Gut beschirmt in den Wald

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Die Waldrundgänger standen am Samstag mit Förster Martin Starke (li.) im Regen.

Groß-Zimmern (bea) ‐   Während sich der Herbst gestern zu einem goldenen Oktober-Sonntag aufraffte, hatten Organisatoren von Freiluft-Veranstaltungen am Samstag Pech. Und so kamen die meisten Waldspaziergänger am Vormittag mit Schirmen und Regenjacken.

Besonderer Blickfang: Naturliebhaber konnten am goldenen Oktobersonntag sogar noch fliegende Kleinode wie den Distelfalter beobachten.

Auf jeden Fall haben sie sich nicht davon abhalten lassen, am Rundgang durch den Gemeindeforst teilzunehmen, der nach einigen Jahren Pause wieder aufgenommen wurde. Gestartet wurde an der Waldschule, und von dort aus war es bis zur ersten Station für die rund 40 Waldläufer nicht weit. „Hier gehe ich immer mit den Kindern hin“, erklärt Förster Martin Starke, „und lasse sie zählen. Sie sind immer begeistert, wenn sie was tun können, wenn nur ich rede, dann verlieren sie schnell das Interesse.“ Zählen lässt der Förster die Bäume auf einem eingegrenzten Waldstück und sie dann auf einen Hektar hochrechnen. Beeindruckende Zahlen kommen da zustande, an Buchenkeimlingen gibt es auf dieser Fläche 250 000 bis 300 000 Stück. Bäume, die zwischen 140 und 180 Jahre alt sind, sind es dagegen nur 70 bis 100. „So verschwenderisch ist die Natur“, meint Starke. „Aber das Ergebnis sagt uns auch was über das Thema Nachhaltigkeit.“

Im Zimmerner Wald ist der älteste Baum, eine Eiche, wohl so 230 Jahre alt“, erzählt der Förster an der nächsten Station. In der Sierra Nevada in den USA hingegen sei ein Baum gefunden worden, der 6000 Jahre alt sei, eine Grannenkiefer.

Fünf Teiche sollen angelegt werden

35 bis 40 Meter hoch werden die Bäume im Zimmerner Forst. „Es ist wichtig, dass man auch alte, tote Bäume stehen lässt, weil viele Tiere sie als Lebensraum nutzen“, so Starke.

Die Gruppe macht an dieser Stelle aber auch noch aus einem anderen Grund Pause. „Wir haben uns für das Projekt Messeler Hügelland beworben“, erklärt der Förster. Die Umweltministerin Silke Lautenschläger habe vor ein paar Wochen 50 000 Euro an Zuschüssen für die beteiligten Forstämter mitgebracht. „13 000 Euro habe ich nach Zimmern geholt“, berichtet er stolz. Mit dem Geld sollen Gräben renaturiert, eine dicke Eiche als Kletterbaum für Kinder gefällt und fünf Teiche angelegt werden.

„Heute nimmt ja jeder das Auto“

Bei vielen Waldgängen ist Rentner Franz Kraus schon mitgegangen. Er erinnert sich eher an vereiste Wege als an Regen. „Den Schirm hatten wir nie dabei, dafür waren ganze Clubs dabei. Und wir sind noch bis ans Waldeck gelaufen, heute nimmt ja jeder das Auto.“

Es tröpfelt immer, das Wasser kommt allerdings nur noch von den Bäumen. Die Schirme werden zugeklappt und den Rest des Waldspaziergangs können die Zimmerner genießen, ohne nass zu werden.

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