Umbau an Albert-Schweitzer-Schule

Was lange währt...

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Mit tollen Rhythmen begrüßten die Förderstufenschüler mit Lehrer Jonas Oberle die Gäste.

Groß-Zimmern - Nachdem die Umbau- und Sanierungsarbeiten an der Albert-Schweitzer-Schule abgeschlossen sind, wurde am Mittwoch Einweihung gefeiert. Von Gudrun Fritsch 

Mit durchdringenden Rhythmen werden die zahlreichen Gäste in der Pausenhalle der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) begrüßt. Der „Trommeldonner“ lässt erahnen, welche Lautstärke in dem Raum alltäglich herrscht. „Jetzt sollte es hier deutlich ruhiger werden“, begann Kreisbeigeordneter Christel Fleischmann seine Rede. Damit meinte der Schuldezernent nicht die Schüler, sondern den Baulärm, der in den vergangenen Jahren dominierte. Wie lange die ASS tatsächlich Baustelle war, darüber lässt sich trefflich streiten. Das belegten auch die unterschiedlichen Sichtweisen, die Fleischmann und Schulleiter Helmuth Buch in ihren Rückblicken präsentierten. Die Menschen vor Ort und insbesondere ehemalige Schüler haben die Schule jedoch fast immer irgendwo im Bau oder mit heftigen Mängeln erlebt.

Trotz dieser Differenzen ist man sich offensichtlich einig: Das Werk ist gelungen. Wo einst „dunkle Ecken“ waren, ist jetzt viel Licht. Für insgesamt 5,6 Millionen Euro sei zwar kein Neubau entstanden, aber „Mögliches wurde umgesetzt“, so Fleischmann. Zwar erreiche man keinen Passivhausstandard, aber ein enormes Energieeinsparen, lobte er dankte den Planern, Baufirmen, dem Kollegium und den Schülern.

„Applaus, Applaus“

Als nächstes sei die Friedensschule an der Reihe. Wenn dort das alte Schulhaus umgebaut ist, sei Groß-Zimmern mit Schulen gut ausgestattet, hob Fleischmann abschließend hervor. Auch Schulleiter Buch lobte im „Herzen der Schule“ das Ergebnis. Zutiefst beeindruckt sei er von „Schoofs’ wundersamer Raumvermehrung“, ein einzigartiges Kunsstück des Architekten Detlef Schoofs. Auch Buch dankte allen, besonders dem Lehrerkollegium und den Schülern, für ihre Geduld.

Mit tollen Rhythmen begrüßten die Förderstufenschüler mit Lehrer Jonas Oberle die Gäste.

„Applaus, Applaus“, formulierten es die Fünft- und Sehstklässler musikalisch im Chor, gestenreich souffliert von Sabine Abel und Jürgen Köbler. Damit boten sie den perfekten Einsatz für Bürgermeister Achim Grimm: „Da geht einem das Herz auf. Hier hat der Gesang verstärkt Einzug gehalten“, lobte er erleichtert darüber, dass die ASS nun fertig ist. Auch an ihn hatten sich in den vergangenen Jahren Eltern gewandt, mit Klagen über den Schul-Baustellenbetrieb, der zusätzlich durch die Arbeiten am Kinderarten Angelgartenstraße belastet war. „Noch sind wir nicht ganz fertig, denn auf dem Festplatz wird jetzt der Jugendsportplatz gebaut“, bat Grimm um weitere Geduld und stellte in Aussicht: „Wenn der fertig ist, haben wir hier ein kompaktes, für Kinder, Jugend, Schule und Freizeit gut vernetztes Viertel.“ Mit ihren selbstgebauten afrikanischen Trommeln quittierten dies die Förderstufenschüler von Jonas Oberle. „Er hat eben bei uns sein Staatsexamen mit der Note 1,2 bestanden“, verwies Buch darauf, dass an der ASS nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer gut ausgebildet werden.

