Gemeinsam Schüler fit für die Bewerbung gemacht

„Biete Motivation - suche Lehrstelle“

Biete Motivation, suche Lehrstelle: Nach diesem Motto machten sich die Hauptschüler der Albert-Schweitzer-Schule beim Projekt „Ausbildungssuche“ fit für die Zukunft.

Groß-Zimmern - (ula) Um Jugendliche der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) bestmöglich bei der Lehrstellensuche zu unterstützen, wurde ein einzigartiges Kooperationsmodell aus der Taufe gehoben: Die Kinder- und Jugendförderung Groß-Zimmern, der Computerclub „Doppelklick“, die Schule und die Initiative „Jugend und Zukunft“ arbeiteten im Schulterschluss, um Schüler fit für die Zukunft zu machen.

Denn: 38 Hauptschüler der ASS müssen ab Januar 2010 in die Offensive gehen, um eine Lehrstelle zu bekommen.

Das Projekt „Ausbildungssuche“ bot den Neuntklässlern an drei Tagen die Chance, sich mit dem Know-How der vier Institutionen perfekt für den Start in die Lehrstellensuche zu rüsten. Das zunächst über drei Tage angelegte Unterrichtsmodell wird den Hauptschulabgängern 2010 auch weiterhin Hilfe bieten. Beispiel: Wie lande ich im Traumjob? „Bei dieser Suche kann unser Patenmodell helfen“, wirbt Martin Göbel für seine Initiative „Jugend und Zukunft“. 40 Paten mit langjähriger Berufserfahrung sind bereit, junge Leute individuell zu unterstützen.

Aber: „Eure Initiative gehört dazu“, gab Tom Hicking von der Kinder- und Jugendförderung die Parole aus: „Unser Prinzip ist: Wir stehen euch zur Seite, aber ihr müsst den Hintern hoch kriegen.“ Nach dem vielen theoretischen „Input“ in der Schule, etwa das Verfassen schriftlicher Bewerbungen und Lebensläufe, ging es mit dem Sozialpädagogen in die Praxis. Erster Schritt: Mit dem Telefonbuch in der Hand recherchierten die jungen Leute, welche Betriebe im Landkreis Hauptschülern Lehrstellen bieten. „Wir mussten oft über unseren Schatten springen“, zog Sarah nach drei Tagen Bilanz.

Das richtige Verhalten im direkten Gespräch war den Schülern noch völlig fremd: „Ei, hast du Lehrstelle?“ Mit diesem Satz wird sich eine junge Dame vermutlich kein zweites Mal bewerben. Auch das „coole“ Herumlümmeln auf dem Stuhl oder ein verängstigtes Starren auf das eigene Schuhwerk sind keine Rezepte, um beim Personalchef Eindruck zu schinden – diese Botschaft dürfte nach dem pragmatischen Training des Vorstellungsgesprächs sitzen. Die telefonische Ausbildungsplatzrecherche führte für drei Schüler bereits zu einem tollen Ergebnis: Sie wurden von Firmenvertretern aufgefordert, ihre Bewerbungsunterlagen einzusenden. Rund 50 Lehrstellen konnten auf diese Weise außerdem ausfindig gemacht werden und sollen bald gut sichtbar an einer Wand der ASS als „Ausbildungsatlas“ bildlich dokumentieren, wo es Lehrstellen gibt.

Ein gutes Instrument für die Berufswahl gab Peter Urban vom Computerclub „Doppelklick“ den Schülern an die Hand: Am PC wurde mittels „Geva-Test“ ein individuelles Interessen- und Begabungsprofil herausgearbeitet und die passenden Berufsfelder gleich mitgeliefert.

Viele Schüler brachten bereits konkrete Berufswünsche mit: „Ich möchte Flugbegleiterin werden“, „Wie werde ich Fitness-Trainer?“, „Reicht mein Hauptschulabschluss für eine Lehre als Zweirad-Mechaniker?“ und viele weitere Fragen gab es in der Abschlussrunde. „Ich möchte Elektroniker für Haustechnik werden“, so Tobias über sein Ziel, „hier habe ich gelernt, dass es viele Leute gibt, die uns zur Seite stehen, das motiviert.“ Auch Sarah hat konkrete Vorstellungen: „Ich möchte Sozialpädagogin werden.“ Und für diesen Beruf, der ein Studium erfordert, ist sie bereit, Umwege zu machen.

„Die Wege, die direkt zum Beruf führen, sind nicht zwingend die besten“, macht Martin Göbel Mut, das Ziel weiter zu verfolgen, auch wenn am Ende des Schuljahres zunächst nur ein Hauptschulabschluss steht.

„Eine clevere Alternative ist eine Lehrstelle anzutreten und parallel den Realschulabschluss zu machen“, so auch Tom Hicking. Jugendliche, die engagiert Hilfe in Anspruch nehmen möchten, will er energisch unterstützen. Sein Ziel: „Wir versuchen für alle einen Job zu kriegen.“

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