Bahnhofssäulen in der Kirche

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Die Engel an der Decke mussten weichen. Kaum zu erkennen ist, dass Säulen aus einem Bahnhof hinzukamen. 

Klein-Zimmern - „Das wird mein Lebenswerk“, sagt Gottfried Salz. Seit vier Jahren arbeitet es an der kleinen Kirche, dem ehemaligen Haus der Begegnung in Klein-Zimmern, das er 2005 von der Diözese Mainz gekauft hat. Von Ulrike Bernauer

Ich bekam den Zuschlag, weil mein Konzept den Kirchenoberen am Besten gefiel“, sagt der Unternehmer, der normalerweise Nutzfahrzeuge kauf und verkauft. Es gab damals auch noch andere Interessenten: eine Disco wollte einer in dem früheren Gotteshaus einrichten, ein Starkoch wollte das denkmalgeschützte Gebäude erwerben und ein direkter Nachbar war mit Mindestgeboten dabei.

Salz will den Kirchenbau als „Schlösschen“ nutzen. Einen Vorgeschmack erhält man schon jetzt, wenn man die Privaträume auf der Empore besichtigt. „Die Räumlichkeiten sollen bei bestimmten Gelegenheiten auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein“, erklärt der Kirchenliebhaber. Private Konzerte will der Unternehmer in dem Gebäude in Klein-Zimmerns Mitte veranstalten. „Ich werde den Kirchenraum für 50 Gäste bestuhlen lassen“, sagt Salz. „Die werden dann von mir persönlich eingeladen“. Die Künstlerin für das Eröffnungskonzert steht bereits fest. Der genaue Termin ist allerdings noch nicht klar, der Name der Künstlerin wird vorerst auch nicht verraten: „Das ist noch ein Geheimnis“, so Salz.

Äußerlich wurde an dem Kirchenbau, der die Ortsmitte kennzeichnet, nicht sehr viel verändert.

Nicht nur zu den Konzerten will er Zutritt zu seinem „Schlösschen“ gewähren, er kann sich auch vorstellen, die Kirche an manchen Sonntagen für interessierte Besucher zu öffnen. Schon jetzt erhält er viel Besuch. Wenn der Mercedes vor dem zum Haupteingang gewordenen Seiteneingang steht, dann klopfen immer mal wieder Klein-Zimmerner an die Tür. „Vor allem Ältere“, erzählt Salz, „die hier getauft wurden und zur heiligen ersten Kommunion gingen und womöglich auch noch hier vermählt wurden.“ In ziemlich schlechtem Zustand war die Kirche, als der neue Besitzer sie übernahm. Seit 1979 wurde sie als Haus der Begegnung genutzt. „Damals, als die neue katholische Kirche in Klein-Zimmern fertig war, wurde diese hier für 500 000 DM renoviert. Ich habe die Rechnungen noch“, erklärt Salz. Aber das ehemalige Gotteshaus wurde nur wenig genutzt und folglich auch nur selten beheizt. Jetzt strahlt vieles wieder in neuem Glanz. Geblieben sind die bunten Fenster und die Säulen. Die Empore hat Salz vergrößert. Dort oben will er später sein Wohnzimmer einrichten. Das Schlafzimmer mit Himmelbett ist schon auf der Empore, das Bad hat er ebenfalls prunkvoll eingerichtet. „Mit dem Waschbecken bin ich noch nicht zufrieden. Da suche ich noch ein altes“, erklärt Salz.

Ehemalige Pfarrkirche

Die kleine, rechteckige Saalkirche in Klein-Zimmern wurde 1776 an Stelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaues errichtet. Wegen der Hanglage wurden Stützmauern und eine Treppenanlage notwendig. Über dem Portal steht die Zahl 1775 und darüber befindet sich eine rundbogige Nische mit moderner Muttergottes. Die broßen Fenster sind mit flachen Segmentbogen und Rechteckgewänden versehen. Über dem Westgiebel erhebt sich ein achtseitiger Dachreiter mit geschweifter Haube. Nach dem Bau der neuen katholischen Kirche im Ort wurde die alte Pfarrkirche seit 1987 als Haus der Begegnung und örtliche Bücherei genutzt. Der ehemalige Hochaltar und die Figuren kamen in die neue Kirche. Geblieben ist die Kanzel an der Nordwand. Die alte Pfarrkirche wurde als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt. (Quelle: Topographie des Denkmalschutzes).

Auch im Kirchenraum und unterhalb der Empore geht es prunkvoll zu. „Ich liebe Gold“, sagt Salz lächelnd, deshalb leuchten auch die Stuckverzierungen, die vorher grau waren, nun in Gold. Golden strahlt der Kronleuchter, golden leuchten auch Teile des Brunnens, der unterhalb der Empore stehen wird. „Ich sammle schon seit 30 Jahren Antiquitäten“, erzählt der Unternehmer. So einiges wird noch von seinem Privathaus in die Kirche wechseln. Manches alte Fundstück ist schon eingebaut, die erweiterte Empore steht auf zwei gusseisernen Säulen, die den ursprünglich vorhandenen sehr ähnlich sehen. Die Neuen stammen aus dem Aschaffenburger Hauptbahnhof und erst bei genauem Hinschauen wird deutlich, dass sie den anderen nicht ganz gleichen. „Das Denkmalschutzamt hat mir in die Suppe gespuckt“, sagt Salz und guckt ein wenig grimmig. So durfte er die Empore nicht nach seinen Plänen erweitern. Als besonders störend kritisierte die Behörde die Deckenbemalung. Farbenprächtig ist sie mit Engeln und Wolken verziert. Dabei ist ein Teil der Engel inzwischen schon wieder übermalt. „Das war wohl wirklich etwas überladen“, sagt der Kunstliebhaber. Drei Monate lang hat Maler Joachim Mück aus Aschaffenburg in seinem Auftrag an der Decke gearbeitet. Die Untere Denkmalschutzbehörde will sie jetzt wieder einfarbig haben, wie sie früher war.

Das meiste habe ich selbst renoviert“, erklärt Salz. „Jeden Sonntag arbeite ich hier und oft auch abends.“ Was ihn der ganze Spaß gekostet hat, will er nicht verraten, denn „über Geld spricht man nicht“. Noch in diesem Jahr will Kirchenbesitzer Salz mit einem Tag der offenen Tür den Umbau eröffnen. Arbeit bleibt allerdings auch danach noch genug. „Wenn ich unten fertig bin, dann gehe ich an die Renovierung des Dachbodens“, meint er mit offensichtlicher Vorfreude.

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