Erste Frau an der Spitze: Dagmar Wucherpfennig ist Vorsitzende des Kreistages

„Bei der Jugend ansetzen“

Groß-Zimmern Darmstadt/Dieburg (bea) - Bei der Konstituierenden Sitzung des Kreistages wurde die Groß-Zimmernerin Dagmar Wucherpfennig (SPD) kürzlich zur Vorsitzenden gewählt, und das mit überwältigender Mehrheit.

„Es hat mich sehr gefreut, dass auch die Opposition für mich gestimmt hat“, erklärt die „Neue“ im Gespräch mit dem LA.

Nachdem ihr Vorgänger Ralf-Rainer Lavies erklärt hatte, dass er für dieses Ehrenamt nicht mehr zur Verfügung steht, hat sie sich selber in ihrer Fraktion ins Gespräch gebracht. Aber zuinächst hieß es abwarten, wer nach den Kreistagswahlen die stärkste Fraktion sein würde. Die stellt nach den politischen Gepflogenheiten nämlich auch den oder in diesem Falle die Vorsitzende.

Als politisches Urgestein will sich die 58-Jährige nicht bezeichnen. „Ich bin zwar bereits 1976 in die SPD eingetreten, habe meine politische Arbeit aber erst mit der Amtsperiode des Groß-Zimmerner Bürgermeisters Dieter Emig aufgenommen.“ Nach Ämtern hat sie sich nicht gedrängt, „wenn ich mal bei einem Fest mithelfe, dann reicht das“, so ihre Meinung damals.

Relativ schnell wurde sie ins Gemeindeparlament gewählt und dann wollte sie es auch gleich richtig angehen lassen. „Obwohl ich kein alter politischer Hase war, hat mich der Haupt- und Finanzausschuss interessiert.“

Als sie 1997 für den Kreistag aufgestellt wurde, rechnete sie nicht mit ihrem Einzug. Aber da die SPD aus dieser Wahl mit einer absoluten Mehrheit hervorging, kam auch sie in das Kreisgremium. In der nächsten Wahl 2001 wurde das erste Mal kumuliert und panaschiert und Wucherpfennig wurde vom 34. Listenplatz zehn Positionen nach oben katapultiert. „Das hat mich schon sehr gefreut.“

Von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, dieses Amt bekleidete sie in ihrer zweiten Legislaturperiode, war es dann kein weiter Weg bis zum Vorsitz der Kreis-SPD, den sie nun mit ihrer Wahl zur Parlamentsvorsitzenden abgegeben hat.

„In der Partei gibt es so viele gute, junge Leute, die auch mal in der ersten Reihe stehen sollen“, so eine ihrer Erklärungen für den Ämterwechsel. Während sie als Fraktionsvorsitzende eher politische Reden mit Biss halten musste, ist nun von ihr Überparteilichkeit gefragt. „Ich werde nach Möglichkeit alle gleich behandeln und darauf achten, dass alle Parteien und Fraktionen zu ihrem Recht kommen.“

Selbstbewusst traut sie sich das Amt zu, „ich konnte meinen Vorgänger Lavies viele Jahre bei seiner Arbeit beobachten und habe auch selber schon häufiger Präsidiumssitzungen geleitet, denn als Fraktionsvorsitzende war ich automatisch eine der Stellvertreterinnen des Kreistagsvorsitzenden.“

Aber nicht nur die Überparteilichkeit hat sie sich in ihren Pflichtenkatalog geschrieben. „Ich will das Parlament wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Viele wissen ja überhaupt nicht, was hier passiert. Dabei haben die Bürger auf dieser Ebene durchaus Mitgestaltungsmöglichkeiten.“ Ansetzen will sie dabei hauptsächlich bei der Jugend. Die Schulen will sie anschreiben und Klassen ins Parlament einladen. „Ich weiß, dass das mühsam ist, aber ich habe schon immer einen langen Atem gehabt.“

Gespannt ist sie auf ihre erste Sitzung im Kreistag. Dort sind fast ausschließlich Männer und Wucherpfennig will einen weiblichen Blick reinbringen. Diplomatisch meint sie: „Ich will nicht sagen, dass Männer das schlecht machen, aber Frauen haben bei manchen Fragen doch einen anderen Blickwinkel.“

Zeit für ihr Ehrenamt wird sich Wucherpfennig neben ihrer 40-Stunden-Woche im Regierungspräsidium, nehmen. Sie ist ledig und teilt mit ihren Eltern ein Haus.

„Abends vor dem Fernsehen sitzen ist nichts für mich. Ich muss am Ende des Tages das Gefühl haben, etwas mehr geschafft haben. Aber ein bisschen was Privates, wie Reisen oder Theaterbesuche muss natürlich bleiben“.

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