Beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Klein-Zimmern zeigt sich von seinen besten Seiten

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Das Absingen der Geißenhymne durfte beim Kommissionsbesuch in Klein-Zimmern natürlich nicht fehlen.

Klein-Zimmern - Neue Blumenbeete, manche Mauer, die in frischer Farbe erstrahlt, Geißböcke, die auf Holzstangen montiert an den Ortseingängen die Autofahrer grüßen.

Das sind Neuerungen in Klein-Zimmern, die vermutlich ohne den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ nicht erfolgt wären. So gesehen zeigt sich Markus Geßner, Ortsvorsteher, Vorsitzender des Feuerwehrvereins und Moderator beim Rundgang durch den Ort schon von Beginn an zufrieden. Als die Kommission, die neben Klein-Zimmern noch elf andere Dörfer bewerten darf, angekommen ist, äußert er erstmal seine kurzfristigen Zweifel an den Klein-Zimmernern. „Ich hätte nicht gedacht, dass ihr in so großer Zahl und so begeistert beim Wettbewerb mitmachen wollt“, sagte Geßner.

Verena Krumm stellt eine der neuesten Errungenschaften von Klein-Zimmern vor. Das Bänkchen unter Kastanie und Linde bietet Waltraud Schuck und Anita Kühner (von links) Platz.

„Wir sind Klein-Zimmern“ dieses Motto haben sich die Bürger gegeben, die sich im Rahmen des Wettbewerbs engagiert haben. „Wir sind Klein-Zimmern“, das können auch die Kindergartenkinder super zusammen intonieren. Die jüngsten Bürger können die Kommission zwar nicht leibhaftig begrüßen – die Gemeindeangestellten und damit auch die Erzieherinnenmachen an diesem Tag ihren Betriebsausflug – aber Geßner hat ihre Willensbekundung aufgenommen und spielt sie den Kommissionsmitgliedern unter dem Gelächter der ganzen Gruppe über sein Tablet vor.

Joachim Köbel, Sprecher der Gruppe, die die Baulichkeiten im Ort vorstellt, hat schon mal eine Wunschliste geäußert. Ein Abbruch des jetzigen Kindergartens, der Neubau einer neuen Kita war am Dienstag im Gemeindeparlament beschlossen worden, sei fatal. „Die Kita hat drei große Räume, darin könnte einmal ein Dorfladen, eine betreute Grundschule, ein Alten- und ein Jugendtreff unterkommen.“ Für seine flapsige Äußerung „der Jugendtreff ist abends, der Altentreff tagsüber, weil die Alten abends ihre Tabletten nehmen müssen, dann müssen die nach Hause“, erhält er nicht nur Gelächter, sondern auch Protest.

Für viele Klein-Zimmerner war es nach Jahren die erste Gelegenheit, einen Blick in die ehemalige katholische Kirche zu werfen.

Köbel hat viel zu tun an diesem Nachmittag, er stellt einzelne Häuser und Hofreiten vor und erzählt etwas über ihre früheren Funktionen. Natürlich werden auch die Plätze und Orte angelaufen, die den Klein-Zimmerner wichtig sind. Start- und Endpunkt ist der Geißenplatz, der praktisch neben dem alten Ortsmittelpunkt liegt. Aber auch die katholische Kirche, hier wurden von der Grünpflege-Gruppe auch neue Staudenbeete angelegt, wird gezeigt und der Grundschule ein Besuch abgestattet. Schulleiterin Angelika Klimt zeigt der Kommission die Vernetzung der Schule im Ort, und die Kinder haben ein Lied einstudiert. Passend zur neuen Vorleserin – Elisabeth Beskrowny wird in Zukunft einmal monatlich eine Lesung abhalten – singen sie aus voller Kehle: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett.“

Dann trennen sich auf Geheiß Geßners Dorfbewohner und Kommission. In der Besuchszeit von zwei Stunden wäre ein Ausflug in die Umgebung von Klein-Zimmern kaum zu bewerkstelligen. Um die Schönheit der Gersprenz-Landschaft dennoch zeigen zu können, nehmen die Kommissions-Mitglieder im Apfelexpress Platz. Normalerweise werden die von einem Traktor gezogenen Kisten mit Äpfeln von Obstbau Geibel gefüllt, heute dienen sie als Privatbahn für Geßner und seine Gäste.

Die Kommission erfährt so manches Erstaunliche, zum Beispiel, dass es in Klein-Zimmern früher einmal Weinberge gab. „Vielleicht gab es hier die Vorläufer der Umstädter Winzergenossenschaft“, mutmaßt Geßner. Zum Beweis zeigt er ein altes Verzeichnis von Bäumen und Fruchtsträuchern, die abzugeben sind, darunter sind auch verschiedene Rebsorten. Die hat das Sankt-Josephs-Haus früher einmal angebaut, wie der Leiter der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung im Hof des Gebäudekomplexes nach der Rundfahrt weiß.

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Markus Pelz erzählt die Geschichte der ehemaligen Wasserburg als gelungenes Beispiel für Integration. Die 1864 gegründete „ehemalige „Knabenrettungsanstalt“, deren Ziel es war, Jungen aus armen Familien eine Chance auf Bildung und gesundes Aufwachsen zu bieten, stand früher etwas außerhalb des Dorfes. Sprachlich drückte sich das in den Bezeichnungen „die Anstalt“ und „das Ort“ aus. Heute hingegen ist aus dem früheren Nebeneinander „ein sehr produktives und fürsorgliches Miteinander geworden“, ist Pelz überzeugt.

Richtig neugierig waren viele Klein-Zimmerner auf die nächste Station. Die alte katholische Kirche haben viele Bürger nach dem Kauf durch Gottfried Salz nicht mehr von innen sehen können. Sie bestaunten die Renovierung des ehemaligen Gotteshauses durch den Privatmann, der sich auf der Empore ein sehr privates Domizil mit Schlaf- und Badezimmer eingerichtet hat. Die Klein-Zimmerner zeigten sich beeindruckt, und so mancher würde hier gerne mal eine Nacht verbringen.

Am Geißenplatz gab es dann den Abschluss – und dabei durfte das Geißenlied, die Klein-Zimmerner Hymne, nicht fehlen. Geßner war zufrieden mit der Präsentation des Dorfes und sprach von einem Gewinn. Die Bürger hätten sich Gedanken darüber gemacht, wie man den Gemeinsinn noch weiter stärken könne und seien wieder näher zusammengerückt.

Ob Klein-Zimmern die Kommission beeindrucken konnte, erfährt Geßner am 20. Juni. Dann gibt die Kommission die Ergebnisse bekannt, wenn Klein-Zimmern unter die ersten zwei Plätze in Südhessen kommt, dann darf es sich noch dem Hessen-Wettbewerb stellen. (bea)

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