Besser als Bundesdurchschnitt

Gute Noten für Trinkwasser in hiesiger Gegend

Gerade im Winter, wenn auf den Äckern keine Frucht steht, wie hier bei Klein-Zimmern, kann überschüssiges Nitrat in das Grundwasser wandern. - Foto: bea

Groß-Zimmern - Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz in Berlin mochte in seinem Nitratbericht keine Entwarnung geben. Die Düngemittel in der Landwirtschaft beeinträchtigen nach wie vor die Gewässerqualität in Deutschland“, heißt es da. Das Hauptproblem sei die übermäßige Verwendung von Stickstoffdüngern. Nitrat belaste vor allem das Grundwasser.

Fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität wiesen zwischen 2012 und 2014 zu hohe Nitratwerte auf. „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen“, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in einer Pressemitteilung, denn wenn das Trinkwasser zu stark belastet ist, dann muss es verdünnt und das Nitrat technisch beseitigt werden. Insgesamt habe sich der Grundwasserzustand in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert. 28 Prozent der Messstellen wiesen Konzentrationen auf, die den Zielwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten.

Diese Werte gelten für ganz Deutschland, der Lokal-Anzeiger hat nun nachgefragt, wie gut das Trinkwasser in Groß-Zimmern und Dieburg ist. Die Qualität ist hier erheblich besser als im Bundesdurchschnitt. Die erste Überraschung, praktisch fast der gesamte Ostkreis bezieht sein Wasser aus der Gemarkung Hergershausen, Babenhausen und Schaafheim. In Groß-Zimmern und auch in Dieburg wird überhaupt kein Wasser zur Trinkwassergewinnung gefördert. „Man müsste in dem Gebiet viel zu tief bohren“, so Wolfram Wittwer, Betriebsleiter des Zweckverbands Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG), das in Hergershausen angesiedelt ist. Zudem sei das Wasser aus den drei genannten Gebieten auch ausreichend für die Versorgung der Bevölkerung in dem doch eher dünn besiedelten Gebiet. Selbst in den heißen und trockenen Sommern würden nur wenige Prozent des zur Verfügung stehenden Wasser genutzt. Groß-Umstadt gehört im Übringen nicht zum Gruppenwasserwerk, es leistet sich noch ein eigenes Wasserwerk.

Eine Nitratbelastung von über 50 Milligramm pro Liter gibt es in den 23 Brunnen des Landkreises nicht, einige wenige Brunnen in der Schaafheimer Gemarkung reichen an die 25 Milligramm heran. Hier schrillen dann schon die Alarmglocken. Solch ein belastetes Wasser bekommt die Bevölkerung aber nicht zu trinken. Die Wässer aus den unterschiedlichen Brunnen werden beim ZVG als Mischwasser mit einem durchschnittlichen Nitratgehalt von 10 Milligramm pro Liter verteilt. Einige Brunnen wie die im Hergershäuser Wald haben im Gegenzug praktisch überhaupt keine Nitratbelastung.

Obwohl also eigentlich Entwarnung gegeben werden könnte, arbeitet man aber auch noch an einer Verbesserung des Wassers. Das Nitrat, das über die Landwirtschaft in den Boden gelangt, wandert in das Wasser. Und zwar etwa einen Meter pro Jahr. Die Brunnen im Landkreis-Gebiet fördern das Wasser aus 20 bis 40 Meter Tiefe. Man kann sich also vorstellen, dass Maßnahmen in der Landwirtschaft, den Nitrateintrag zu verringern, etliche Jahre benötigen, um auch tatsächlich wirksam zu werden.

Dennoch gibt es Bemühungen den Nitratgehalt langfristig und dauerhaft zu senken. Dazu wurden Kooperationsverträge zwischen der ZVG Dieburg und den Landwirten geschlossen. Darin verpflichten sich die Landwirte zu einem Bewirtschaftungsplan ihrer Flächen. Eine Maßnahme ist zum Beispiel die Gründüngung, nachdem die Ernte der Hauptfrucht abgeschlossen ist. Die Pflanzen, die dann auf dem Acker stehen, nutzen das Nitrat, das folglich auch nicht in tiefere Bodenschichten abwandern kann. Werden sie dann untergepflügt, ist das Nitrat auch noch eine Weile gebunden und wandert ebenfalls nicht tiefer. Im besten Fall kann das Nitrat dann im Frühjahr wieder von der Hauptfrucht genutzt werden und belastet das Grundwasser nicht. (bea)

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