische Kläranlage in Betrieb genommen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare