Band Crescendo spielt seit 15 Jahren buntes Repertoire

Gottesdienst und Jugendknast

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Spielen seit 15 Jahren kirchliche und weltliche Songs, begleiten Gottesdienste oder spielen auch mal ein Konzert im Jugendknast: die Zimmerner Musiker von Crescendo. Auf dem Foto hinten v. l.: Daniel Knaus, Johannes Röschner und Techniker Johannes Krombholz. Vorn v. l.: Sandra Ihring, Karin Knaus, Marie Unterleider, Christiane Hampel und Sandra Ihring. Es fehlt Pia Beckmann.

Groß-Zimmern -  Von neuen geistlichen Liedern bis hin zu Sarah Connor und „Jesus Rock“– das alles hat die Band Crescendo im Repertoire. In diesem Jahr haben die Musiker ihr 15-jähriges Bestehen gefeiert – Anlass für ein Portrait. Von Jens Dörr 

Schreibende Journalisten suchen in ihren Texten gern nach Einordnung – was häufig auch seinen Sinn ergibt. Die Zimmerner Band Crescendo in eine bestimmte Schublade zu packen, wäre allerdings fahrlässig und würde der Sache nicht gerecht. Was schon beim „Zimmerner“ anfängt: Groß-Zimmerner oder Klein-Zimmerner Band? Und trifft das Wort „Kirchenband“ ob der vielfältigen Genres, denen sich Crescendo widmet, überhaupt den Nagel auf den Kopf? Fest steht indes: Seit inzwischen 15 Jahren spielen die Zimmerner Musiker bei kirchlichen und weltlichen Anlässe, feierten dies vor einigen Wochen auch mit einem Jubiläumskonzert in der Klein-Zimmerner Sporthalle (wir berichteten). Und halten trotz durchaus unterschiedlicher musikalischer Präferenzen fest zusammen.

„Unsere Geschmäcker gehen schon ganz schön auseinander“, lacht Tanja Ihring, die Gitarristin von Crescendo. Da gebe es durchaus heiße Debatten, welchen Song man in einen Auftritt oder generell ins Repertoire aufnehmen solle. „Wir stimmen darüber dann demokratisch ab“, erläutert sie. Was nicht zu beleidigten Unterlegenen führe, sondern dazu, dass dergestalt nicht mehr verhandelbare Nägel mit Köpfen gemacht würden. „Wir haben eine gute Streitkultur“, meint sie, die neben vier anderen aktuellen Bandmitgliedern vor anderthalb Jahrzehnten auch den Gründern der Gruppe angehörte.

Geigerin Pia Beckmann, die beim Interview mit dem LA verhindert war, komplettiert die Crescendo-Jubilare.

Die riefen letztlich zwei Firmkatecheten der Zimmerner Pfarrgemeinde St. Bartholomäus ins Leben. „Auf den Firmfreizeiten gab es niemanden, der Musik gemacht hat“, erinnert sich Keyboarderin Christiane Hampel. Aus dieser traurigen Feststellung heraus gründete eine Reihe junger Gemeindemitglieder Crescendo. Als Name für die Band wählten sie jenen Begriff, der in der Musik für eine allmähliche Erhöhung der Lautstärke steht. Was ziemlich zutreffend ist, verstehen sich die aus Groß- wie Klein-Zimmern stammenden Mitglieder doch sowohl auf gediegene Töne neuer geistlicher Lieder als auch auf auftrumpfenden „Jesus Rock“, aktuelle Popmusik und ein bisschen Rock. Für die populären, neuen Stücke im Repertoire stehen etwa „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller, „Wie schön Du bist“ von Sarah Connor oder das im Crescendo-Jubiläumsjahr veröffentlichte „Sign of the times“ von Harry Styles.

Der modernen und kirchlichen Literatur – was sich freilich nicht ausschließen muss – nehmen sich derzeit acht Musiker an. Neben Tanja Ihring und Christiane Hampel sind dies Sandra Ihring (Bass), Johannes Röschner (Schlagzeug), Daniel Knaus (Percussion), Pia Beckmann (Geige) sowie die Sängerinnen Karin Knaus und Marie Unterleider. Die Mitglieder von Crescendo sind zwischen 20 und 42 Jahre alt, manche stiegen als Teenager ein und wurden mit der Band erwachsen. Ihre Tagespflicht absolvieren die Zimmerner (bei denen man nicht zwangsläufig katholisch sein muss, um mitzuspielen) als Studenten, Bauingenieure, Techniker oder Krankenschwestern.

Einen wichtigen Part bei Crescendo nimmt zudem Techniker Johannes Krombholz ein. Der nutzt das Interview mit unserer Zeitung dazu, das ein oder andere infrastrukturelle Begehren loszuwerden. „In-Ears“ (besondere Kopfhörer) wären als Ergänzung des Band-Equipments toll, irgendwann auch mal ein digitales Mischpult. Als nach der Gründung 2002 – Premierenauftritt war in einem Jugend-Gottesdienst – die erste Anlage hermusste, nahm der damalige Pfarrer Herbert Wendt die zentrale Rolle ein. „Er hat uns das Geld geliehen“, blickt Kassenwartin Hampel zurück. Die jungen Musiker sollten es nicht allzu lange schuldig bleiben.

Geprobt wird seit den Anfängen in Klein-Zimmerns katholischer Kirche – inzwischen auf der Empore. Bis zu 15 Auftritte jährlich spielt die Band; mehr als 100 Gigs, nie gegen Eintritt und stets lediglich gegen eine Spende, kamen in der bisherigen Historie zusammen. Neben Gottesdiensten musiziert Crescendo bei Hochzeiten und Firmungen, zeigte jüngst in der Klein-Zimmerner Sporthalle, dass die Band auch ein mehrstündiges Programm auf die Beine zu stellen vermag. In besonderer Erinnerung geblieben sind mehrere Auftritte auf den Weltjugend-Tagen 2005 in Wuppertal, im Mainzer Dom (ebenfalls 2005) und sogar im Jugendknast in Rockenberg. Zu all diesen begleitenden Einsätzen oder eigenen Konzerten sollen sich auch künftig noch viele hinzugesellen. Auch personell muss beim jetzigen Oktett noch nicht Schluss sein: Ein männlicher Sänger für Duette oder jemand, der Querflöte spielen kann, würde Crescendo noch ganz gut ergänzen, sind sich die Musiker einig. Wobei der „Neue“ erst einmal charakterlich auf Herz und Nieren geprüft werden dürfte. Sandra Ihring: „Wir konnten all die Jahre nur zusammenbleiben, weil es zwischen uns menschlich passt.“

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