Haus Elisabeth: große Pflegeeinrichtung im Bau

Alle Apartments verkauft

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Noch ragen die Kirchtürme über die Grundmauern der Pflefeeinrichtung „Haus Elisabeth“ auf dem ehemaligen Aldi-Gelände.

Groß-Zimmern - Die Mauern ragen mittlerweile aus der Baugrube. An der Bahnstraße, wo jahrelang der „alte Aldi“ vor sich hindümpelte, entsteht das Haus Elisabeth, eine weitere große Pflegeinrichtung für den Osten des Landkreises Darmstadt-Dieburg mit 112 Plätzen.

Nach derzeitigem Stand der Dinge soll der Pflegebetrieb im November 2014 beginnen. Investor ist die Römerhaus GmbH mit Sitz im vorderpfälzischen Schifferstadt. Das Unternehmen hat eine große Expertise für die Entwicklung solcher Projekte, kann auf Referenzen in Baden, der Pfalz, Rheinhessen und Südhessen verweisen. Dabei verfolgt „Römerhaus“ ein für die Branche durchaus nicht ungewöhnliches, im Osten des Landkreises Darmstadt-Dieburg aber noch ungewohntes Finanzierungskonzept des schnellen Kapitalumschlags.

Das Gesamtobjekt, für dessen finanzielles Volumen vom Unternehmen keine Angaben zu erhalten waren, das durch einen Vergleich mit anderen Objekten aber auf etwa acht Millionen Euro taxiert werden kann, wird quasi „filetiert“ und jedes einzelne „Pflege-Apartment“ zum Kauf angeboten. Klassische Zielgruppe sind gut verdienende Freiberufler wie Rechtsanwälte und Zahnärzte, aber auch Handwerksmeister und abhängig Beschäftigte mit Einkommen ab der oberen Mittelklasse profitieren erheblich von den steuerlichen Effekten solch finanziellen Engagements.

Das Unternehmen verspricht den Investoren eine Rendite von über fünf Prozent - äußerst attraktiv in der derzeitigen Niedrigzinsphase vor allem für Kleininvestoren, denen der Aktienmarkt zu spekulativ ist. Abgesichert ist dieses Angebot über eine langfristige Vermietungsgarantie, für die ein Ableger der Römerhaus als Träger des späteren Pflegebetriebs einsteht: die Römergarten Seniorenresidenzen.

Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin der Römerhaus GmbH mit, dass inzwischen alle 86 Ein-Bett- und 13 Zwei-Bett-Apartments in dem dreigeschossigen Gebäudekomplex verkauft sind - wobei der Begriff „Apartment“ ein wenig irreführend ist.

Zwar verfügt jedes Zimmer über eine eigene Sanitärzelle, aber nicht über einen Küchenbereich. Die Größe der Zimmer entspricht dem Durchschnitt solcher Einrichtungen. Es sind zwar auch Gemeinschaftsbereiche mitgeplant, aber die Architektur ist nicht auf die Umsetzung eines „Wohngruppenkonzeptes“ im engeren Sinne ausgelegt - maximal zwölf Wohneinheiten gruppiert um einen Gemeinschaftsbereich, in dem ständig gemeinschaftliche Aktivitäten bis hin zur Zubereitung von Mahlzeiten angeboten werden.

In Groß-Zimmern gibt es bereits ein Pflegeheim, ein Ableger der Seniorendienstleistungs-gGmbH „Gersprenz“, die nach allen Turbulenzen inzwischen einen guten Ruf für ihre Pflegequalität genießt. Die 40 Plätze dürften jedoch nicht ausreichen, um auch nur den lokalen Bedarf zu decken. Andererseits sind in der Region in jüngerer Zeit einige weitere große Pflegeeinrichtungen mit jeweils 100 Plätzen und mehr entstanden: Haus Priska in Dieburg wurde gestern eingeweiht, einige Tage zuvor das Kursana-„Haus Dreispitz“ in Lengfeld, und in der schon länger offenen K+S-Residenz in Babenhausen sind derzeit 40 Plätze frei.

Ob der Bedarf größer ist als in der Prognose des Seniorenbüros beim Landkreis Darmstadt-Dieburg angegeben, wird schlicht der Markt zeigen. Von „Römergarten Seniorenresidenzen“ kommt die Auskunft, dass derzeit 26 Voranfragen für Pflegeplätze im Haus Elisabeth vorliegen.

Betreiber wie „Kursana“ kalkulieren, dass etwas fünf Prozent der heute Fünfundsechzigjährigen einen stationären Pflegeplatz benötigen, das Kreisseniorenbüro rechnet nur mit der Hälfte, also 2,5 Prozent.

In Fachkreisen ist es Konsens, dass die Entwicklung dem Wunsch der Senioren nach möglichst langem Verbleib in gewohnter häuslicher Umgebung und möglichst viel selbstbestimmtem Leben folgen sollte. Stichwort für die Pflegeinrichtung der Zukunft ist „Pflegewohnen“, mit einem sehr differenziert hinzubuchbaren Spektrum an Dienstleistungen, bei dem erst ganz am Ende die stationäre Pflege steht, die mehr und mehr „Hospizcharakter“ bekommen wird.

Bauliche Einrichtungen, die dieser Prognose entsprechen, sind bisher jedoch noch Mangelware, was die überaus große Nachfrage nach allen Formen „seniorengerechten“ und „betreuten“ Wohnens zeigt, der bisher im Osten des Landkreises ein viel zu geringes Angebot gegenübersteht.

sr

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