Vom zarten Pianissimo bis hin zum mächtig brausenden Werk / Fachmann erklärt Grundzüge des neuen Instruments

Beim Sponsoring für das Orgel-Menü fehlt noch der Nachtisch

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Noch gibt es kein Modell von der Zimmerner Orgel, aber zur Versammlung hatte Dr. Manfred Göbel, Vorsitzender des Orgelfördervereins einen Fachmann der Firma Eule aus Bautzen eingeladen, die das Instrument restaurieren wird. Der hatte das Modell einer großen Orgel im Gepäck.

Groß-Zimmern - Für seine Mitgliederversammlung hatte sich der Orgelförderverein fachkundiges Publikum eingeladen. Von Ulrike Bernauer

Jiri Kocourek von der Orgelbaufirma Eule, die das Zimmerner Instrument restaurieren wird, erklärte den Besuchern am Donnerstagabend im Pfarrzentrum die Grundzüge des Orgelbaus.

Begeistert zeigte sich der Fachmann von der katholischen Kirche: „die Pfarrkirche St. Bartholomäus ist eine außergewöhnlich schöne, harmonische und gelungene Schöpfung aus der Zeit der Neugotik um 1904.“ Harmonischer soll nun auch die Orgel werden, die 1908 erbaut, nach der Restaurierung 1979 in die rechte Turmkammer gezwängt worden war und damit nicht nur ihre schöne Optik, sondern auch ihren harmonischen Klang zumindest teilweise verloren hat. Und immer mehr verliert, da etliche Pfeifen dringend reparaturbedürftig sind oder ausgetauscht werden müssen.

Interessanterweise sind die Pfeifen aus dem Jahr 1908 noch in einem besseren Zustand als die neueren aus den siebziger Jahren. „Wir kehren verstärkt zu den alten Techniken und Materialien zurück, die früher beim Orgelbau verwendet wurden“, erklärte Kocourek und zeigte das anhand zahlreicher Bilder aus der Bautzener Orgelwerkstatt.

Feinstes Ziegenleder zur Abdichtung

So verwendet man beispielsweise bei der luftdichten Abdichtung von Orgeln wieder die Materialien von anno dazumal. Statt synthetischer Stoffe werden wieder Streifen von feinstem Ziegenleder eingebaut, die in alten Orgeln Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte überdauert haben.

So wird die Bautzener Firma wahrscheinlich die Hälfte der alten Pfeifen restaurieren, wobei die Sanierung nicht wesentlich kostengünstiger sein wird, wie der Neubau der Pfeifen. Optisch wird sich die Orgel wieder der ersten Version von 1904 annähern, zumindest wird sie ihren alten Platz wieder einnehmen und sich zweigeteilt um das Ostfenster gruppieren. Wobei sie in ihrer Gestaltung ein Instrument dieser Zeit sein soll und keine „historisierende Stilkopie“.

Bleibt nur die Frage, wann das gute neue Stück kommen wird. Diesbezüglich gehen die Meinungen auch im Orgelförderverein ein wenig auseinander. Während sich der Vorsitzende, Dr. Manfred Göbel, bei seinen Schätzungen pessimistisch zeigt und von einem Bestelldatum (dazu muss die Summe der Spenden für die neue Orgel 150 000 Euro betragen) ab Ostern 2013 ausgeht, ist Schatzmeister Helmut Kriha optimistischer: „Wir werden am Jahresende soweit sein, wenn alles gut geht.“ Klar ist allerdings auch, dass die Bauzeit von der Bestellung an noch einmal zwei Jahre in Anspruch nehmen wird und auch nach dem Aufbau die sanierte Orgel nicht sofort bespielt werden kann.

Orgelverein zählt 55 Mitgieder

Der aktuelle Spendenstand liegt bei 105.550 Euro und Kriha rechnet damit, dass man das Jahr mit 110.000 Euro abschließen wird. 55 Mitglieder hat der Orgelverein zurzeit, damit ist er in seinem Mitgliederbestand sehr stabil. Göbel zeigte auch noch einmal auf, mit welch fantasievollen Aktionen die Mitglieder die Zimmerner Bürger zum bereitwilligen Spenden gebracht haben. Darunter waren viele Veranstaltungen, beispielsweise musikalischer Art, aber auch viele Geschäftsleute, die vom Verkauf der unterschiedlichsten kulinarischen Waren ein Scherflein für die Orgel abzweigten. Ganz aktuell ist die „Alte Apotheke“ mit ihren Oijelguudsje“ (Orgelbonbons) dabei.

Kocourek staunte und steuerte eine neue Idee bei: „Wenn die Orgel fertig ist, sollten sie ein Orgelmenü anbieten von all den leckeren Dingen, mit denen gesponsert wurde.“ Göbel gefiel die Idee sichtlich gut und ihm fiel auch gleich ein, was noch fehlt zum Menü: „Wir brauchen noch einen Nachtisch“.

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