„Der Chor lebt vor allem von seiner Gemeinschaft“ / Sankt Bartholomäus unter neuer und zugleich altbekannter Leitung

Barbara Wörtche als Prophetin im eigenen Land

Barbara Wörtche leitet den katholischen Kirchenchor.

Groß-Zimmern - „Wir freuen uns, dass wir eine neue Chorleiterin gefunden haben“, sagt Roswitha Rudolph, Sprecherin und „Managerin“ des katholischen Kirchenchors St. Bartholomäus „Cäcilia“. Ihr halbes Leben singt sie bereits in diesem Chor und weiß deshalb um die Herausforderungen, die mit dieser Stelle verbunden sind.

„Vor allem an den großen Feiertagen haben wir unsere Auftritte. Da fallen schon mal jene Aspiranten weg, die an solchen Tagen gerne wegfahren“, erklärt die Groß-Zimmernerin. Und noch ein Punkt komme hinzu: Auf den weltlichen Bühnen werde diese Arbeit oft weitaus besser vergütet. So müsse bei einem kirchlichen Chorleiter oft ein überzeugter christlicher Glaube und eine Portion Idealismus zusammen kommen, weiß Rudolph. Das war die ganze Zeit auch bei Regina Neuser der Fall. Drei Jahre und einen Monat hat sie den Chor betreut: Jetzt stehen berufliche Veränderungen bei der Breubergerin an: Zukünftig verbringt sie den größten Teil der Woche in die Nähe von Nürnberg, so dass ihre keine Zeit mehr für das Engagement bei St. Bartholomäus bleibt.

Seit fünf Wochen hat bereits ihre Nachfolgerin die Geschicke übernommen: Sie heißt Barbara Wörtche, ist 45 Jahre alt, hat mit Ehemann Klaus, dem Leiter des Posaunenchors, drei Töchter und kommt aus Groß-Zimmern. Schon seit frühester Kindheit ist sie mit der Chorarbeit verbunden, wie ihr Gesangseinstieg in der Kinderschola in Gundernhausen zeigt. In Mainz holte sie sich vor wenigen Jahren quasi ihr Reifezeugnis mit einer kirchenmusikalischen Ausbildung, die sie im November 2006 erfolgreich abschloss. In einer Art Studium lernte sie alles über Stimmbildung und Harmonielehre. Als Klavier- und Orgelspielerin ist für sie eine musikalische Chorbegleitung ohne Probleme möglich. Auch Posaune und Querflöte gehören zu ihren Stärken: Das erste Instrument spielt sie im Bläserchor, das zweite im Blockflötenkreis. In besondere Weise setzt sie sich in der Gemeinde für das Orgelprojekt ein und erfüllt damit jenes Engagement samt Idealismus, von dem Roswitha Rudolph oben spricht. Für Wörtche, die in Darmstadt geboren wurde und seit 1987 in Groß-Zimmern wohnt, ist es nicht die erste Chorleitung: Seit rund eineinhalb Jahren betreut sie bereits einen weiteren Kirchenchor in Griesheim. „Dort liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Gospel. Bei St. Bartholomäus sind es eher die klassischen Stücke, aber auch neues geistliches Liedgut, das auf deutsch gesungen wird“, erklärt sie. Vor allem in diesem Gegensatz sieht sie den Reiz ihrer Arbeit.

Doch wie ist es um den Führungsstil „der Neuen“ bestellt? „Ich lege viel Wert auf das Einsingen. Dazu verlange ich grundsätzlich eine konzentrierte Mitarbeit“, hebt Wörtche hervor. Auch das genaue Singen am Notentext ist ihr wichtig. „Trotzdem soll es natürlich Spaß machen“, lacht die 45-Jährige.

Der Tatsache, dass der Kirchenchor vom Altersdurchschnitt nicht der jüngste ist, begegnet sie mit Gelassenheit: „Der Chor lebt vor allem von seiner Gemeinschaft. Das ist sein großer Pluspunkt“, sagt sie über ihre rund 40 Schützlinge, die sie unbedingt zusammen halten will. Natürlich wünscht sich die neue Verantwortungsträgerin, dass der Chor in Zukunft eine Verjüngungskur erfährt. Besonders Männer werden derzeit gesucht. Dem möglichen Nachwuchs hilft sie gerade selbst auf die Sprünge: Vor kurzer Zeit hat sie mit einer Kollegin angefangen, einen Kinderchor aufzubauen. „Wir ziehen das von ganz unten auf“, sagt Wörtche über den Sängernachwuchs in spe, der als nächsten Schritt auch dazu beitragen soll, die Lücke eines bisher noch nicht vorhandenen Jugendchors zu schließen. Wie bei den Großen entpuppen sich auch beim Nachwuchs die männlichen Sänger als Mangelware. Trotzdem kann die gelernte Krankenschwester, die bei einer Sozialstation tätig ist, schon auf fünf Jungen im Sängerteam zählen. Ob daraus eine eigene Jungengruppe entsteht, müsse man abwarten. „Das wäre schon eine tolle Sache“, verweist sie auf eine besondere Idee in ihrem Hinterkopf, die sich aber nur umsetzen lasse, wenn noch mehr Groß-Zimmerner Schüler das Singen für sich als Hobby entdecken.

Jetzt gilt ihre Aufmerksamkeit aber verstärkt der neuen Aufgabe um den Kirchenchor. Hier stehen in diesem Jahr noch diverse Auftritte in Gottesdiensten sowie das große ökumenische Konzert am 1. Advent in der evangelischen Kirche an. Dafür laufen bereits die Planungen.

Mit der Leitung des Kirchenchores durch Barbara Wörtche ist eine Besonderheit verbunden, weil sie selbst bereits seit fünf Jahren in diesem Sängerkreis aktiv ist. Wer sich auskennt weiß, dass eine Chorleitung nur höchst selten aus dem gleichen Sängerkreis rekrutiert wird, den es im Anschluss zu betreuen gilt. Damit soll eine gewisse Respektsdistanz gewahrt bleiben, wie sie schon immer im Chorwesen üblich ist. „Da waren auch bei mir ein paar Befürchtungen da“, sagt Wörtche mit Blick auf die alte Weisheit, dass der Prophet im eigenen Land nicht so viel zählt. Dennoch gebe es über die ersten Wochen nur positives zu berichten.

„Bisher liegt die Bereitschaft vor, sich auf mich einzulassen.“, sagt die dreifache Mutter zufrieden. Eine klare Rückendeckung erhält sie dabei auch von Roswitha Rudolph: „Der Chor steht geschlossen hinter ihr - und das spürt sie auch.“

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