Serie Odenwälder Traumpfade

Bergbau im Odenwald

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Blick in den beleuchteten Stollen.   J Fotos: Badior

Bei Traumpfaden denkt man spontan an südliche Gestade, an exotische Vegetation oder an abenteuerliche Wege durch Vulkankrater wie man es durch das beliebt gewordene Inselwandern kennt. Von Hans-Jürgen Badior

Aber es braucht nicht viel und schon gar keine lange Flugreise, um wirklich traumhafte Landschaften in unmittelbarer Nähe zu erleben. Der Lokalanzeiger stellt hier in Zusammenarbeit mit dem Odenwaldklub in lockerer Folge einige erlebenswerte Wanderungen vor unserer Haustür vor. An der Nahtstelle zwischen dem Kristallinen- und dem Sandstein-Odenwald, hinter dem Kamm des Böllsteins, treten verschiedene Erze zu Tage, die vermutlich schon im Mittelalter genutzt wurden. Ortsnamen wie Erzbach zeugen davon.

Zwischen Vulkanen und Meer

Besonders begehrt waren die Manganvorkommen bei Rohrbach als zu Beginn der Industrialisierung mit der Erfindung der Thomas-Birne Stahl hergestellt werden konnte. Mangan als Legierungsbestandteil verleiht den Stählen eine besondere Härte und Korrosionsbeständigkeit. Jedoch wurde der Bergbau in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als unrentabel aufgegeben. Auch ein erneuter Anlauf der Nationalsozialisten, die Grube 1944 als unterirdische Produktionsstätte zu beleben, scheiterte. Erst im vergangenen Jahr hat der Odenwaldklub Reichelsheim eine Wanderroute erschlossen, die im Rahmen des Geo-Naturparks „Bergstraße-Odenwald“ die alten Schürfstätten zugänglich macht und mit Schautafeln erklärt.

Rund ums Ostertal

Der Abstieg nach Unter-Ostern.

Der Weg ist als Reichelsheimer Rundweg durchgängig mit der Markierung R 8 gekennzeichnet und kann in beide Richtungen und von beliebigen Startpunkten aus begangen werden. Die Wegbeschreibung beginnt und endet in Unter-Ostern am Feuerwehrhaus. In unmittelbarer Nähe davon befinden sich eine Bushaltestelle und ein Parkplatz. Da das Ostertal mit Fug und Recht als eines der schönsten Täler im Odenwald gelten kann, darf man sich auf eine aussichtsreiche Wanderung über satte Wiesen und durch lichte Wälder freuen. Allerdings sind dabei in der Summe etwa 400 Höhenmeter zu bewältigen.

Durch die Wiesen nach Erzbach

Auf der Fischershöhe oberhalb von Erzbach.

Man verlässt Unter-Ostern über die Rohrbacher Straße und biegt nach knapp 200 Meter rechts in den Stickelbergweg ein, um nach weiteren 200 Metern eine steile Naturtreppe hinaufzusteigen. Der geübte Wanderer lässt sich dafür genügend Zeit, um den Kreislauf langsam in Schwung zu bringen, denn gleich anschließend folgen weitere 100 Höhenmeter, die allerdings etwas gemächlicher nach oben führen. Das langsame Ansteigen lohnt sich besonders, um oben auf dem Kamm des Stickelbergs und des Roten Bergs noch Muße für die Fernsicht zu haben. An der Schutzhütte biegt man rechts ab und steigt wieder ins Tal hinab, durch das sich die Landstraße L 3105 hinauf zur Wegscheide zieht und gelangt über Streuobstwiesen nach Erzbach.

Zum Oberlauf des Osterbaches

Erzbach verlässt man auf der anderen Seite des Tals über den Klingenweg und die Fischershöhe. Dies kann besonders zur Mittagszeit zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden, denn der Vorteil der guten Sicht muss mit dem Nachteil erkauft werden, dass auch die Sonne ungehindert herab blicken kann. Auf der anderen Seite geht es hinab zu einem kleinen Wohngebiet unterhalb von Ober-Ostern. Ein uriger Landgasthof lädt hier zum Verschnaufen ein. Gleich hinter dem Landgasthof „Ostertal“ biegt man ins Tal mit dem sperrigen Namen „Bach von der Dickhecke“ ein, folgt der Wegmarkierung R 8 und überquert erneut die Landstraße L 3105. Dann geht es durch schattigen Wald und über den Roten Kandel weiter zur Kreisstraße K 51, nach deren Überquerung - unterhalb des 502 Meter hohen Gipfels des „Lärmfeuers“ - man den gleichnamigen Gasthof erreicht.

Mit Lärmfeuer wurden in früheren Jahrhunderten Signalstellen zur Nachrichtenübermittlung benannt. Dabei leitet sich der Begriff „Lärm“ von „Alarm“ ab. So gab es eine ganze Signalkette von Alarmstationen rund um den Odenwald, die bis 1803 benutzt wurden. Ein moderner Ersatz für diese „Telekommunikationseinrichtungen“ steht heute in Form eines Mobilfunkmastes oberhalb des Waldes. Am Gasthof-Hotel „Lärmfeuer“ steigt man zunächst zum Friedhof ab. Dort beginnt der eigentliche Geopark-Pfad „Bergbau“ auf dem mit vielen Schautafeln auf die Reste der Abbauanlagen hingewiesen wird. Der Wanderer kann hier genießen, dass er sich aus freien Stücken einer angenehmen Belastung unterzieht, während die Bergarbeiter damals unter unsäglichen Strapazen die Manganknollen schürften und mit einer handbetriebenen Haspel ans Tageslicht beförderten.

Der weitere leichte Abstieg führt zunächst zum Rohrbacher Oberdorf. Direkt am Beginn der Bebauung weist ein kleines Schild darauf hin, dass man hier den Hauptweg links verlassen muss, um den Eingang des Schachtes „Georg“ zu besichtigen. Nach weiteren 200 Metern über eine Wiese steht man vor dem gemauerten Stollenloch, das zwar durch eine Gittertür versperrt ist, aber durch eine Beleuchtung, die man selbst einschalten muss, weit einsehbar ist. Auf einer Infotafel erfährt man Wissenswertes über die schwierige Entwässerung des Schachtes. Leider muss man den gleichen Weg wieder bis zum Oberdorf zurückgehen und dort fortsetzen. Über eine Schachthalde und den Berg „Vogelherd“ folgt man der Markierung R 8 hinunter nach Unter-Ostern, wo sich der Kreis schließt.

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