Betreuung platzt aus allen Nähten

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Die Schüler sind die Enge und die Lautstärke in dem einzigen Raum der Betreuung gewöhnt. Landrat Klaus Peter Schellhaas (hinten links) ist verblüfft. Schulleiter Helmut Buch nutzte den Besuch des Landrates, um auf die problematische Betreuungssituation aufmerksam zu machen.

Groß-Zimmern (bea) ‐ Eigentlich hätte man „wegen Überfüllung geschlossen“ an den Klassensaal im Erdgeschoss der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) schreiben müssen. Ein gewaltiger Lärmpegel empfing kürzlich Landrat Klaus Peter Schellhaas und Schulleiter Helmut Buch in dem Raum, in dem seit einigen Jahren die betreute Schule untergebracht ist.

Wenn alle da sind, befinden sich 55 Kinder und sechs Betreuerinnen in dem Raum, der mit Tischtennisplatte, Tischfußballspiel, Sitzecke, Regalen voller Spiel- und Bastelmaterialien und einigen Tischen samt Stühlen sowieso schon gut gefüllt ist.

Schulleiter Buch musste dem Landrat nach diesem Anblick nicht mehr viel erklären. Die Raumnot der betreuten Schule erschließt sich auf einen Blick und verschafft sich ausreichend Gehör.

Den Besuch des Landrats an der Gesamtschule nutzte Buch, um auf die Situation der Mittagsbetreuung aufmerksam zu machen. Hoffnungen weckte die Frage des Landrates, ob denn noch Platz auf dem Gelände für einen Ausbau wäre. Das konnte Buch guten Gewissens bejahen. In andere, bestehende Räume könnte die betreute Schule jedenfalls nicht ausweichen.

Für die Hausaufgaben stehen noch weitere Räume zur Verfügung, in dieser Enge ließe es sich unmöglich lernen.

Die Klassenräume, in denen die Hausaufgabenbetreuung stattfindet, lassen sich hingegen zum Basteln und Spielen nicht nutzen, weil sie am nächsten Morgen wieder für den Unterricht zur Verfügung stehen müssen.

„Uns liegen noch viele weitere Anfragen von Eltern für die Mittagsbetreuung vor“, erklärte Buch. „Aber aufgrund der räumlichen Verhältnisse können wir unmöglich mehr Kinder aufnehmen“.

Konsequenz dieser Raumnot wäre auch, dass die Schüler in der Regel mit der siebten oder spätestens achten Klasse aus der Betreuung ausscheiden müssten, da ihr Platz für nachrückende Jüngere dringend benötigt werde.

Organisiert wird die Betreuung von einem Förderverein und der ASS. Schulleiter Buch suchte auch schon mal nach einem Trägerverein, damit Verein und Schule wenigstens von der Verwaltung und den organisatorischen Aufgaben entlastet würden. „Aber das würde 18 Prozent des gesamten Budgets kosten, deshalb kam es nicht in Frage“, erklärt Buch.

76 000 Euro stellen der Landkreis und das Kultusministerium für die Betreuung zur Verfügung. Davon werden im Wesentlichen die Betreuerinnen bezahlt. Für die Eltern entstehen lediglich Kosten für das Mittagessen, das inzwischen dank der neuen Mensa direkt in der Schule serviert werden kann.

„Die Nachfrage auch beim Essen wird immer größer“, berichtet Buch. „Aber wir müssen das Betreuungsangebot auf 55 Plätzen deckeln“. Mitunter wünsche sogar das Jugendamt in konkreten Fällen aus pädagogischen Gründen die Aufnahme eines Kindes. Bleibt nur zu hoffen, dass sich an den räumlichen Verhältnissen etwas ändert, sprich an der ASS mal wieder angebaut wird, damit alle Kinder die eine Betreuung außerhalb der Schulzeiten benötigen, diese auch tatsächlich erhalten können.

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