Nach den Grußworten von Schulamtsdirektorin Heide Heilos meldete sich der Groß-Zimmerner Landtagsabgeordnete Manfred Pentz zu Wort. Er selbst habe hier die Schulbank gedrückt und wenn die ASS Leute wie ihn hervorbringe, dann könne man wohl zu Recht von einer Eliteschule reden, scherzt er. Ein größerer Erfolg sei es jedoch, dass es - „zu meiner Ziet hier unvorstellbar“ – gelungen sei, Schüler aus dem Umland und insbesondere aus Dieburg für die ASS zu begeistern. „Das ist nur möglich, weil hier viele engagierte Lehrer arbeiten“, lobte Pentz.

Fassaden zehn Jahre saniert

Die kooperative Gesamtschule mit drei bis vierzügigem gymnasialen, Real- und Hauptschulbereich besuchen derzeit gut 850 Schüler. Der Bau wurde in den späten 60iger Jahren errichtet, und inzwischen um ein weiteres Unterrichtsgebäude sowie Turnhalle und Mensa erweitert. Das Haupthaus gliedert sich in einen dreigeschossigen Unterrichtsbereich, eine zweigeschossige Pausenhalle sowie einen eingeschossigen Verwaltungstrakt. Die Fassaden wurden vor zehn Jahren saniert.

Ab 2012 wurde der gesamte Hallenbereich (Stahlbeton-Skelettkonstruktion), der auch eine Überdachung der drei einst offenen Atrien beinhaltet, und der Verwaltungstrakt saniert. Zur Sicherung des Brandschutzes wurden Fluchtbalkone mit Treppen im Bereich der Westfassade der Pausenhalle, direkte Ausgänge mit Treppen aus den Treppenhäusern des Unterrichttraktes und spezielle Verglasungen im Obergeschoss zu den überdachten Atrien eingebaut. Motorisch betriebene Öffnungsflügel ermöglichen zusammen mit den Rauch und Wärmeabzugsanlagen im Dachbereich der Atrien eine natürliche Belüftung der Pausenhalle.

Die gläserne Überdachung wertet die einst gedrückt wirkende Hallensituation deutlich auf und macht sie zum Herzen der Schule. Der vertikale Bezug wird durch eine eingestellte Treppe und einen Aufzug gestärkt. Um mehr Bewegungsflächen zu schaffen, wurden die Atrien im EG freigeräumt.

Eine Mediathek, Cafeteria, Bühnenfläche, Ganztagesbereich wurden angegliedert und eine neue Toilettenanlage in den Randbereich verlagert. Die naturwissenschaftlichen Fachräume mit jeweils direkt zugeordneten Sammlungen, die sich ursprünglich im Erdgeschoss des Verwaltungstraktes befanden, wurden ins Obergeschoss verlegt. Angrenzend wurde ein PC-Raum ausgewiesen. Die Seitenflügel dienen als Besprechungs- und Lagerräume. Eine Rampe ermöglicht den behindertengerechten Zugang zu Teilbereichen im Klassentrakt.

Der Verwaltungstrakt besteht aus drei Teilbereichen. Realisiert wurden hier ein Lehrertrakt mit Besprechungsräumen, Büroeinheiten und einem Lehrerzimmer mit Bezug zum offenen Atrium, zentral am allgemein zugänglichen Flur von der Pausenhalle zur Mensa angeordnete Klassenräume sowie ein Werkstattbereich, der ehemals im Obergeschoss angesiedelt war, mit separatem Zugang vom Pausenhof und Flur. Zur weiteren energetischen Sanierung wurde ein neues Gründach aufgebracht.

Um bestmögliche bauliche Voraussetzungen für eine Ganztagsschule zu schaffen, wurde in beiden Gebäudetrakten besonderes Augenmerk auf eine Neuanordnung der Bereiche mit guter Funktionalität gelegt.

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